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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-09-14 · Heft 69 (14.9.1837) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 69 (14.9.1837)
Date
1837-09-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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I. Jahrgang. ALLgemeine Ro. «s. Zeitung des Zudcnthums. Ein unpartheiifches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Kömgl. Sächsischer allergnävigsier Cvncessivn^ Leipzig, den 14. September 1837. Politik. Zeitungsnachrichten. Constantinopel, 2. Aug. Es ging vor einiger Zeit hier ein starkes Gerücht, daß Regimenter aus Griechen, Armeniern, Katholiken und Juden errichtet werden sollten, es scheint aber bis jetzt sich noch nicht zu bestätigen, und wäre wohl die Bewaffnung der nicht muselmännischen Bevölkerung gar zu gewagt. (Ille Times.) Halle, 1. Sept. (Privatmitth.) Dem in N. 58. dieser Zeitung, wie in vielen öffentlichen Blattern, erzählten höchst rühmlichen Vorfälle, daß der katholische Geistliche in Lehrensteinfels der Frau des dortigen Rabbinen eine Leichenpredigt hielt, kann Folgendes zum Seitenstück gegebm werdm. Der jüdische Arzt Dr. M.... war nach dem Tode des Majors a. D. v. Tr.. von den entfernten Hinterlassenen desselben beauftragt worden, das Leichenbegangniß zu besorgen und als Leidtragender dabei zu ftmgiren. Angekommen auf dem Gottesacker, fand er sich, als kein Geistlicher zugegen war) veranlaßt, den Tobten nicht ohne einige Worte dem Schooße der Erde zu übergeben. Er hielt aus dem Stegreife - eine halbstündige Gedächtnißrede dem Todten, welche den Anwesenden sehr wohl that und allgemeine Billigung fand. Berlin, 3. Sept. Der hier privatisirende vr. Joel Jacoby, Verfasser der »Klagen eines Juden« und der so eben erschienenen, für die legitimistische und contre-revolutionäre Literatur als wichtig bezeichneten ^Religiösen Rhapsodie«!,« hat im Hamburger Correspondemen No. 204. (30. Aug.) eine »Erklärung« gegeben, worin er den ihm durch mehrere Blätter ertheilten Titel »Verräther an dem Liberalismus« zurückweist, und zwar eingestcht, daß er »als Jüngling einige liberale Broschüren herausgegeben, zur Zeit eines Alters, in welchem er nicht für seine Gesinnung, noch für seine Darstellung zurechnungsfähig sein konnte,« — jedoch öffentlich erklärt: »Jahrelange Einsamkeit und ernste Studien in einer Universitätsstadt, die ich hiermit allen Jünglingen empfehle» möchte, welche nach einer bessern Erkennmiß und nach dem Quell des Lebms streben,.— änderten meine Gesinnungen, und reiften diejenige politische und religiöse Anschauung, welche mich jetzt beruhigt und erfüllt.« Er bedauert es sehr, daß er »in übersprudelnder Jugendzeit je ein verunglimpfendes Wott über die von Gott eingesetzte Obrigkeit ausgesprochm,« er bereuet es tief, »daß er es je gewagt, der heiligen Religion und der Kirche gegmüber einen andern Aus- : druck als den der Verehrung und Hingebung vorzutragm.« — Daß diese Erklärung auch ein merkwürdiges Aktmstück der Zeit ist, läßt sich nicht läugnen, und wenn man dem Urheber auch geringere Wichtigkeit beilegt. *) London, 23. Aug. Der Observer schreibt: »Wie unsere Leser wissen, hat Lord Lyndhürst **) unlängst eine Miß Goldsmith in zweiter Ehe geheirathct. Der Vater dieser Dame ist ein Jude. Sie selbst bekennt sich seit vielen Jahren zur katholischen Religion. Wir schließen aus dieser ehelichen Verbindung, daß Lord Lyndhürst nicht länger den Kampfheldcn religiöser Unduldsamkeit machen wird, mag diese nun gegen dm Glaubm seines Schwiegervaters oder gegm dm seiner Frau gerichtet sein.« — Die Times widersprechen: »Der Vater der ftaglichm Dame ist kein Jude, und die Dame ist nie Katholikin gewesm.« — Der True Sun bemerk:: »Lady Lyndhürst ist nicht die Tochter des wohlbekanntm Verfassers des Anti-Gallican, sondem jmes Herm Goldsmith, der seit vielen Jahrm der vertraute Correspondmt des Hauses Rothschild war. Also doch eine Jüdin.« — »Auch dies,« sagt der Courier, »ist ein Jrrthum. Lady Lyndhürst ist die Tochter des Verfassers des Anti - Gallican.« — Ein acht englischer Zeitungsartikel! (Mag die Lady Lyndhurst, von welchem Stamme es sei, ihren Ursprung'genommen haben, sie erinnert sehr lebhaft an einen Aussatz im 1>ivre 6es Cent et Un, betitelt »die Kirche, der Tempel und die Synagoge,« wo ein ftanzösischer Graf, der Katholik ist, eine protestantische Tochter hat, die sich mit einem Judm verheirathet; aus dieser Ehe entspringm Kinder» denen die Eltem die Wahl der Religion fteistellen. Die Tochter wird Katholikin, der Sohn will Jude werdm, da er aber von der Nothwmdigkeit einer gewissm Ceremonie unterrichtet wird, steht er davon ab, und wird Protestant.) *) Der mehrmals und entschieden ergangenen Aufforderung an die Rcdaction, über die bekannten »Klagen eines Juden« ein umfassendes Urtheil auch in diesem Blatte abzugeben, erwiedert diese hiermit, daß, obgleich sie dieses'in No. 5. schon als nahe versprochen, sie es dennoch vorgezogen, noch einige Zeit vorübergehen zu lassen, um den Gang und die Richtung des Verfassers zuvor bestimmter erkennen zu können. Nach dem Erscheinen der gedachten Religiösen Rhapsodieen können wir nun das Gebiet des Vers, überschauen, und werden nicht mehr zögern, unfern Lesern im Weiteren Genüge zu thun. D. Redact. **) Bekanntlich einer der eifrigsten Verfechter der Unduldsamkeit, und Gegner der Emancipation und Kirchenreformen. D. Redact.

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