Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 47 (5.8.1837)
- Date
- 1837-08-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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I. Zchrgaag. SÜ CC(|£ Ifl £ Nv. 4V. Zeitung des Ju-cnthumö. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mt König!. Sächsischer allergnädigster Concesston.) Leipzig, den 5. August 1837. Ueber die Grundsätze der Redaktion. (Fortsetzung.) Lassen wir also diese Insinuationen, so führen sie uns doch zu dem eigentlichen Zwecke unserer Zeitung. Wir können diesen als das Streben nach äußerer und innerer Emancipation bezeichnen. — Allerdings hat sich unsere Zeitung als ein allgemeines und unpartheiisches Organ annoncirr. Ihre Spalten stehen also gleicher Weise denen ' offen, welche der äußern Emancipation der Juden zuwider-' stehen, und werden derartige Mitcheilungm durchaus nicht zurückgewiesen, — nichts desto weniger bleibt es allerdings die Ueberzeugung der Redaction, daß die Emancipation sowohl Forderung der Gerechtigkeit, als auch Bedürfniß der gegenwärtigen Verhältnisse ist, und haben alle von der Redaction selbst ausgehende Artikel und Bemerkungen diese Färbung. Sie will dabei alle entgegmstehmde Meinungen durchaus noch nicht als ganz erledigt niederwerfm, glaubt vielmehr auch hier, daß durch vollständige Durchkämpftmg der Sieg höher und heiliger wird, ja daß, je heftiger und heißer der Streit entbrenttt, der Sieg desto näher ist. Endlich vergißt sie nicht, daß, wenn einmal die vollständige Emancipation noch nicht ertheilt werden soll, sie auch mindere Gaben dankend anzuerkennen hat, sobald diese nur mit der Anerkmnung, daß der Weg erst eröffnet werden soll, gereicht werdm. — Ueber dieser äußern Emancipation ist es die innere, die das Leben unserer Zeitung aussüllt. Hm Geist der jüdischen Glaubensgenossen zu wecken, da, wo er geweckt ist, zu erheben und zu 'veredeln, und von dem verderblichen Pfade des Jndifferentismus zuruckzurufm, ist der erhabene Endzweck, den sie zu erreichen strebt, dies ist es, was ihr Sein und. Wollen ausfuller. Hier haben wir es einerseits mit dem Glauben, andererseits mit der Moralität des Judmthums und seiner Anhänger zu thun. — Inmitten des Judenthums giebt es keine Sekten, wohl aber Partheien. Die Einen, die Conservativen, theils streng conservativ, indem sie das Alte in seiner unmittelbarm Gegebmheit unveränderlich erhaltm »ollen, theils reformirend, indem sie das Alte reinigm und geistig belebm wollm; die Andem, die Radikalen, welche das Alte gänzlich mtfernm, und ein ganz Neues an die Stelle setzen wollm. Jhnm zur Seite stehen die Jndifferentisten, denen die religiöse Entwickelung gleichgültig ist, und die sich für das Judmthum entweder in seiner moralischen Hebung, oder allein-in politischer Hinsicht lnteressiren. Es ftagt sich also hier: Was ist innerhalb dieser verschiedmm Richtungen der Standpunkt der Redaction? Hier mtwickelt sie ihre ganze Unpartheilich seit. Nicht daß sie jener Lauheit selbst huldige, daß sie, gleich einem geschicktm Achselträger, bald dem Einm, bald dem Andem nachbuhlt, nicht daß sie sich fürchtet, ihr Schiff in die Brandung zu führm, aus Furcht, es scheitem zu schm — fondern aus dem Grundsätze: daß das Judenthum über diesem Allen, unerschütterlich, steht, daß nicht die Kämpfenden, sondern allein der Kampf das Recht hat, d. h. die Entwickelung. Dmn indem sich die Redaction nicht von der, aus historischer Conviction gekommmm, Ueberzeugung losreißm kann, daß das Judmthum zu einem besondern Endzwecke für das Mrnschmgeschlecht erhaltm und geführt wird, weil sonst der göttliche Verstand in der Geschichte gänzlich fchlm würde, und keine Aweckgemäßheit im Gange der Menschheit erblickt werden könnte: kann sie auch nur allein.die Entwickelung des Judmthums selbst würdigm, jede Parthei aber, die aus dem Entwickelungsgange des Juden- . thums herausschreiten will, und das ist sowohl die der Sttengconservativen, als auch der Radikalm, nur als Mittel zum Zwecke anfehm, und als solche allerdings nach ihrem resp. Gehalte höchst schätzm. Durch diese Ansicht der Dinge geschieht es, daß man sich über die kurze Gegmwatt und ihre Resultate erhebt, und daß man, mit dem festm Blick in die Zukunft, über dm Stteit und sein Schwanken erhobm ist, daß man vielmehr dm Trost und die Beftiedigung in der Sache und in sich findet, ohne sich vom Gange der Zeit loszureißen. Es ist eine immer wiederkvhrende Erscheinung, daß die Gegmwart, für die'Kürze ihrer Herrschaft sich entschädigm wollmd, diese Herrschaft desto despotischer