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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-08-08 · Heft 48 (8.8.1837) · p. Seite 191

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 48 (8.8.1837)
Date
1837-08-08
Page
Seite 191 (sequence 3)
Language
German
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191 dieses Grundsatzes von jeher vorzubringen bemüht gewesen ist, nur aus trüben Quellen fließt: aus Juden -, besondücs Religionshaß und Intoleranz; aus einem nicht freisinnig genug erwogenen Sweben für das eigene Interesse und aus einer zu weit gewiebenen ängstlichen Besorgniß für dasselbe; aus Jrrthum, und endlich am allgemeinsten, aus einer gewissen Aengstlichkeit und Besorgniß, die sich überhaupt gar keinen Grund anzugeben vermag, die aber eine Stütze findet in dem allgemeinen Vorurtheile. — Ich empfehle Ihnen zunächst:. Seien sie großmüthig; Großmuch ist niemals und nirgends das Eigenthum der Menge gewesen. Die große Menge hat immer einm, ich möchte' sagen angebornen Trieb, eine heimliche nicht auszurottende Neigung,' Druck und Gewalt zu üben. Sie finden dies in allen Verhältnissen, bei allen Nationen. Eingemgt durch Regierung und Gesetz suchen die großen Massen vermöge jenes Triebes, der daher auch wohl hin 'und wieder zu den rohesten Ausbrüchen führt, stets gern an dem Gegenstände Rache zu nehmen, der weniger von dem Gesetze beschützt dasteht. Daher sehen wir überall eine vorgefaßte Meinung, eine feindselige Gesinnung und Handlungsweise, sei es gegen ein unterdrücktes Volk oder eine geringere Kaste, sei es gegen eine andere unterdrückte Gesellschaft. Es beweist dies die Geschichte aller Zeiten, und es ist eine tcaurige Erfahrung, daß jener Trieb gerade da, wo die bürgerliche Verfassung am steiesten ist, in der Regel am meisten hervorwitt, und dieser Druck gegen «ine gewisse Klasse am hattesten geübt wird. Ich beziehe mich, um nur die Vergangenheit anzuführen, auf.die alten Griechen und Römer, welche Staatsverfassungen hatten, die gewiß nicht freisinniger gedacht werden können; ich erinnere an den traurigen Zustand der Heloten und Sklaven. Konnte bei so freisinnigen Völkern eine solche. Richtung des Geistes vorherrschend sein, so ist es nicht zu verwundem, daß überall auch heute in allen Ländern die allgemeine Richtung des Sinnes der Menge nicht Großmuth zum Ziele hat. Aber Sie, meine Herren, Sie, die Erwählten der Nation durch das Berttauen des Landes hierher berufen, Sie stehen auf einem höheren Standpunkte, über den Voruttheilen der Menge, Sie werden Großmuth üben. Sie haben die Gewalt dazu, haben Sie auch dm Willm! Denken Sie, währmd sie diese ihre wichtige Funktion übm, dmken Sie daran, daß hundett jüdische Familienväter in der waurigen Besorgniß schwebm: »Was soll aus unfern Kindern werden?« Die Judm sind nicht mehr auf der Stufe, daß sie sich ruhig sagen könnm: »sie werden, was wir sind.« Sie sehm auf ihre Umgebungen in allm .Ländern Europas, sie wissm, wozu alle Menschen, also auch - die Judm berufen und bestimmt sind, sie fühlm schwerlich, daß es etwas höheres auf der Welt gibt, als den Handel mit alten Kleidern.Denken Sie sich, meine Herren, dies recht lebhaft, versetzen Sie sich selbst in die Lage eines solchm Familimvaters, welches Gefühl würde sie befallen, wenn Sie sagen müßten: »Ich weiß nicht, was aus meinem Sohne werden soll?! ich würde ihn gem ein Handwerk lehren lassen, ihn der Kunst oder der Wissenschaft zuwenden, aber es sind mir alle Wege dazu verschlossen.« —' — Keiner von uns, meine Herrm, har cs in seiner Gewalt gehabt, Keiner von uns kann cs sich zum Verdienst anrechnendaß er nicht als Jude geboren ist. Wmn wir als Christm geborm sind, was in aller Welt könnm jene Armen dafür, als Judm geborm und schon durch ihre Geburt von allen Rechten und Vortheilen der mmschlichm Gesellschaft ausgeschlossen zu sein? —, Nicht zu leugnen ist, daß die Judm in ihren jetzigm drückmdm VerhälMissm unverschuldet schmachten. Gewähren Sie ihnen also Etwas, so gewähren Sie cs ihnm fteudig; schlagen Sie ab, — thucn Sie es dann mindestens ohne Bitterkeit. Mögen in unserer Kammer nicht jene unbegründetm Schmähungm und Verläumdungm gehött werden, welche die Judm als eine verworfene, in Unsittlichkeir versunkme Nation, und ihre Religion als ein Gemisch von Thorheit und Aberglaube und als ein Hinderniß ihrer Emancipation schildernd Gehm Sie, ich bitte Sie dringend, wmigstms von dieftn Gedankm zurück! Was das Religionsverhältniß bettifft, so ist bereits am vyxigm Landtage ein Glaubensbekenntnis der Juden mit ihrer Petition gedruckt wordm; - Sie werdm Einsicht davon gmommen und sich daraus überzeugt haben, daß in der Religion der Judm ein Hinderniß der Annäherung zu dm Christm ktincsweges liege. Lesen Sie .ferner die auf ihrm Pultm ausgelegtm Probm aus dem neum jüdischm Gesangbuchs. Meine Herrm, diese und ähnliche Lieder singen die Juden an ihren Sonntagen; Sie werdm sich davon überzeugm, daß man eine reinere Gottcsverehrung, eine geläutettere Mmschm- oder Nächstmliebe nicht singen oder predigm kann, als sie hierin mthaltm ist. Was die dm Judm vorgeworfene allgemeine Unsittlichkeit anlangr, so wisst sie dieser Vorwurf ungerecht. Lassm Sie hier Thatsachm sprechen; keine Statistik irgend eines Landes weist bei den Juden etwa mehr Entsittlichung verhälmißmäßig nach, als bei dm Christm; suchm Sie ihre Ueberzmgung nur aus Gründen zu befestigen: aus Gründm, welche ihnm die unverdächtige Erfahrung, die Belehrung Anderer in dm zahllos vorhandmm Materialim und der Umfang ihres eigenen Wissms darbitter. — Meine Herrm, es ist wohl möglich, daß in diesem Augmblick Männer jüdischm Glaubens sich auf den Tribünm befindm, stellen Sie sich in dwm Lage! wie würde es Ihnm gefallm, wmn solche absprechmde Urtheile übtt uns gefallt würdm? Ich hoffe, daß diese An-

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