Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 62 (2.9.1837)
- Date
- 1837-09-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3224738-3224801--00449-3298725- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
i. Z-hrg-»g. ALLZeMsiNe No. GS. Zeitung des Zudenthums. Ein unpartheiifches Organ für alles jüdische Interesse in B etr eff v on Politik, Religion, Literatur, Geschichte, Sprachkunde und Belletristik. (Mit Köuigl. Sächsischer allergnädigsier Concession.) Redacteur: Verlag von Br. Ludwig Philippso«. - Baumgärtvers Buchhandlung israelitischer Prediger in Magveburg. . zU Leipzig. Leipzig, den 2. September 1837. Diese ^cituna erscheint wöchentlich I Mal, Dienstags, Donnerstags und S onnabends, und wird jährlich 78 Togen in Quart incl. des Titels, Registers ü. s. w. umsasten. In Gemäßheit des Zwecks derselben die Allgemeinste Verbreitung;u geben, ist der Preis äußerst niedrig: mrt 2 Thlr. i2 Kr. für den Jahrgang — > Thlr.-6 Er. nir ,cchs Monate — is Er. rar das Drertelial-r angeiekt worden, Für dieses Jahr wird keine ganzjahriae Subscr-iption angenommen. Alle Bucl,Handlungen, Postämter und Zcittmgserxedrtronen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedilion für beide letztere hat sich die König!. Sachs, wohllöbl. Zeiwngs-Sxvcdetion allhier unterzogen. Politik. Zeitungsnachrichten. (Fortsetzung des Artikels aus Paris.) »Man wird bemerken, daß der Verfasser des Circulairs, indem er von den Anhängern des mosaischen Gesetzes spricht, sogar die wohlwollende Aufmerksamkeit hat, sich eines Namens nicht zu bedienen, der an so viel Mißgeschick und Beleidigung erinnert, und der in einigen Landern und in dem Munde gewisser Menschen noch jctzr ein Zeichen der Beschimpfting ist. Vielleicht findet man die in dem Circulair vorgeschlagene Modification noch schüchtern und ungenügend, um so großen Leiden abzuhelfen. Jndeß glauben wir, daß der edle Gouverneur von Böhmen alles das vorgcschlagen hat, was ausführbar wäre,. bei dem Bestehen »mächtiger Staatsgründe,« welche er bezeichnet, und die der wahrhafte Grund der Unterdrückung sind) die auf den Juden in Oestreich lasten: — Glücklicherweise drängen so viele Interessen jetzt Oestreich zu neuer Richtung, daß die Menschen, welche die Emancipation der Juden wünschen, hoffen können, daß ihre Wünsche nicht lange' unerhört bleiben werden.« Folgendes ist nun die wörtliche Uebersetzung des Circulairs an die administrativen Behörden Böhmens: »'Ein besonderer Umstand hat neuerdings die Aufmerksamkeit der Regierung auf die Frage gebracht, zu wissen, ob, festhaltend die Prinzipien, welche die Israeliten von dem vollkommenen Genüsse der Bürgerrechte ausschließen, cs nicht passend wäre und geeignet, Conccfssonen einzuführen zu Gunsten der Individuen, welche sich derselben würdig zeigten durch ihre Talente oder ihren Charakter.« »Die ausnahmsweise und durch besondere Vergunst verliehene Concefsion der bürgerlichen Rechte ist durch die Anhänger dieser Maßregel dargeboren, nicht allein als eine Forderung der Zeit -und des Geistes der Gerechtigkeit, der immer mehr und mehr alle bürgerliche Verhältnisse durchdringt, sondern auch als eine für die Monarchie vortbcilhafte Handlung wegen ihres heilsamen Einflusses auf den moralischen und intellectuellen Zustand der Israeliten ....« »Die liberalen Maßregeln des Patentes vom 3. August 1797 haben positiv zum Zwecke gehabt, neue Verbesserungen in dem bürgerlichen Vcrhaltniß der Israeliten, und die völlige Gleichstellung ihrer Rechte mit denm ihrer Mitbürger vorzubereiten.« »Man kann nicht verkennen, daß die durch dieses Patent den BekennerN des mosaischen Glaubens in Böhmen bewilligten Vorthcile die glücklichsten Resultate für die moralische Entwickelung und die industriellen Fortschritte dieser Menschenklasse gehabt. Ein noch schlagenderer Beweis - von dem Eifer der Israeliten, die Verbesserungen ihrer bürgerlichen Lage zu benutzen, resulrirt aus der mehr oder weniger vollständigen Emancipation, welche ihnen in verschiedenen Landern bewilligt worden. Von diesem Augenblicke an haben die Künste, die Wissenschaften, die Industrie, ja alle Zweige der menschlichen Thätigkeit würdige Repräsentanten im Schooße der israelitischen Nation gefunden. Bei uns selbst haben die Fortschritte dieses fteisinnigen und versöhnenden Geistes, welcher die Israeliten zum Eigenthumsrechte zu Allem, was die Benutzung der großen industriellen Unternehmungen, die sie leiten, betrifft, zugelassen, haben diese Fortschritte, sagen wir, den glücklichsten Einfluß auf die Entwickelung der Industrie des Landes geübt. Und dennoch hatte diese Maßregel selbst bei ihrem Erscheinen lebhafte Opposition erweckt, die glücklicherweise nicht gehört wurde.« »Aber wenn selbst die Masse der Nation noch nicht reif wäre für eine vollkommene Emancipation, wenn selbst mächtige Staatsgründe sich der Annahme dieser Maßregel entgegenstellen würden, so wäre dies doch nicht Grund genug, um gänzlich von derWohlthat einer ausnahmsweiftn Emancipation einige durch einen vorwurfsfteien Charakter, durch ihr Verdienst und ihre Kenntnisse ausgezeichnete Individuen auszuschlicßcn.« (Schluß folgt.)