Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 63 (26.5.1838)
- Date
- 1838-05-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3224856-3224920--01046-3298731- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 63. ii.Zchrg°»g. Allgemeine Zeitung -cs Zudcnthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Sächsischer allergnädigster Concession.) Leipzig, den 26. Mai 1838. Zeitungsnachrichten. Aachen, 5. Mai. (Privatmitth.). Seit wenigen Wochen besitzen wir hier eine Bildungsanstalt für taubstumme Kinder, an 'deren Spitze ein geprüfter jüdischer Elementarlehrer, Herr David Hirsch aus Münz bei Jülich mit eben so vielem Eifer als Talent für diese Unglücklichen wirkt. Durch eine vieljahrige Praxis, wie durch methodische Vor-, bereitung an der Taubstummen-Lehranstalt zu Köln, hat derselbe sich die Kunst zu eigen gemacht, taubstumme Kinder in nicht,gar langer Zeit sprechen, lesen und schreiben zu lehren. Die junge Anstalt erfreut sich bereits der Theilnahme und Protektion vieler hohen Standespersonen, unter Andern des hier sehr in Achtung stehenden Regierungs- und Consistorialraths Herrn Claßen, welcher keinen Anstand nahm, den. öffentlichen Ankündigungen des Hrn. H. einige empfehlende Zeilen hinzuzufügen. Für auswärtige jüdische Aeltern, welche für taubstumme Kinder geneigt sein möchten, von dieser Anstalt Nutzen zu ziehen, bemerken wir noch, daß Herr Hirsch, (wohnhaft bei S. Eohen, Sandkaulbachstraße) vorsorgende Maßregeln getroffen hat, solche Kinder in Kost und Wohnung, mithin unter seine spezielle Aufsicht nehmen zu können. Nach dem zu urtheilen, was bereits von Hrn. H. in der kurzen Zeit des Bestehens seines Instituts geleistet worden, bezweifeln wir nicht, daß solches bald eine gewisse Berühmtheit erlangen werde. Paris, 10. Mai. (Privatmitth.). So eben ist eine kleine Broschüre von einem anonymen Verfasser erschienen, die höchst bemerkenswerth ist. Sie führt den Titel: Note sur l’election du peuple Juif (Isaie, Chap. XXVIII., 26). — Der Inhalt betrifft die freisinnige Interpretation der Erwählung Israels und die zukünftige Entwickelung unsres Glaubens. Besonders hebt er einen Punkt hervor, über den, als vom allgemeinsten Interesse, ich die betreffenden Worte hier anfügen will, um so mehr, da ich weiß, wie diese Gesinnung in Deutschland Anklang findet; es heißt S. 11: „Jeder Israelit in seiner Familie kann sagen — wir sind allesammt Priester Einer wie der Andere; der gewöhnlichste Jude, der Taschentücher im Winkel eines Ghetto verkauft, hat einen priesterlichen Charakter eben so legitim wie ein Maimonide auf seiner Kanzel. Dieser Mangel an einem Priesterthume ist ein unermeßlicher Vortheil, welchen wir der Zerstörung Jerusalems verdanken, von wannen sich die Befreiung Israels herschreibt. — Es ist um so nothwendiger, auf diese Gleichheit aller Israeliten in priesterticher Hinsicht zu bestehen, als in Frankreich eine offenbare Richtung besteht, unter uns eine Art geistlicher Hierarchie, der katholischen und protestantischen ähnlich, zu errichten. Denn man bemerke wohl, daß unsere Rabbinen Neuerungen, sobald sie ihre Macht, Würden und Besoldung betreffen, und wären sie ganz christlich, gern annehmen; selbst das Kreuz schreckt sie nicht ab, vorausgesetzt, daß es das der Ehre (Ehrenlegion) ist. Aber den Verbesserungen, die den Kultus dem Jahrhundert anpassen sollen, stellen sie die magischen Worte: *73.-, npm entgegen. Leider! scheint es uns, daß eine ähnliche Richtung auch bei unsern Glaubensgenossen in Deutschland sich geltend machen will *j." — Er kommt hierauf auf den „Briefeines Familienvaters" in No. 75 dieser Zeitung vor. I., und laßt sich zuletzt über die eminenten Dienste aus, welche diese Zeitung der israelit. Sache leistet. Er fordert das Eonsistorium aus, aus 100 Exemplare dieser Zeitung zu abonniren, und sie gratis in den Provinzen zu vertheilen (p. 12). — Dies Schristchen ist mit einem großen Feuer und nicht geringer Sachkenntniß abgefaßt. * * * Magdeburg, 13. Mai. (Privatmitth.). So eben erhalten wir von Seiten der Herren Vorsteher der Gemeinde zu Graudenz eine Subscriptionsliste. In dem sie begleitenden Schreiben ist von Unruhen nicht die geringste Andeutung, und löst sich dies in sein völliges Nichts auf. Aus Mittelfranken, 10. Mai. (Privatmitth.). Der aus München datirte und in No. 50 Ihres vielgelesenen Blattes enthaltene Bericht über die allerhöchsten Ortes genehmigte Synagogen-Ordnung für den Kreis Mittelfranken hat sich, gewiß aus Versehen, einiger Ungenauigkeiten schuldig gemacht, deren Berichtigung diese Zeilen bezwecken. I. Enthält das allerhöchste Ministecial-Rescript die dem Zwecke der Einigung und Ritual-Gleichheit entsprechende Bestimmung einer gebotenen, nicht einer beliebigen Einführung der verbesserten Synagogen- Ordnung. II. Hat der Entwurf der verbesserten Synagogen-Ordnung nach einigen wenigen in Folge der Berathung ") Wenn schon einige Male sich entgegengesetzte Ansichten in unsern Blättern haben hören laffen, so denke man an unsern Grundsatz der Unparteilichkeit. Die mit unsrer Zeitung so innig verwachsene jüdisch-theologische Facultät hat mit hierarchischen Bestrebungen gar nichts gemein, sondern ist vielmehr denen gegenübergestellr; Grund genug, warum dieselbe von Hierarchen so wenig gefördert wird. Redact.