Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 67 (9.9.1837)
- Date
- 1837-09-09
- Page
- Seite 268 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3224738-3224806--00477-3298764- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sitetotur. Don der in's Englische übersetzten Chronik des Rabbi Josef Ben Joshua ist der zweite Theil jetzt erschienen (der erste erschien im vorigen Jahre), und bedauert Res-, daß er nicht ausführlich die Nachrichten dieses gelehrten Mannes behandeln, sondern nur empfehlenkann. Der Titel ist: The Chronicles of Rabbi Joseph Ben Joshua Ben Meir, The Sphardi. Translated from the Ilebrew by E. H..Bialloblotsky. Vol. II. London printed for the oriental Translation found of Great Bvitain and Ireland, sold by A. J. Valpy M. A. Red. Lion Court Fleet-Street 1S3T. 526 p. 8. Dieser Band begreift die Zeitgeschichte des Verfassers 1517-^54, also die Geschichte der wichtigsten Periode des fechszehnten Jahrhunderts. Die Ansichten und Betrachtungen des Rabbi müßte man übrigens vorzüglich berüchrchtigen,. wenn man die Chronik gebrauchen wollte, -seine Erzählungen sind gerade nicht zuverlässig und genau. So erzählt er: Sie fanden dort (in Amerika) auch die Söhne Cnaks (Riesen), gleich der Höhe: der Ccdcrn war ihre.Höhe, und sie brachten einige derselben in Ketten gefesselt nach Spanien, und die Spanier waren vor ihren Augen wie Heuschrecken. *) Ein sehr merkwürdiges Documcnt für die Jüdische Geschichte füllt in diesem Bande über 40 Seiten, und enthält manches Anziehendes. DerRabbi erzählt nämlich zuerst pag. 149: »Ein jüdischer Herr, dessen Name David war, kam aus einem entfernten Lande von Indien an den Hof des Königs von Portugal, und sprach zu ihm: Ich bin ein Hebräer und fürchte den Herrn, Gott von Himmel und mein Bruder, der König der Juden, sandte mich zu Dir, o König, um Hülfe, und nun sei ein Helfer für uns und wir wollen in den Krieg ziehen gegen Soliman, und wollen das heilige Land aus seiner Hand nehmen.« Der König habe ihn begünstigt, er habe lange in Lissabon gewohnt, die zum Christenthum gezwungenen Juden hätten an ihn geglaubt, er sei hernach durch Spannen und Frankreich nach Italien gereist, habe Fahnen machen lassen, und habe unter diesen Fahnen alle seine Landsleute zum Zuge nach Palästina vereinigen wollen. Dann fährt Rabbi Josef weiter unten fort: Und es ging eine Ruthe auf von Portugal, ein Zweig aus der Wurzel von Israel, welches zerstreut war seit den Zeiten der Zerstörung, des Name war Salomo Molch o, und als dieser sah den Mann David, rührte der Herr sein Herz, und er kehrte zurück zum Herrn, dem Gott seiner Väter. Und er wußte nichts vom Gesetze des Herrn und von der heiligen Schrift in diesen Tagen, und es begab sich, - als er sich jetzt beschneiden ließ, daß der Herr dem Salomon Weisheit gab und er wurde weiser als alle Menschen in gar kurzer Zeit, und viele verwunderten sich über ihn, und er ging nach Italien und mit kühnem Antlitz sprach er vor den Königen und verbarg sein Antlitz nicht vor ihnen. Und er ging in die Türkei und kehrte nach Rom zurück und sprach mit Clemens, der ihm Gnade widerfahren ließ gegen den Wunsch aller derer, die in seinem Rathe saßen und Recht sprachen. Und ergab ihm einen geschriebenen Freibrief mit seinem Namen unterschrieben, daß er wohnen dürfte wie es gefällig sei vor seinen Augen, und er benannte sich selbst mit dem Namen eines Israeliten, und er war weise in der Weisheit der l Cabala, und das Wort des Herrn war beständig auf seiner Zunge und er schöpfte beständig aus dem riefen Brunnen der Cabala treffliche Worte und er schrieb sie auf Tafeln; aber diese habe ich noch nicht gesehen. Dann wird gesagt, wie alle Welt ihn mit Räthseln versucht, wie er in Bologna gepredigt, wie er Alles gewußt und Biele gewonnen habe. Endlich heißt es: Und gar manche kleideten sich in Neid gegen ihn, aber sie konnten kein Uebles auf ihn bringen in Italien, denn er war beliebt vor den Augen der Edlen und er vereinigte sich mit David und sie waren eins in jenen Tagen. — *) Diese Nachricht braucht nicht als unzuverlässig angesehen zu werde«, wenn man an die Patagonier und die frühere Meinung von diesen denkt. Die Redact. Dann folgt von 152-—189 das lange Schreiben Salomos an die Rabbiner, welches mit der Zuschrift beginnt: Ihr großen Berge, ihr Säulen der Gefangenschaft, ihr dir ihr Wissenschaft kennt und Kenntniß versteht, ihr ein lieblich Gesicht vor den Augen dessen, der in der heiligen Wohnung verweilet, ihr die ihr Macht habet zu stehen im heiligen Tempel der Königs, und die ihr eingebunden seid im Bündlcin der siebenzig Gesichter des Baumes des Lebens der Gerechten, zu sein ein starker Wall und ein hohes Bollwerk rund um die zerstörte Stadt (Zion), daß wir leben möchten, um sie wieder erbaut zu sehen! Möchte viel Frieden sein um den Thron des Königs Messias. Diese (die Rabbinen) sind die Saat von Gott gesegnet im Himmel. Der lange Brief enthält sonderbare Visionen, den tragischen Schluß der Geschichte macht die Verbrennung des Propheten.' Rabbi Josef gesteht seuftend dabei ein, er traue seinen Glaubensgenossen nicht ganz, wenn sie'sagten, Salomon sei ganz unbeschädigt aus dem Feuer hcrvorgegangcn und acht Tage nachher lebendig und gesund in seinem Hause gesehen worden. Er 'sagt: der allmächtige Gott.allein weiß es. Ich wünschte zu Gott, ich könntemit Gewißheit und Aufrichtigkeit in einem Buche schreiben, ob diese Worte wahr sind oder nicht. Die Beschreibung der Verbrennung und des von Salomon abgewiesenen Antrags der Bekehrung, welche ihm Karl V. thun ließ, beginnt unmittelbar hinter dem langen Schreiben mit den folgenden- Worten: - Und Salomon wollte mit dem Kaiser reden wegen des Glaubens, wie dieser recht gedeutet würde, und er wandelte seinen Weg, als der Kaiser in Rcgensburg war, und sprach mit ihm dorten. Das Herz des Kaisers ward aber verhärtet und er hörte ihn nicht; er ließ einen Befehl ausgehen und man brachte Salomo ins Gefängniß und seinen Freund Prinz David und seine Leute und sie blieben darin. Dann wird er in Ketten und Banden mit nach Mantua geführt, dort wird er öffentlich verbrannt, und mit einem Gebiß in seinem Munde zum Tode geführt, die Wirkung des Worts des Verfolgten auch im Tode fürchtend. David kam davon, denn es heißt pag. 191: »Und es ward Niemand übrig gelassen bei dieser Verfolgung, als der edle Rübe» nite, Salomos Freund, und sie setzten eine Wache über ihn. Der Kaiser zog nach Bologna, und sie nahmen den Rubcniten mit in einem Wagen, mit Fesseln gebunden, und nahmen ihn mit nach Spanien, und er wohnte dort viele Tage und starb im Hause des Gefängnisses.« Man wird aus dem Angeführten schon schließen können, daß sich über Zustand und Schicksale der unglücklichen Juden des 16. Jahrhunderts, besonders über ihre Verhältnisse in Portugal, Spanien und Italien, viel aus diesem Buche lernen läßt. (Heidelberger Jahrbücher.) Der rühmlichst bekannte Klaviervirtuos, Ferdin. Hille», ist von Frankfurt a. M. auf längere Zeit nach Italien gegangen. Anzeiger. Z« demselben werden Annoncen aller Art gegen ». Gr. Gebühren (Br die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder der« Raum ausgenommen. Die Verlagshandlung. Hebräische Fibel für die religiöse Bildungsanstalt der Israeliten-Gemeinde zu Magdeburg. (Pr. geh. 3 Silbergr.) Zu beziehen durch die Creuz'sche Buchhandlung. Redacteur: vr. L. Philippson. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von W. Haack.