Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 49 (10.8.1837)
- Date
- 1837-08-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/3224737-3224738-3224788--00384-3298641- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
I. Jahrgang. UskgeMerrtL No. 49. Zeitung -es Zu-enthums. Ein unpartheiifches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Köuigl. Sächsischer allergllädigster Coacession.) Leipzig, den 10. August 1837. Politische Lontrole. »Das Staatsbürgerthum der Juden Robert Haas.« In mehreren Zeitungen wurde die jetzt vor uns liegende Schrift, noch vor ihrem Erscheinm, lobend angekündigt, und die Erwartung angeregt. Ihr Verfasser ist ein junger evangelischer Prediger zu Dotzheim bei Wiesbaden, und bald hieß es, er habe sogar, zum größten Theil wegen dieser Schrift, das Doctordiplom von Gießen aus erhalten. (S. unsere Zeit. N. 4. nnd 23.) Um so naher liegt uns die Pflicht, unpartheiisch über dieselbe zu reftriren, und ihre Erfolge unfern Lesern darzulegen. Fragen wir zuvörderst dm Verfasser selbst, was sein Endzweck, seine Tmdmz welche? geweftn, so-kündet er dies uns selbst an: die Angelegmheit der Judm in einem wissmschaftlich geordneten Ganzen, vom Standpunkte der inner» Politik oder einer religiösen geistigen Staatentendenz zu behandeln, und »einigermaßen zu erhellen die große welthistorische Angelegmheit des neunzehnten Jahrhunderts: das Gespettst jüdischer Nationalvorurtheile vollends zu beschwören und mehrere Millionm Menschm aus einer so ungerechrm Lage einem scgensreichm Gedeihm selbstständiger Entwickelung und humaner, volksthümlicher Glückseligkeit zurückzugeben!« — ' Diesem schönen, erhabenen Ziele sucht der Vers, auf folgmdem Wege nahe zu korkt men. Ec durchwandert im ersten Abschnitte die »Geschichte der zerstreutm Judm,« um zu zeigm: »wie der Mangel der äußerm Emancipation das störmdste Hindemiß einer innerm fteithätigm Entwickelung war.« (S. 53.) Hierin fällt der Vers, ganz mit unsem Ansichtm zusammen. Schon vor fünf Jahren machte Res. mehrere Male darauf auftnerksam, und suchte es gcltmv zu machm, daß die Forderungen des nmerm Judenthums unmittelbar geschichtlich begründet werdm müssm, um eine naturgemäße Veranschaulichung des gegenwärtigen Standpunktes zu gewinnm. Der Vers, versucht cs hier. Er fuhrt uns durch die verschiedmm Lander, und zeigt uns die Fluctuationm des jüdischm Daseins, und indem er zugleich Blicke in die innerm Lebensbewegungen des Judmthums wirft, kommt er zu dem Resultate, das obm mit seinen Wortm bezeichnet worden. Er zeigt, wie durch die angclcgtm Schimm der Wuchs sich zu einer einzigm abseitigm Richtung wenden mußte; wie aber mit der Ablösung der Bande die Lebenskraft dennoch durchdringt, die abgestandmm Säfte ausstößt und verzehrt, und eine freie Entwickelung, »in einer entschiedmm allgemeinm Reformation des Judmthums,« begonnm hat. Im zweiten Abschnitte begründet er das Staatsbürgetthum der Juden durch die Forderung der innem Politik: »daß einerseits die Judm ihre längst erstorbme Nationalität aufgeben, und andrerseits die betteffmdm Staatm ihnm volle Gleichstellung ^wahren.« (S. 61.) Im dritten Abschnitte nimmt er dm geschichtlichm Fadm der Emancipation wieder auf, und behandelt: »die neueste Lage und Bestrebungm der Juden auf dem ganzm Erdkreis, insbesondere in Deutschland.« Hier will also der Verfasser gleichsam einm Beweis für die beidm vorhergehmdm Abschnitte gebm, indem er theils zeigt, daß mit der äußeren Emancipation die innere Entwickelung auch wirklich begonnm, theils wie sein Grundsatz in Bezug auf das Staatsbürgerthum sich auch bereits verwirklicht, und in der Verwirklichung darstellt. Somit ist dmn auch sein Gang gerechtfertigt,- da man eher dm drittm Abschnitt vor dem zweiten vermuthet hatte. So sehr wir uns nun aber mit der geschichtlichen Begründung des VcrhälMisse des Judmthums, wie sie der Vers, ausführt, einverstanden erklätt haben, so wmig könnm wir jedoch die Behandlung des Gegmstandes als eine vollkommen wissenschaftliche anerkmnen, sondern müssen sie alseine geschichtlich-vemünftige gelten lassen. Dir vollkommm wissenschaftliche Bchandlung hatte durchaus einen wissmschaftlichm Begriff des Judmthums, und die strenge Durchführung desselben durch Geschichte und Kritik erfordett, und daran mangelt es hier noch, wenn es überhaupt in dem Zwecke des Herm Verfassers gelegm hätte. Der wissmschaftliche Begriff