Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 50 (12.8.1837)
- Date
- 1837-08-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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I. Jahrgang. R0. »O. Zeitung des Zudenthums. Ein unparcheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit KLuigl. Sächsischer allergvädigker Coucession.) Leipzig, den 12. August 1837. Politik. Zeitungsnachrichten. Paris, 20. Juli. Die Akademie der Wissenschaften hat in ihrer letzten Sitzung den Herren Wilhelm Beer und vr. Madler in Berlin, als Anerkennung der von ihnen herausgegebmen großm Mondkarte, die Lalandefche Preis- Medaille zuerkannt. Breslau, 5. Juli. Eine sehr auffallende Thatsache ist cs, daß die Selbstmorde in Schlesien verhältnißmaßig unter dm Judm häufiger vorkommm, als , unter dm Christm, und sogar zunehmen. Im Jahre 1836 habm sich 291 Personen, und zwar- 250 männliche und 41 weibliche, das Lebm genommen. Die Zahl der Selbstmörder ist daher nur 18 geringer als im Jahre 1835. Unter dm Selbstmördem befanden sich diesmal 6 Judm, im.Jahre 1835 warm es nur 3. Im Berhältniß der Seelmzahlging daher diesmal von 4000 Judm 1 zu dem schrecklichen Entschlüsse über, seinem Lebm ein Ende zu machm,. wahrend erst unter 9000 Christm ein Selbstmörder war. (Schles. Zeit. R. 155.) Töplitz, 18. Juli. An die öffentlichm Kur-Instituts- Gebäude hat sich ein neues angereihr, dessen Bestimmung die unmtgeldliche Versorgung armer in- und ausländischer, der' Bäder bedürftiger Jsraelitm ist. Unter dem Schutze und der Unterstützung der das allgemeine Wohl so gem beförderndm böhmischm Landesregierung gedeiht auch diese wohlthätige Anstalt, in welcher man eine nachahmungswerthe Ordnung und Reinlichkeit antrifft. Pr es bürg, 16. Juli. (Privatmitth.) In diesm Tagm wurde von dm hiesigen jüdischen Handwerkern ein Fest begangen, welches von diesen auf die Erhaltung der Concession-zur Erlangung des Meisterrechtes gefeiert wurde. Ein rührmder Anblick war es, dm Jubel und die. Freude dieser Lmte zu sehm, welche nach langjähriger Bemühung mdlich diese Concession erhaltm habm, die nicht allein jedm Glaubensgmossm, sondem auch jedm wahrm Menschenftmnd mit inniger Theilnahme erfüllen muß. — Daß es aber dennoch hier noch lange nicht ganz klar ist, mag folgmder tragikomische Vorfall an die Hand gebm, der sich erst gestern hier zugetragm. Ein armer Jude ging nämlich über 1>en Markt, und führte ein kleines Mädchen an der Hand. Einige Christm, dmm es nun rinfiel, das Kind habe keine jüdischen Gesichtszüge, muthetm dem Judm zu, er habe das Kind gestohlen. Polizei wurde geholt, der Jude wurde auf's Stadthaus geführt, gemartert und gequält, bis mdlich durch Verwmdung der hiesigen Gemeindevorsteher bewiesm wurde, daß es sein eigmes Kind ist, und der arme Mann losgelassm wurde. Posen, 20. Juli. (Privatmitth.) Der Herr Baron v. Kottwitz, welcher bekanntlich 5000 Thlr. zur Begründung einer israelitischm Knabm-Waismanstalt geschmkt hat, die bereits seit einem Jahre in's Lebm zetteten, hat vor Kurzem wieder einer Session der Direktoren beigewohnt, wo er trotz seiner überhäuften Geschäfte stundenlang aushielt, und bei dieser Gelegenheit ein abermaliges Geschmk von 45 Klaftem Holz der Anstalt machte, — Beweis genug, daß er mit derselbm auch hinlänglich zuftiedm ist. Er beehtt auch die Anstalt selbst oft mit seinem Besuche, 'unterhält sich mit dm Knaben auf eine väterliche Weise, prüft und belehrt sie. Dies ist doch Edelmmh und Großherzigkeit, von der nicht wieder ein Beispiel zu findm ist. Politische Lonttole. Das Aeugniß des Ministers Winter in der Badenschm Kammtt, ausgefprochm im Angesichte des ganzm Landes und des ganzm Dmtschland, hat auf eine unwidersprechliche Weift dargechan, wie unrecht es ist, wenn man sich nicht schmt, öffmtlich auszusprechm, die Erfahrung andtttt Länder zeige, daß die Emancipation nachtheilige Folgm habe, man müsse diese Erfahrung wohl berücksichtigm, und sich noch zur rechtm Zeit wamm lassen. Als dtt ftanzösische Ministtt in dtt Deputirtmkammer aussprach, die Judm gehören zu dm »besten Bürgern des Staates, sie zeichnm sich aus durch Trme, Fleiß und Nüchternheit, die Beamlm und Staatsdimer jüdischm Glaubms machm sich des bestm Lobes würdig, — da sagte man in Deutschland: es ist dm ftanzösische Minister, ftanzösifcher Leichtsinn, ftanzösische Phraseologie! Jetzt spricht dasselbe nn deutscher Ministtt aus, ein Ministtt, dtt des größtm Rufes im ganzm deutschm Vatttlande, dtt allgemeinstm Dttchrung in seinem Lande genießt. O Winttt, Du hast Dir keine Freunde dadurch gemacht, und das Annäb erg er Gewttbsblatt wird Dich wohl zürechtweiftn müssen! | Ab« «s ist Wahrheit! Dmn das Lob wird ausgefprochm