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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-08-01 · Heft 44 (1.8.1837) · p. Seite 176

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 44 (1.8.1837)
Date
1837-08-01
Page
Seite 176 (sequence 4)
Language
German
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176 mud, den man so gern als das JSon plus ultTa des Bchtscheuen verdammt, einen solchen Satz findet?! Zn den drei Provinzen des Großherzogthums Hessen haben sich in dem letzte^ Jahre zu Mainz, Darmstadt und Gießen drei »Vereine zur Verbesserung des Zustandes der Juden« gebildet, welche namentlich für Verbreitung der Handwerke, des Feldbaues und anderer achtbaren Beschäftigungen bei den Juden schon Vieles geleistet. Correspoudenzen, Auszssge, Repliken. (Aus München.) Ich berichte heute über den Gottesdienst am letzten Pfingstfeste in der Synagoge zu München, und glaube, daß das Folgende nicht uninteressant sein wird, in einem weitern Kreise, gelesen zu werden. Ein wesentlicher Theil einer jeden Religion, somit auch t>erv mosaischen, ist der öffentliche Gottesdienst, oder bencr, die öffentliche Gottesverehrung, welche in der Beobachtung gewisser Ceremonieen und religiösen Feierlichkeiten besteht, die unserem religiösen Gefühle Ausdruck geben und dasselbe erwecken sollen. Nur zu leicht würde der Erdensohn im Gewühle der Welt seines höher« Endzwecks vergessen,^ die öffentliche Gottesverehrung aber rann sein religiöses Gefühl neu beleben, erhöhen und läutern. Wesentliche Theile des mosaischen Gottesdienstes sind: Gebet, Rede und Gesang, und diese mächtigen Mittel zur.Erbauung, mit Herz und Begeisterung gegeben, müssen nothwendig wieder zu Herzen gehen, und Begeisterung-für das Wahre, Gute und Himmlische erwecken. . - •' Wer nun am 9. Juni in der Synagoge allhier war, der wird sich überzeugt haben, daß der mosaische Gottesdienst, unter der Leitung des würdigen Herrn Rabbiners Aub in Verbindung mit der Cultus - Administration, einen hohen Grad von Vollkommenheit und Zweckmäßigkeit erreicht hat. — Erhabene Einfachheit, feierlicher Ernst und wahre Andacht herrschten in dem zu Ehren dieses Festes mit Bäumen und Blumen geschmückten Gotteshaufe, welches, nebenbei gesagt, an hohen Festtagen von vielen Christen besucht wird. Die Terzett - und Chorgesänge beim Frühgottcsdienst entsprachen, so wie immer, allen Anforderungen .an Musik, und ließen fast nichts zu wünschen übrig. Der Gesang ist ein sehr wirksames Mittel zur Erbauung, und die neuen Gesänge in der hiesigen Synagoge, die größtentheils von anerkannten Meistern componitt, sowie das alte herkömmliche Chasonath — das größtentheils in Musik gesetzt ist, sind angenehm, erhebend und ergreifend auch für den Nichtisraeliten. — Noch mehr ergriff alle Herzen die vom Herrn Rabbiner Aub gehaltene Predigt, die sich durch gediegene Ausarbeitung, durch guten und lebendigen Dortrag auszeichnete, und welche der Feier des Festes sowohl, als den Lokalverhältnissen ganz angemessen war. Diese Predigt handelte von der Ewigkeit und Unabänderlichkeit des geoffenbarten mosaischen Gesetzes,*) und hatte-den 21. Vers des 59. Kapitels Jesaia zum Terte. Der Redner zeigte im ersten Theile feines Vortrags, wie das göttliche Gesetz, das unsere Voreltern auf Sinai empfingen, zu allen Zeiten und an allen Orten heilsam in Israel wirkte; wie es immer die Quelle deS Heils und die größte Wohlthat für uns ist, wie cs sich, ferner, trotz den vielen und heftigen .Stürmen und Angriffen der Zeit und der Menschen, Jahrtausende hindurch unverändert erhalten hat, und daß. es demnach ewig und heilig, wie der Gesetzgeber selbst, ist. Dieses Gesetz, das »vollkommen, treu, gerade und lauter« ist, lehrt nur drei Glaubenswahrheiten, nämlich den Glauben an einen einigen, und einzigen Gott, an das von Gott selbst geoffenbatte Gesetz, und an eine vergeltende Gerechtigkeit des Guten und des Bösen hier und dort; dieses Gesetz enthält nur ebne Pflichtenlehre, welche'die Liebe zu Gott und den Menschen zu ihrem obersten Prinzips hat. Der zweite Theil dieser inhaltsreichen Predigt enthielt die praktische Nutzanwendung dieser Wahrheiten, daß wir dem göttlichen Gesetze auch jetzt noch tteu und fest anhängen, und mit unfern Voreltern ausrusen sollen: »Alles, was der Herr befiehlt, wollen wir thun und gehorchen.« Diese Predigt war ganz geeignet, den in unserer Zeit so schwachen Glauben zu stärken, ubd den Sinn für das Höhere im Innern aller aufmerksamen Zuhörer zu beleben, und dcr^Redner wird sich belohnt fühlen, wenn diese heiligen Saatkörner auch nur in wenigen frommen Gemüthern Wurzel schlagen, und zur Besserung, und Gottannäherüng aufivachstn. » . Nachmittags wurden.fünf Mädchen in der Synagoge confirmirt, und diesen heiligen Akt, den unter vielen Anwesenden auch der Regierungs-Präsident, Herr Graf v. Senisheim, mit seiner Gegenwatt beehtte, eröffnete Herr Rabbiner A n b mit einem Gebete, dem ein schöner, erhebender Chorgesang aus dem Johlsonschen Gesangbuche N. 130. folgte; hieraufsprach Herr Rabbiner Aub in einer Rede über den Zweck und den Nutzen der Confirmation, wie cs nämlich heilsam ist, den Kindern zum Schlüsse ihres Religionsunterrichts gute und heilsame Lehren, mittelst einer in der Ettnnerung bleibenden Feierlichkeit, auf den Weg mitzugeben; daun hielt Herr Lehrer Cohn eine Anrede an seine Jünglinge, wottn er sie auf die bereits vernommene Rede des Herrn Rabbiners aufmerksam machte, sie auffordette, jetzt öffentlich Proben von dem abzulegen, was sie bisher in der mosaischen Rc-' ligion gehött und erlernt haben, und sie ermahmtt, ewig ihrem Glauben tteu zu sein, und stets fromm, sittsam und tugendhaft zu bleiben. Hierauf folgte die Prüfung in der Religion selbst, welche von dem Talente und dem Fleiße des Herrn Cohn genügende Beweise lieferte. *) Nun ermahnte Herr Rabbiner die Confirmanden, diese Lehren auch,im Leben anzuwenden und zu üben, denn »nicht das Wissen, sondern das Handeln ist die Hauptsache im menschlichen Leben,« und alles Lernen ist nur für's Leben. Er forderte sie endlich auf, diesem ihrem Glauben bis zum Tode tteu zu bleiben, und diese Treue durch ein sittlich ftommes Leben stets an den Tag zu legen, aber nicht zu sein, wie solche, von denen ihr Todtenbegängniß erst ihr Glaubensbekevntniß ablegt. Dieser herzliche Bottrag rührte die Confirmanden bis zu Thränen und erbauett alle. Anwesende. Es folgte nun ein Lied aus genanntem Gesangbuche N/533., und ein Schlußgebct nebst Einsegnung von Seiten des Herrn Rabbiners beendigten diesen seierlichen Akt. Jn-unsern Tagen, wo in Beziehung des Religiösen, und vorzüglich der äußern Gottesvcrehruag, das alte Geschlecht mit dem neuen im Kampfe stehet, jenes, an seine altväterliche Andacht fest haltend, nichts von einer sinnigen oder geistigen Gottesverehrung wissen will; dieses hingegen sich mit Verachtung von einem religiösen Leben eytfernt, das weder dem Geiste, noch dem Herzen zusagt, in einer solchen Lage ist cs eine der schwierigsten Aufgaben, an dtt Spitze dieser beiden Pattheirn als Seelsorger Gutes zu wirken. Herr Rabbiner Aub aber bestrebt sich, diese schwierige Aufgabe dadurch zu lösen, daß er die goldene Mittclstraße einschlagt und alle Gelegenheit meidet, dieser oder jener Patthei ein Aergcrniß. zu geben; vielmehr finden beide in ihm eine Stütze, welche er mit kluger Umsicht zur Annäherung beider zu benutzen bestrebt ist, was allerdings vom größten Theil seiner Gemeinde dankbar anerkannt wird. Möge er rn ihr noch lange Gutes wirken! *) Obgleich wir dieses anerkennen mögen, fragt es stch doch, warm» leitet Herr Rabbiner Aub de« Confirmanvamnterricht und dre eigentliche Confirmation nicht selbst? Diese müsse« stets von dem oberste» OrtSgeifilkchen vollfichrt werden. d. Red. Druck von W Haack.

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