Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 45 (3.8.1837)
- Date
- 1837-08-03
- Page
- Seite 180 (sequence 4)
- Language
- German
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180 lich, als Arama's Kerker, aber eine düstere Schwermuth ergriff ihn, der Gedanke an das Schicksal seiner Geliebten verließ ihn nicht, vergebens fragte er seine Wächter nach ihr, nach Arama, vergebens forschte er nach dem Grunde seiner Verhaftung. (Fortsetzung folgt.) Siietatur. .Untersuchungen über den Pentateuch von Dr. Ranke. SS. I. (1334.) (Schluß.) Inderselben Weise zeigt Hr. Ranke, wie in der zweiten Hälfte der Genesis, die chronologischen und genealogischen Bestimmungen das Gebäude der Geschichte zusammentzalten, wie sie spätere geschichtliche Partheien vorbereiten und durch das Frühere nothwendig herbeigeführt und motivirt werden. Sehr schön bemerkt er endlich, wie im Bericht vom Leben Jacobs die Chronologie den Faden der genealogischen Folge verläßt, sich an die denkwürdigsten Begebenheiten, den Aufenthalt Josephs in Aegypten und die Einwanderung der ganzen Familie Jacobs in dieses Land anknüpft, um in den vier übrigen Büchern des Pentateuch die Reihefolge der einzelnen geschichtlichen Momente bei der Befreiung des Volks zu bestimmen. Ein Buch, in dessen Composition nicht ganz genauer Zusammenhang sich zeigt, der nicht etwa von selbst durch die natürliche Aufeinanderfolge herbeigeführt, sondern auch durch den Schriftsteller zu diesem bestimmten Rhythmus ausgebildet ist, ein solches Buch, schließt nun Hr. Ranke weiter, muß auch einen bestimmten Zweck verfolgen. 'Und nach dieser Seite des Endzwecks wird der innere Zusammenhang des Pentateuchs im zweiten Kapitel des 1. Buches geprüft, p. 36 —156. Hr. Ranke unterscheidet bei der Prüfung der Genesis im erste» Abschnitt derselben c. I. — c. II. einen zweifachen Zweck, der hier verfolgt wird. Der Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, solle als der Gott Israels 'dargestellt werden. Im Bericht von der Schöpfung werde daher die Ruhe Gottes am siebenten Lage bedeutsam hervorgehoben, und die Feier des Sabbaths als ein göttliches Institut begründet. Die einzelnen Parthieen des Bundes Gotrcs mit Noah seien mit Rücksicht auf das Gesetz Israels gearbeitet. Zu dieser Beziehung auf Israel gehöre auch der Umstand, daß die Völkertafel mit großer Genauigkeit die Stämme Kanons angebe, sowie den Fluch Noah's über Kanan. Sodann sei es eine der ersten Tendenzen des Werks, das allgemeine Berhältniß Jehova's zur Menschheit zu bezeichnen, da denn auch dem besonderen Berhältniß Israels zu Jehova das allgemeine Verhälrniß der Menschheit zu dem Schöpfer zu Grunde liege. Zu dieser Rücksicht des Werks gehöre die Stellung, die es dem Menschen als Ziel der Schöpfung gebe, ferner der Rathschluß Jehovas, die Menschheit überhaupt von dem Falle wieder aufzurichten und zu ihrer Bestimmung zurückzuführen. Endlich gehöre zur Darlegung des Berhättnisses Jehovas zur Menschheit der Bund- Gottes mit Noah nach der Fluth, ferner die Verwandtschaft aller Völker durch ihre gemeinsame Abstammung von Noah, ihre durch Jehovas Wott entstandene Scheidung in Völker verschiedener Jungen, sowie die Weissagung Noah's über seine Söhne, als Stammväter der Menschheit. Durch die Genealogie Sem's werde auf Abraham, als den Stammvater Israels, hrngeleitet,' und von hier an werde in den übrigen Lheilen der Genesis die Beziehung Jehova's zu Israel verbreitet, in den folgenden vier Büchern werde sie vollständig dargelegt. Bei dem Uebergange zur Patriarchen - Geschichte weist Herr Ranke tteffeud darauf hin, daß bei der Spezialisirung des geschrchttrchen Interesses die Beziehung auf das Berhältniß Jehova's zur Menschheit überhaupt nicht verschwinde. Im Gegentheil, wie aus dem Segen Noah's über Sem schon hindurchblickte, daß es der Rathschluß Jehova's sei, sich den Semiten besonders gnädig zu crweffea, und zwar so, daß den andern Völkern daraus Heil erwachse, so erscheine auch die Erwählung der Patriarchen als erster Schritt zur Ausführung eines dem ganzen Menschenaeschlcchtc geltenden Planes. ' Im Leben Abrahams seien es nur zwei Dinge, um die sich alles Wesentliche bewege: das Land und das Volk der Verheißung. Sehr sinnig verfolgt der Herr Verf. die Beziehungen des Einzelnen auf diese beiden Punkte, His die Verheißung in Isaak, Jakob und dessen Nachkommen ihr bleibendes Substrat erreicht hat. Auf gleich sinnige und meist glückliche Weise wie in der Genesis, zeigt der Herr Derf., daß auch in den vier folgenden Büchern des Pentateuchs der Zusammenhang des Einzelnen durch die gemeinsame Beziehung auf den Zweck der göttlichen Offenbarung und durch gegenseitige innerliche Beziehung des Folgenden aus das Vorhergehende, so daß das Folgende den göttlichen Zweck gesetzmäßig immer näher bestimmte, ein stätiger sei. — Sn der jüngsten Nummer der Allg. Kirchenzeitung (Darmstadt), wird eine Retension von vr. Salamon's Mose, die, wenn auch nicht gründlich, doch sehr anerkennend ist, mit folgenden Worten eingeleitet, die uns nicht unwichtig schienen, hier angeführt zu werden, weil sie uns die Ansicht der rationellen christlichen Theologen geben. — »Israelitischer Gottesdienst mit Predigt, Gesang u. s. w. in deutscher Sprache ist eine zu neue, vor einigen Decennien noch unter die pi» äesiäeris gerechnete Erscheinung, als daß sie in der Zeit unbeachtet vorüber gehen könnte und dürfte. Wo aber beachtet wird, da wird auch geuttheilt, und der neue Cultus der Israeliten hat daher manche verschiedenartige Urthcile erlitten. Auf der einen Seite spricht sich die Hoffnung aus, daß dadurch jenem Volke eine fortschreitende geistige Erhebung erwachsen, auf der andern die Befürchtung, daß der Mosaismus sich auf diesem Wege in einen bloßen Deismus auflösen werde. Rec., welcher sich bei einer andern Gelegenheit über diese Erscheinung ausgesprochen hat, kann diese Befürchtung nicht theilen, und sieht in der Zurückführung des Religionswesens der Jfraelittn vom starre» Raddinismus zum reinen Mosaismus nur einen erfreulichen Fortschritt, welcher zu der Hofftung berechtigt, daß diese unsere Mitmenschen immer mehr einsehen lernen, »was zu ihrem Frieden dient,« und daß, wie äußere Freiheit ohne innere nicht gewonnen, noch erhalttn, so auch das wahre Heil und die bürgerliche Wohlfahrt dieses Volkes nur auf dem Wege einer geistigen und sittliche» Veredlung zwar langsam, aber sicher erstrebt werde» kan». Ueberhaupt hat diese, sich freilich erst noch enffaltende Umgestaltung des jüdischen Cultus eine nicht zu verkennende Ähnlichkeit mit der Reformation^ der christlichen Kirche vor drei Jahrhunderten. Wie diese vom Glaubens- und Gewissenszwauge befreite, von unfehlbaren päpstlichen Dekreten und Concilicnbeschlüffen, von Menschenwort und Menschensatzung zu dem reinen, von Jesu und de» Aposteln verkündigten Wort Gottes in der heiligen Schrift zurückging, so reißt sich jene los von dem Glaubensjoche de» Rabbinismus und vou den Satzungen des Talmud, um zur echten Quelle der jüdischen Religion, zu Mose und'den Propheten zurückzukehren; wie diese aus dem Gottesdienste eine Menge lästiger und unnützer Ceremouren sammt der fremdes Kirchenfprache verbannte, so hat auch jene viel Formelwesen abgeschafft, und will in verständlicher Landessprache den allgemeinen Vater der Menschen verkündigt, gelobt und verehrt wissen; wie hier das Bedürfniß gefühlt wurde, der Kirche durch Verbesserung des Jugendunterrichts tüchtige Mitglieder herauzubilden, und wie die Befriedigung desselben zugleich die katholische Kirche zur heilsamen Nacheiferung ansporute, so haben auch die- Israeliten des neuen Cultus für die Errichtung guter Schulen gesorgt ünd dadurch auch ihre anderen Glaubensgenossen zur Errichtung ähnlicher Anstalten veranlaßt.« — Redaeteur: vr. L. Philippsou. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von W. Haack.