Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 72 (19.9.1837)
- Date
- 1837-09-19
- Page
- Seite 286 (sequence 2)
- Language
- German
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ordnungcn des Raths, obgleich cr an einem Sountag- MorgLn Sitzung Hallen mußte, von meist ausländischen mauvais sujets Trotz geboten, darum mußte in allen städtischen Blättern jede Wahrhafte Darstellung des Vorgangs' zu Gunsten der verläumdcrischcn unterdrückt werden, darum endlich wurden die Juden, die sich ihrer Haut gewehrt, wegen zu weit getriebener Vertheidigung condcmnirr, 'und die ftevelhaftcn Angreifer, Schlager, Scheibencinwerfcr u. s. w. nach kurzem Arrest wieder entlassen! Der Vorfall an sich ist unwichtig, aber ein treues Abbild aller Judenverfolgungen. Uebrrmuth, boshafter Angriff, Beschönigung durch erfundene Lügen, Aufhetzung der Massen, im Hintergründe aber der Eigennutz, und am Ende die B e - schämung. »Jiru Shoneenu wejoböschu! Unsere Feinde mögen es sehen und beschämt werden!« — das ist das Einzige, was wir als Juden wünschen wollen und als Juden wünschen sollen. Volitifthe Lonrrole. Ueber »Das Staatsbürgerthrrm der Juden Robert Haas.« (Schluß.) Wir fassen nun die drei folgenden Rubriken wegen ihres inneren Zusammenhanges zusammen: den confessionellen, den christlich- oder kirchlich-politischen, und religiösen Gegengrund. Unter ersicrem versteht er den alten Aberglauben über ein feindseliges Element im Judenthume, das er als längst hinweggeräumt anerkennt, und frägt er: »Ist nicht die sogenannte christliche Kirche der abschließende Theil, wcun sie den Juden nicht ihre wohlbegründeten Rechtsansprüche gewähren, sie nicht cmancipiren will?« Unter zweitem die »völlige Verkennung der Idee eines civilisirtm Staates, demselben in seiner eoncentrirten Institution und Gesetzgrdung eine bestimmte EonfeMon anzumuthen. Sein einziger und letzter Zweck ist vielmehr Humanität, und nur insofern Ehristenthmn, als beide identisch sind.« (Nach diesem Grundsatz des Verf. wären freilich dann d i e Staaten die unchrisilichsten, die, sich als christliche fetzend, damit die Ausschließung der Juden mvtivirm.) Der Verf. findet darin einen leisen Anflug von hirarchischer Welcansicht, und glaubt daher, »daß in diesem Betracht die protestantischen Juden und die protestantischen Christen noch mehr Sympathie«» austauschrn können, als Protestanten und römische Katholiken. « Dies hat sich nun gerade nicht bewährt, will Res. ausdrücklich bemerken. Es ist eine alte Bemerkung, die wohl Gelegenheit finden wird, hier einmal näher erörtert zu werden, daß es dm Juden gemeinhin in katholischen Ländern besser ergeht. Im katholischen Frankreich sind sie ganz frei, nicht im protrstantifchm England; der katholische Prinz Johann, der katholische O'Connel vertheidigen sie in pcotestanrischm Kammem; von protestantischen 'Ländern: Norwegm, Bremen, Lübeck, sind sie gänzlich ausgcschlossm; die Päpste aber 'haben die Juden stets milde behandelt, und höchstens mit langweiligen Predigten geneckt; im katholischen Oestrcich haben sie vollkommene Freiheit, ihren Gottesdienst umzubilden u. s. w. — Am begeistertsten spricht sich aber der Vers, im Artikel über den religiösen Gegmgrund aus, hier, wo er den Fanatismus bekämpft, der die Schicksale der Judm als ein Strafgericht Gottes nicht vcrbessem will, der die Juden wegen des Todes des Stifters der christl. Religion verfolgt. Wir müssen uns hier erlauben, einige Stellm des Derf. herzusetzcn, weil diese allerdings dm steien Geist des Vers, am besten charaktcrisirm. Er sagt S. 175: »Wer war Jesus, der Weltheiland? Ein Jude. — Wer sein Vater, seine Mutter? Juden. — Wo har er feine Jugendspiele gespielt? In Judäa. — Was hat seinen Lcbensstnn entwickelt und in steter Progression wie an Alter, so an Weisheit und Gnade bei Gott und Wohlgefallm bei dm Menschm mtfaltet? Ueberhaupt jüdische Verhälmisse, insbesondere jüdische Urkunden und Heiligthümer. — Von wo aus nahm er seine Gleichnisse? aus jüdischer Landschaft. — u. f. w. 'Woraus bestanden die ersten chrisilichm Gemeinden? Aus Juden.« u. s. w. S. 181: »Verfallt man nicht aber mit diesem unaufhörlichm Religionshaß gegm die Judm in anderer Hinsicht in einm sonderbaren Widerspruch? Auch die Christm aller Confessiönen sehm ja die heiligen Urkundm der Judm für Vcrbriefungen göttlicher Offenbarungen an; die Dogmatiker Holm zum Theil ihre Beweisstellen aus ihnm; die christlichm Redner ihre Textcsworte, die geistliche» Liederdichter Psalmm und Loblieder. Und doch vermag man die Bekenner dieser Religionsurkundm nicht zu dulden, doch sind sie ein Dorn im Christmauge, und stellt man ihnm dm Stuhl nicht allein vor die Thür des Himmelreichs, auch in der Erscheinungs- Welt vor das Gebäude des Staats!« So spricht ein evangelischer Prediger, und kein Jude. Endlich der letzte, rechte Gegmgrund, der moralische. Der Verf. hat das edle Lebm begriffm, das im jüdischen Stamme seit einem halbm Jahrhundert erwacht ist, er thut es kund, und vcrcheidigt es. Er wiederholt die Worte-des R. Peel, des Gegners der Emancipaton: »Aus de» angegebenm Gründen wiedersetze ich mich der Bill; es wäre aber unredlich, wenn ich, um ein Vorurtheil gegm dieselbe zu erweckm, vrrsuchm wollte, aus 'dem Benehmen der Judm