Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 49 (10.8.1837)
- Date
- 1837-08-10
- Page
- Seite 196 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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196 den Rabbinen fordert,' so wird die Beschäftigung mit diesen Theilen wohl unerläßlich sein. Dies ist die encyklopädische Ueberftcht der jüd. Theologie. Wir kommen nun zur Methodik ihres Studiums. (Fortsetzung folgt.) Sitetatut. g>. Ungar eilt, der ausgezeichnete Orientalist, hat .bedeutende Materialien gesammelt, um nach der Methode Champollion's die Erklärung der Hieroglyphen auf dem zu Rom befindlichen Obelisken zu geben. Gegewärtig gibt er die koptische Grammatik von Rossellini heraus. »Auch ein Wort über Emancipation der Juden. Von 6« FOr. Dresden.« — Ein ziemlich derbes Wort zu Gunsten der Juden, jedoch nichts Neues. S. Gersdorf, Repert. XII, 6. In den »Prakt. Arbeiten zur Förderung wissenschaftlicher Ausbildung des gemeinen Rechts, mitgetheilt von Prof. Dr. Elvers zu Rostock, wird in Nr. VI die Frage: kann ein Israelit zum Dr. jur. atriusque (bekanntlich römisches und kanonisches Recht) promovirt werden? verneinend beantwortet. Wir übergeben dies dem Hr. Dr. Ri eß er zur Untersuchuug und Beantwortung. ' Eine schöne Übertragung des Predigers (Koheleth) smit Parallelstellen von Horazj, der Sprüche Azur Benjakeh's (Spr. Salom. Kap. 30), des hohen Liedes, des.Ps. 45 (Königs Vermählung), des Bausegens (Ps. 127.) und Frauenlobs (Spr. Sal. Kap. 31), mit wahrhaft dichterischer Kunst, hat M. Immanuel Hoch zu Karlsruhe unter dem Titel »der deutsche Salomo« gegeben. Bücher schau. (Fortsetzung.) Die neuere Zeit hat das Eigenthümlkche, daß Alles zur Sprache kommt. Gegenstände, Meinungen aller Farben, solche, wttche die allgemeine Welt langst abgethan glaubte, tauchen wieder hervor, um abermals zum Leben zu gelangen, — ein hinlängliches Zeugniß, daß Vieles, was eine frühere Zeit leichtfertig beseitigt zu haben meinte, noch bei weitem nicht zu Ende geführt, und aus dem Dasein gewichen ist. Die Sabbath fei er gehört zu diesem. Während dieselbe in der christlichen Welt lange Zeit sehr lau, in der jüdischen Welt seit einiger Zeit sehr wenig berücksichtigt worden, so daß die allgemeine gebildete Welt über ihre Beobachtung die Achsel zuckte, hat sie in neuester Zeit wieder heftige Bertheidiger gefttnden, die sich nicht leicht werden abweisen lassen. Denn es ist natürlich, daß Verfechter von Meinungen, die Andere schon lächerlich zu finden begannen, gerade in der Consequenz und Beharrlichkeit ihren Stützpunkt finden. Wir erinnern an die Bill des Sir Andrew Agnew und die Parlamentsverhandlungen darüber, die in diesen Blättern mitgetheilt worden. In Deutschland wirst sich ein Herr Trahe zum Bertheidiger der Sabbathsfeier auf, und können wir ihm auf jeden Fall einen gewissen heiligen Ernst nicht absprechen, mit dem er die hochwichttge Angelegenheit durchführt. Das betreffende Büchlein fährt den Titel: »Erfahrungen und Beobachtungen über die Wirkung der Sabbathsfeier auf Israeliten und Christen.« Er macht vor Allem darauf aufmerksam, daß er früher nicht immer diese Meinung gehegt, daß ihn aber das Leben stets ernster darauf geführt. Jndeß beginnt er mit einer eigenthümlkchen Idee, indem er behauptet, Moses wäre nicht Stifter, sondern nur Wiederhersteller .der alten Abrahamschen Erzväter-Religion, so daß.es eine eigentliche Mpsaischo Religion nicht gebe. Dies ist nun allerdings ein völliges Bekennen der Entwickelung der Offenbarung, und selbst wider die heilige Schrift, welche stets sagt: »Die Lehre und das Gesetz, welche ich dir durch Mose befohlen;« und noch tiefer: »ich habe mich den ' Erzvätern nur als Allmächttger, nicht als ewiges, einziges Wesen kundgethav,« u. s. w. Einen netten Vergleich giebt der Derf., wenn er den Sabbath mit dem Schlafe vergleicht, so wie der Schlaf die Ruhe ohne Bewußtsein giebt, so der Sabbath mit ' Bewußtsein.. Die Wirkung der Sab'bathftier auf den Israeliten findet er nun in der Beförderung der Sparsamkeit, der Thätigkeit während der Werkeltage, der Besonnenheit und Ordnung, und findet überhaupt in der Sabbathsfeier die Quelle der industriellen - Ueberlegenheit, welche er den Juden zuspricht. Freilich müssen wir keinen Anstoß darin finden, daß auch er nur eine materielle Wirkung des Sabbaths bei den Juden herausstochert, — das geistig-religiöse Element des jüdischen'Lebens möchte man so gern verleugnen, und will nichts davon wissen, daß die viertausendjährige Geschichte des jüdischen Volkes von weiter Nichts spricht, und in weiter Lichts ihr Dasein findet. Der scharfsinnige Forscher palästinensischer Antiquitäten, Karl, v. Raumer, hat einen der schwierigsten Gegenstände aus dem Bereiche der fünf Bücher Mofis, den Zug der Israeliten aus Aegypten nach Eanaan, auf eine gründliche Weise anschaulich zu machen gesucht. Wir müssen den Leser auf die Broschüre selbst verweisen, da die Darstellung in sich zu genau zusammenhängt. . Rur eine Seite seiner Anschauungsweise wollen' wir hervorheben, seinen Eifer gegen die natürliche Erklärung der Wunder. Er ftagt: »Wissen denn diese Erklärer, warum das Wasser bergab läuft, das Feuer himmelan steigt.' wie aus der Eichel ein mächtiger Eichbaum emporwächst, — wie Brot sie ernährt, wie doch ihr Herz Tag und Rächt schlägt? Ja, können sie auch nur die kleinste Frage der Schöpfung gründlich wahr beantworten, so gründlich wahr, wie Gott selbst sie beantworten würde? Erkennen sie nicht, daß solch Antworten dem in rsxion« dissimilitudinis ansässigen Menschen nicht möglich sei?« — Wir geben dem Derf. unumwunden Beifall, und hegen die Ansicht, daß in «Betreff der Wunder nur die Alternative möglich fti: _ entweder zu glauben, oder fallen zu lassen. Denn wenn -wir die Wunder auf die ungezwungenste Weise nach dem gewöhnlichen Maßstabe der Naturereignisse zu erklären erst im Stande wären, bleibt immer die Frage: Warum giebt sie uns die Schrift für Wunder, für außerordentliche Kundthuung des Willens Gottes aus? Die Schrift hätte auf jeden Fall Lügentheiding gesponnen, --und wer dies annehmen wollte, ließe fteilich besser die ganze Schrift liegen. Hier können wir auch füglich des bedeutendsten Unternehmens neuerer Zeit im Gebiete der Dibelforschung Erwähnung thun, einer neuen Covcordanz, welche von dem als Sprachforscher, bekannten Di-. Julius Fürst in der Tauchnitz'schen Offizin in Leipzig stereotyp ausgefühtt wird. Es ist diese Ausgabe, deren erste Lieferung (mx — 3N 120 S.) bereits ausgegeben ist, wie durch ihre typographische Schönheit, so auch durch die Berichttgung des Textes und der Stellenangaben, durch die Hinzufügung einer rabbinischen und lateinischen Interpretation, und durch die bedeutenden Anhänge, die am Ende des Werkes ihre Stelle finden, und die wir zur Zeit näher charaikterisiren werden, ausgezeichnet, und ein Muster für derartige Unternehmungen. Die Stereotypirung ist übrigens schon über Nun hinaus. (Fortsetzung folgt.) Redacteur: Dr. L. Philippso«. — Verlag von BaunigärtnerS Buchhandlung. — Druck von W. Haack.