Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 54 (19.8.1837)
- Date
- 1837-08-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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I. Jahrgang. Kt litte Nv. 54. Zeitung des Zudcnthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Königl. Sächsischer allergnädigsirr Covcessioo.) Leipzig, den 19. August 1837. P o l i 11 f ♦ Zeitungsnachrichten. Aus der Schweiz, 21. Juli. Die erste Sitzung der Tagfatzung vom 17. d. beschäftigte sich mit der Revision der Mannschafts-Scala. ' Den Eingang machte ein Schreiben von Neuenburg vom 22. April, welches verlangte, daß bei der Berechnung der Mannschafts - Conringente die nicht schweizerische und die temporäre schweizerische Bevölkerung von der gesammten Bevölkerung jedes Cantons abgezogen werde. In diesem Sinne drückte sich auch Aargau aus, welches sogar verlangte, daß die israelitische Bevölkerung abgezogen werden sollte, welchem Anwage jedoch keiner der andern Cantone beitrat. St. Quentin, 29. Juni. Es hat der Municipalrach unserer Stadt den Herren Deputirten Vivien und Fould (Letzterer israelit. Religion) seinen besondern Dank für ihre Amtsführung in der ftanzösischen Deputirtenkammer, namentlich bei der Eisenbahnangelegenheit, votirt, und den Maire beauftragt, denselben im Namen der Stadt zu überbringen. Rom, 22. Juli. In der Befürchtung, daß die im südlichen Italien so schrecklich wüthende Choleraauch hier einweffen werde, will man den Ghetto (die Judenstadt) vergrößern, da die Bevölkerung daselbst so gedrängt wohnt, daß alles Schlimme davon zu befürchten wäre, wenn die Krankheit Herkommen sollte. *) Aus dem Haag, 20. Mai. Der »Staats-Courant« enthält ein Programm der Cenwal-Commission für die israelitischen Angelegenheiten,- worin untewichtete Männer jenes Glaubens eingeladen werden, Predigten in der Nationalsprache einzusenden. Dieselben sollen sich über religiöse und philosophische Moral verbreiten, über Liebe zu König und Vaterland, über Erziehung der Jugend, zum Staatsdienst und zur Erlecnung von Handwerken ermuntern, und endlich heilsame Lehren gegen Faulheit und Bettelhastigkeit enthalten. Sie müssen der Kommission vor dem 1. Januar 1838 zugesendet werden, urtd der Verfasser der für die beste erkannten Predigt erhalt einen Preis, bestehend in einer silbemen Medaille und 25 Exemplaren seiner Predigt, wenn solche anders zum Druck *) Das ist unläugbar ein Fortschritt, wenn man sich der in Ro. 22. unserer Zeitung aus dem Jahre 1656 gegebenen Notiz erinnert, daß damals der Ghetto ganz adgesperrt wurde, und daß dennoch die Krankheit in der dicht zusanunmgedräagten Menschenmasse nur sehr mild auftrat. d. Red. bestimmt ist. Auch ist der Preis für das beste Schulbuch in holländischer Sprache, zum Gebrauch der Armenschulen, ausgesetzt, gleichfalls in einer silbernen Medaille nebst 50 Exemplarm des gedruckten Werkes bestehend. (Journal de Francfort.) WoUtische Canttaic. »Das Staatsbürgerthu«! der Juden Robert Haas.« (Fortsetzung.) Indem er also als geschichtliches Resultat hinstellt, daß die fteithätige innere Entwickelung nur durch den Mangel an äußerer Emancipation zurückgehaltm wocdm, so könnm wir dies allerdings als völlig praktisch genommen für richtig erkennen, ohne daß natürlich einer tiefem Beachtung der Geschichte es gmommen wäre, dies Resultat sehr zu modificirm. Wir müssen nämlich zuerst erwägm, daß diese fteithätige innere Entwickelung nicht immer die sein konnte, welche sie gegmwärtig ist, also auch ftüher an andere Bedingungm gebundm, also auch ftüher trotz dem Mangel der äußem Emancipation vorhanden sein konnw, aber allerdings als eine andere. Dmn schon das läßt sich vorausschen) daß, da die Entwickelung der allgemeinm Civilisation und civilisittm Welt der jüdischen Entwickelung vorangehm mußte, weil bei gegebenem Inhalte diese Entwickelung des Judenthums nur eine secundäre sein konnte, diese mit dm Zeiten eine verschiedme sein mußte. Mit einem Worte, die Geschichte tiefer ergründet, stellt das Resultat vielmehr so: mit der Entwickelung der germanischm Welt, (denn so kann man diese unmittelbar nach dem Untergange des römischm Staates am bezeichnendstm nmnen,) zum Ausschließenden^ wurde auch die Entwickelung des Judmthums eine immer mehr isolirende, — mit der Entwickelung der civilisittm Welt zu fteithätigem Lebm wurde auch die Entwickelung des Judeythums eine J fteithätige, — so daß es also nur von dw äußern Emanci-