Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 51 (12.8.1837)
- Date
- 1837-08-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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I. Zahrg-Mg. . No. 51. Zeitung -es Judenlhums. Ein unparthensches Organ für alles jüdische Interesse. , (Mit Königl. Sächsischer aLergaädigsier Concession.) Leipzig, den 12. August 1837. , Belletristik: Die Marannen. Novelle aus dem letzten 2ahrzehend des fünfzehnten Jahrhunderts.* (Fortsetzung.) 21. . . Am -Hofe Ferdinands und Jsabellens zu Madrid hörten die Festlichkeiten wegen des Sieges über die Mauren noch nicht auf. Zwar waren es nicht jene glänzenden Hoffeste, deren Verherrlichung, wie in den Ritterzeilen, gefährliche Spiele der Tapferkeit ausmachten, auch nicht die unserer Tage, wo die Kunst um die geistigere Gesellschaftlichkeit die Kränze der Heiterkeit windet. — Die damalige Zeit fah mit dem doppelten Janusgesichte in die alte und neue Welt hinein, und das Jahr 1492 war das große Abschiedsjahr des gesammten Mittelalters. Deswegen hatte sich in den 'Sitten und in der Gesellschaft die Färbung der frühem Zeit verwischt, aber sie hattm noch nicht dm festen Charakter, den ihnm namentlich die Entdeckung eines peucn Welttheils und die Reformation des kühnm Augustinermönchs zu Wittenbergs ettheilte. Uebrigms vetträgt sich der spanische Nationalcharakter auch nicht mit dm Aufwallungm der Frmde, die von dm Priestern niedergehaltm, nur seltm, und zwar auch dann nur bei geistlichm Festen, ausbricht. Prozessionen, Schaugepränge, Kirchmfeier warm die Gegmstände, die dem mönchischm Hofe Ferdinands und Jsabellens Zerstreuung und Beschäftigung grben mußten. Sie warm es, wodurch man seiner Dankespflicht gegen Gott für dm vollmdetm Sieg der Christmheit über dm Islam in Spanien am bestm sich zu entledigm, und zugleich das Vertteibm müßiger Zeit am passendsten zu bewirkm gedachte. Aber noch war jmer Sieg nicht vollständig, noch lebtm die ältesten und harmäckigsten Feinde des Glaübms, die Judm, noch hieltm sie, obgleich gedrängt und verfolgt, 'das Haupt empor. So lange man ihrer sich nicht mtledigt hatte, so lange war das Werk, Spanim zum katholischen Königreich Europa's zu machm, nur halb gethan. Waren sie auch durch' die Bande des Blutes mit dm größten Familien verknüpft, die es nicht scheueren, sich mit dm reichen Juden zu verschwägem, — was kümmette dies das nur an dm heiligen Stuhl zu Rom gebundme und keine andere Liebe als die der Herrschsucht kennmde Monchsthum! Warm sic auch die fleißigstm und bettiebsamstm Einwohner des gesegnsten Landes, — desto mehr waren sic der Stein des Anstoßes für die Priester, die . nach dem alleinigm Besitz der Ländereim und des Eigenthumcs ttachtetm. Jetzt war die Zeit reif. Torquemada übcmahm es, dm herrschsüchtigm und des Geldes Nimmersatten König mir der Aussicht auf den großen Gewinn, der ihm durch Vertteibung der ganzen jüdischen Nation vom spanischen Boden werdm könnte, zu bearbeiten, das Gewissen der Königin wurde durch ihrm Beichtvater -kimenes und dm Pfaffm Talavera eingeschüchtcrt: sie legten es ihr an's Her;, dm Sieg des Christenthums durch die Entfemung der Juden zu vervollständigen, sie stellten ihr eben diesen Sieg über die alten Königreiche der Mauren als dm göttlichen Fingerzeig dar, die Religion in ihrer Reinheit zu erhalten, sie malten die Grmcl, welche von den Juden begangen würden, suchtm die Papiere -alter Prozesse hervor von Beschimpfung der Hostir, Kreuzigung christlicher Kinder und Verachtung des Kreuzes. Don Abarbanel wußte - von allem diesem nichts; jene Einflüsterungen schlauer Beichtväter waren dm Granden des Hofes verborgen, wie sollten sie dem Juden zu Ohren kommen? Vielmehr schien sich Alles fteundlich um ihn zu gestalten, Talavera unterhielt sich täglich mit ihm über die heiligen Bücher und Lehren, Cisnero verlangte die Deutung bald dieses, bald jenes religiösen Attikels, — sie lobten seinen Eifer im königlichen Dienste, sie schmeichelten ihm mit der Aussicht auf Belohnungen für sich und seine Familie, sie kamen seinen Wünschen und Verwendungen mit aller Aufmerksamkeit cntgegm.. Abarbanel ward heiter gestimmt, er träumte von den Tagm, wo durch ihn die Herzen von Millionm gebeugter Menschen erleichtert sein würden, er hoffte dm Glanz der .maurischm Zeit unter der Regierung katholischer Fürsten crneucrt zu sehen. So erwiedette er die fteündliche Begegnung mit tauftnd Gefälligkeirm, kein Opfer war ihm zu hoch, es der Frmndschaft darzubringm.