Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 54 (19.8.1837)
- Date
- 1837-08-19
- Page
- Seite 215 (sequence 3)
- Language
- German
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215 dann an die positive Erklärung des französischen Sanhedrins; erinnert an die bei Ehen von Katholiken und Protestanten stattsindenden beiderseitigen (^opulationsceremonieen, und will es den Individuen überlassen, die häusliche Einrichtung übercinkommcnd zu ordnen. (Aber die Kinder, zu welcher Religion sollen diese erzogen werden? ). 6) Die Beschneidung. Der Vers, unterscheidet die Beschneidung als Einsuhrungsformel in einen nationalen Verband, und als Einweihung in die confessionelle Religionsgemeinschaft, als crstere müsse sie antiquirt werden, als letztere siche sie der christlichen Taufe gleich, so daß sie der Staat eben so wenig gebieten, als verbieten muß. 7) Die Sabbathfeier. Er giebt zunächst seine Meinung hierüber dahin ab, daß die Feier des Sabbaths auf den Sonntag zu verlegen eine wünschenswerthe Sache sei, und findet in der Beibehaltung des Tages keine religiöse, sondern nur eine unwesentliche Unterscheidungs- und Gcwohnheitscückficht; es scheint chm die Wahl des Tages so gleichgültig, daß, wenn es sich um eine Vereinigung handelte, man nur zu losenbrauche, wer verlegen solle, — allein trotz dem wäre es eben so unrecht als unwürdig für beide Theile, wenn der Staat in der Verlegung des Sabbaths eine Concession ansprechen, oder gar gegen dieselbe das Staatsbürgerthum verhandeln wollte und könnte. 8) Der Talmud. Der Verf. erkennt an, daß der Talmud viele rein-jüdisch bürgerliche, mit de» bestehenden Staatsverhälmissen und Gesetzen streitende Beziehungen und Vorschriften enchalte, wenn gleich auch wieder andere vorhanden sind, die dieselben mildem, modificiren, aufheben. Er macht daher die Bedingung, »daß derselbe keine confessionelle Autorität mehr besitze, sondem wie jedes andere Buch benutzt werde, das Gute in ihm anerkannt, das Unnütze und Schlechte in ihm verachtet werde.« (Wer den Talmud und seine Anwendung, wie sie jetzt steht, auf's Leben kennt, findet alles Geschwätz darüber unnütz. Von dem vasten Inhalte des Talmuds, der -dennoch immer nur Meinungen Einzelner, nie der Gesammrheit, enthalt , ist nie Alles zur Anwendung gekommen, da die Abfassungszeit schon nach Jahrhunderten der Zerstreuung war. Der juridische und staatliche Theil hat seit einem Jahrhunderte schon die Bideutung verloren; der moralische Theil ist, wenn Widersprüche darin statt finden, individuell mnd kasuistisch, und Böswilligkeit kann aus dem Besten Gift ziehen; es kann also nur vom ceremoniellen Theile die Rede sein, und der geht nur den Ausüber an, denn es kann dem Staate sehr gleichgültig sein, wie viel Fäden zu den Zizith gehören, u. dgl.). 9) Messias Hoffnung. Es wird Jedermann schon erwarten, daß sich der Verf. dahin aussprrcht, daß, wenn das Mesfiasreich als ein Reich des Besserwerdens, der .Vervollkommnung, des allgemeinen Friedens betrachtet wird. Nichts cntgegenzusetzen bleibt. — (Närrisch sind diejenigen, die meinen, der Messiasglaube des Juden könne diesen irgend von den Pflichten gegen die staatliche Gesellschaft, oder von der sorgsamen Betteibung seines Gewerkes abhalren. Man muß nur selbst das Volk über das Kommen eines persönlichen Messias leicht und unbeschadet scherzen hören, um zu begreifen, daß der Messiasglaube durchaus keinen praktischen Einfluß hat. In den höheren Geistern hat er sich aber von ' jeher zu der innern Anschauung einer Zeit der Verklarung für die Menschheit erhoben und ausgebildet. Daß natürlich Israel dann, aller Fesseln entledigt, schon darum verherrlicht dastehen mußte in dieser Anschauung, weil in ihm der Glaube daran gelebt, — o warum verargt ihr diesen einzigen Trost den Verschmachtenden und Verfolgten, denen jede Minute ihres Lebens die Frage zurufen mußte: Herr, wenn di.es nicht sein soll, wozu mir diese Qualen und Mühfale?) (Fortsetzung solar.) Literatur. rnK2n, Ober: Hebräische Chrestomathie der biblischen und neuern Literatur. Von vr. A. Martinet. Bamberg, 1837. 8. XU und 404 S. -Das aufgenommene Biblische füllt kaum 24 Seiten, der Verfasser scheint es auch blos um des bessern Verkaufes willen ausgenommen su haben, und wenn Res. mir ihm darüber auch nicht rechten möchte, hätte er doch gewünscht, auf dem Lirel das Biblische weggelassen zu sehen. Denn die jüdische Literatur, wenn auch nur die neueste für sich in Betracht gezogen, verdient in jeder Beziehung in eine gewählte Blumenlese gebracht zu werden: auctz sie wird einst eine Zeugin der jüdischen Geschichte sein, und den religiös - moralischen Kern und den stammhaften Halt der Jud.n bekunden, und Alles , was würdig und historisch sich ausprägt, bars sich Anverschleiert und offen manifestiren. Diese Makelei berührt aber nicht im Entferntesten diese Blumenlesc selbst, denn die glückliche Sammlung geistiger Blüthen ist vielmehr durch und durch von einer einheitlichen, bewußten und lebendigen Idee -durchhaucht und. nach Kräften durchge-führt. Mit Recht konnte der Verfasser im Vorworte sagen, daß bis auf die neueste Gegenwart fern christlicher Gelehrter sich an die neuere hebräische Literatur gewagt, sie durchdrungen und eine wistenschaftliche Kenntniß davon genommen, da das durch Fülle und formelle Schönheit ausleuchtende Werk von Delitzsch ihm bei der Bearbeitung nicht bekannt war. »Lch wagte die Arbeit, sagt der Vers., durchwanderte die ganze neuere Literatur der Juden, so weit sie mir bekannt geworden, ftagte, forschte nach Kräften, und liefere nun das Resulrar meiner Wanderungen, nämlich die schönsten und besten morgenländischen Blumen^ auf abendländischem Boden großgezogen, prächtig blühend und köstlichen Duft ausgicßend. Obwohl diese Blumen bis 'jetzt ganz unbekannt dem christlichen Gelehrten geblieben zu sein scheinen, getraute ich mir doch dieselben zum duftenden Strauße zusammenzubinden, dem gelehrten Leser anzubietcn und ihn ciuzulad.n, in jenen Gärten sich noch schönere zum strahlenden Kranze zu sammeln.« Diese würdige Bescheidenheit und von humaner Liebe für jüdisches Lols und für jüdische Literatur durchgeisterte Sprache zeigt sich fast bei jeder Bemerkung im Buche, — und der Verfasste