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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-09-23 · Heft 75 (23.9.1837) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 75 (23.9.1837)
Date
1837-09-23
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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i. Z-hrg-ng. 'SLffgemeitu No. Zeitung des JudcnthumS. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Köniql.Säcbstscher att«rgnäd»gster Conceftion.) Leipzig, den 23. September 1837. Politik. Zeitungsnachrichten. Dresden, 8. Sept. (Privatmitth.) Die erste Kammer unserer Ständeversammlung hatte in ihren Sitzungen am 3. und 4. August d. I. mit den in der 2. Kammer beliebten Verbesserungen, das Gesetz die bürgerl. Verhälmisse der hierländischen Judm betteffend, insofern sich vereinigt, daß Buchhandel, desgleichen Wechselgeschäste und Viehhandel — ohne vorgängige Concefsion — gestattet, ingleichen jeder hier und in Leipzig wohnhafte Jude ein Grundstück in seinem Wohnotte, unter der Bedingung, cs vor 10 Jahren nicht wieder fteiwillig zu verkaufen, Erbtheilungshalber ausgenommen, solle besitzen dürfen, dagegen beharrte die erste Kammer bei ihrem ftühern Beschlüsse, im Gesetze ausdrücklich zu bestimmen, daß Juden nicht zur Advokatur zuzulassen seien. — Da die 2. Kammer letzterem Beschlüsse nicht beigetceten war, sondern im Gegentheil der Regierung die Ermächtigung ettheilt hatte, Israeliten zur Advokatur zulassen zu können, so mußte nun zur Ausgleichung dieses noch übrig gebliebenen nicht unwesentlichen Differmzpunktes die aus den beiden Präsidenten, aus 5 Mitgliedern der ersten und 7 Mitgliedern der zweiten Kammer bestehende Vereinigungs-Deputation zusammentteten. — Letztere entschied sich dahin, die von der ersten Kammer nun einmal nicht aufgegebcne Bestimmung wegen Nichtzulassung zur Advokatur zwar im Gesetze beizubchalten, dagegen in der zur Regierung gelangenden ständischen Schrift Namens beider Kammern den Anttag zu stellen, »daß die hohe St'aatsregierung dennoch in einzelnen Fällen, wo dieselbe es räthlich finde, hierländischen Juden die Ausübung der Advokatur dispenfations weise gestatten möge.« — Am 1. Sept. wurde letzteres Gutachten der 2. Kammer vorgettagen, und sie nahm-es, ohne Discussion, einstimmig an. Heute (den 8. Sept.) gelangte es in der 1. Kammer zum Vorttag. Hier ttaten die bekannten Judengegner wiederholt auf, um auch diese schwache Concession zu bekämpfen. Ziegler und Klipphauftn, dem seit der Sitzung vom 3. Aug. auch Dt. Großmann sich bei gesellt, nahmen Gelegenheit, ihren alten Sauetteig wieder auszukramen; die Kammer trat aber endlich doch dem Beschlüsse der 2. Kammer mit 19 gegen 10 Stimmen bei. — So endete endlich die nicht besonders erfteuliche Berathung über diesen'Gegenstand für den Lauf des gegenwärtigen Landtages;.das von beiden Kammern nun gleichmäßig, angenommene Gesetz wird unverzüglich von Seiten der Stände an das Gesammt-Ministerium gelangen, um Sr. Majestät dem Könige zur Sanction vorgelegt zu werdm. Theologie. Schreiben eines jüdischen Familienvaters an die Herren Reformatoren. (Eingesandt.) Frühling, 1837. Es ist Ihnen, meine Herren, vielleicht häufig aufgestoßen, daß Ihre persönliche Einwirkung auf unsre Nation von Anhängern sowohl als Gegnern noch lange nicht für so wichtig gehalten wird, als Sie wünschen müssen; daß sie vielmehr, zumal in allen großen Gemeinden, als etwas ephemeres, ttansitorisches hingenommen wird. Erlauben sie einem Laien (ich nehme das Wort in der populären, nicht in der katholischen Bedeuwng, denn alle Israeliten sind Priester) Ahne» einen Grund dieser Erscheinung zu offenbarm. Wir finden Ihre Bestrebungen, auftichtig gesagt, zu sehr auf Nebendinge, zu wenig aufHauptsachen gerichtet. ' Was isi's, das Ihre ganze Kraft beschäftigt? Die Einrichtung der Hierarchie und des öffeurlichen Gebets, beides so ähnlich als möglich der Landesreligion. Ist es dies, was uns vorzüglich Noch thut? Dies untersuchen wir, jüdische Familienväter, mit mehrerm oder mindern» Bewußtsein, und finden, daß cs ganz anderswo liegt, was uns drückt. Sie sind darauf aus, sich eine unabhängige ehrenvolle, in Ihrem Ressort allmächtige Existenz zu sichern; mit einem Wott, die Stellung der protestantischen oder gar katholische» Geistlichkeit zu gewinnen, wobei Ihnen die hervorstehende Bigotterie oder Indifferenz vieler Gemeinden gültige Vorwände leihen. 'Wir jüdische Jechidim aber wünschen in unfern Angelegenheiten nach bester Einsicht selbst mitzureden, und sehen nicht ein, was die Christen sowohl als unsre Vorfahren dabei gewonnen haben, sich so sehr ihren Theologen unterj geordnet zu haben. Das Beispiel unser« ftauzösischen Brü-

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