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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-05-24 · Heft 62 (24.5.1838) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 62 (24.5.1838)
Date
1838-05-24
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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II. 2>>h-g°>,g. AllgkMLMk No. «s. Zeitung -es Zudcuthums. Ein rmpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse (Mit König!. Sächsischer Ergnädigster Concession.) Leipzig, den 24. Mai 1838. Zeitungsnachrichten. Paris, 30. April. Das israelitische Consistorium wird am 1. Mai, bei Gelegenheit des Namensfestes des Königs, um sechs Uhr Abends, ein religiöses Dankfest in dem Eonsistorial-Tempel der Straße ^otre-äame-dL-Nazareth feiern lassen. —. 2. Mai. Gestern, als am Namenstage des Königs', empfing dieser unter den übrigen Corpocanonen und Behörden von Paris, auch das israelitische Consistorium, und nahm dessen Glückwünsche entgegen. VonderrussischenGrenze, 30.April. (Prr'vatnntth.). Ich habe absichtlich volle zwei Monate seit meinem ersten Berichte, Betreffs der Installation des Herrn Rappoport vorübergehen lassen, um zuvor die Richtung wahrzunehmen, welche diese für ganz Gallizien wichtige Angelegenheit nehmen werde. Und in welchem Lichte zeigt sie sich nun! Die Gegenparthei, verdrießlich über die Unfruchtbarkeit ihrer Reaction, gereizt durch die glanzende und ehrenvolle Aufnahme des Rabbiners, verdoppelte ihren Eifer, ihre Anstrengung, dem Herrn R. Kummer zu verursachen, sein Leben zu verbittern, das Rabbinat ihm zu. verleiden. Daß bei solcher Gelegenheit das Ungerechteste für gerecht, das Unanständigste für anständig, das Unerlaubteste für erlaubt gilt, wenn man nur dem Ziele näher kommt, lehrt die Geschichte. Wenn dies nock in übelverstandener Frömmigkeit, in falsch bedachter Orthodoxie seinen Grund hätte, könnte man es noch entschuldigen; traurig aber und niederschlagend ist es, wenn solcher Scandal, wie hier der Fall ist, aus Mißgunst, Engherzigkeit und Egoismus entspringt; wenn die Masse kindisch genug ist, das einzusehen, und zu schwach, um sich nicht gängeln zu lassen. Nicht um die etwa gefährdete Religion, nicht um etwa angefochtene Vorurtheile. ist es den Rädelsführern zu thun, nicht in Bigotterie und Eonsecvatismus sind die Triebfedern jhrer Opposition zu suchen — sondern nur Neid, Frechheit und Bösartigkeit sind ihre Motive. Das beweisen vor Allem die Mittel, die sie anwenden. Um Alles in der Welt möchte ich nicht Alles aufzahlen, was versucht worden. Nur Einiges zur Charakteristik unsres jetzigen Zustandes. — Eine kurze Zeit nach seiner Installation wurde Herr R. bei einer Beschneidung mit dem Eliasstuhle beehrt, aber da die Beschneider (Mohelim) sich nur unter den Opponenten befanden, wollte Niemand die Beschneidung vollziehen, und nur nach schwerer Mühe gelang es, einen ausfindig zu machen. — Man fabrizirte I Pasquille, jeder Tag brachte neue Erdichtungen und Verlaumdungen. Um den Pöbel glauben zu machen, daß ihr Rabbiner dem Karaismus zugethan sei, singirte man ein Schreiben eines karaischen Chachams an denselben, worin es hieß: „Ueberzeugt, daß unsere Gesinnungen, Ansichten, Meinungen übereinstimmen, will ich, daß wir in Familienverbindung eintreten, und mein Sohn Deine Tochter heirathe; dann werden wir vereint mit Erfolg am Umsturz des Rabbinismus arbeiten rc." Diese niederträchtige Lüge fand leider beim leichtgläubigen Pöbel Glauben. — Der Sabbat ha Gadol, einer der beiden Sabbate/ wo die Rabbinen Hierlands zu predigen verpflichtet sind, kam, und Herr R. nahm sich vor, in dieser Deraschah seine Unschuld klar darzuthun, seine Gegner zu entlarven, alle unverdiente Beschuldigungen zurückzuweisen, das Volk für sich zu gewinnen, Frieden und Eintracht zurückzuführen. Aber dieses voraussehend, wandten die Gegner alle Kräfte auf, diesem vorzubauen. Sie schleuderten Bannstrahle gegen alle, die zugegen sein würden. Aber die Neugierde siegte, und zur bestimmten Zeit war die große Synagoge übervoll. Herr R. bestieg die Tribüne, vertheidigte sich mit Muth und Energie, betheuerte, nie mit Karaern in Correspöndenz gewesen zu sein, deckte die unseligen Umtriebe auf, und — die Zuhörer wurden überzeugt, wurden gerührt, Gleichgiltige wurden zu Freunden, Verführte zu Anhängern. Debarim hajozüm min haleb, nichnassim laleb! Einer der Rädelsführer äußerte offen:' „Wenn er öfter solche Deraschoth hält, dann stehe uns Gott bei!"-Aber die verstocktesten, gehässigsten Gegner waren draußen geblieben, die Jntriguen begannen von Neuem, die Begeisterung verrauchte, die Töne der Beredtsamkeit waren verklungen — leider! auch verschwendet: und so blieb Alles aus altem Fuße. Aber wie alles Schlechte auch nach den Planen der Vorsehung etwas Gutes mit sich führt, so auch hier. Herr R. wird sich immer fester seinen Freunden in der Noch anschließen, und seinen Grundsätzen treu bleiben. Welche Widerwärtigkeiten er auch zu bekämpfen hat, er wird nicht wanken. Wie viele Verdrießlichkeiten seine Lage auch vergällen, er wird nicht weichen. Gestützt auf Recht und Wahrheit, gestützt auf den Beistand des edlen, humanen Herrn Kreishauptmanns Ritter von Sacher, des Freundes alles Guten und Schönen, gestützt auf den Eifer des verdienstvollen Herrn Z. Perl, der ihm mit Rach und That zur Seite steht, wird er nimmer erliegen. Durch Geduld.und Beharrlichkeit werden die Gegner ermüdet werden, und die Zeit sie und ihre gottlosen Versuche in Vergessenheit ver-

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