Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 42 (29.7.1837)
- Date
- 1837-07-29
- Page
- Seite 166 (sequence 2)
- Language
- German
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166 Thatsache gesagt: War sie dies — so gehe klagen Israel über deinen Traum und deinen tausendjährigen Jammer! Mit aller Achtung, die einer ehrenwerthen Meinung, der wir nicht beistimmen, gebührt, mit aller Anerkennung, die dem, wenn auch nicht immer befriedigend ausgeführten, Streben zukommt, darzuchun, daß die Tausende von Einzelnheiten jüdischen Religionslebens, die so vielen Geschlechtern Quell und Spielraum ihrer ganzen moralischen Kraft warm, kein zusammmgewürfeltes Aggregat, sondern naturgemäß entsproßte Zweige und Blätter eines und desselben majestätischm Baumes sind — findet sich ein Laie dmnoch veranlaßt, sich mtgegnmd auszusprechen. Nein, es ist kein leerer Traum, und der tausendjährige Jammer ist nicht vergeblich ertragm! Jme Erlösungsgeschichte, die der größte Theil des jetztlebendm urtheilsfähigm Geschlechts nur als ein von der göttlichm Vorsehung durch natürliche Mittel geleitetes Ereigniß bettachttt, hat eben als solches die herrlichstm, unvergänglichstm Früchte getragen. Ohne sie kein Monotheismus, ohne sie keine gesetzliche Gleichheit, ohne sie kein Mmschmrecht des. Sclavm, ohne sie kein Recht des Unterdrückten, gegm das Unrecht, und wäre es auch wie dott 400 Jahre alt, zu protestirm, und im Verlauf der Zeit, ohne die im tauftndjährigm Jammer nie aus-- gefitzte Protestation gegm geistigen Zwang, auch heute noch keine Idee der Gewiffensfteiheit im gebildeten Europa. Für seine Begeisterung, für seine Ausdauer und selbst für seine Mäßigung wird die Weltgeschichte einst noch dem Hause Israels die glänzmdste Krone zuerkennm, die einen weit höhern Werch hat, als eine einmalige passive Erhebung durch ein sogmanntes Wunder, der eine eben so tiefe Emiedrigung unmittelbar gefolgt ist. Dies ist unsere Ansicht: die mtgegmstehmde hat unstreitig ihr Erhebmdes, Gesinnungsstahlmdes, aber diese Mommte für sich allein, vindizirm, und sonst das ganze Lebm Israels für ein verfehltes erklärm, das werdm wir ihr nimmermehr gestatten. Hamburg. ' H. politische Lontrolr. Ausführlicher Bericht über das neue Gesetz in Betreff der Israeliten Königreiche Hannover. (Schluß.) Die Verhandlung über' Grundeigenthum ergab nichts Rmes, außer daß man geltmd machte, wie die Juden im Hessischen sich als Landwitthe sehr gut machten. Der Art. des Ministeriums wurde angmommm, sogar mit dem Zusätze, daß in Landestheilm, wo die Judm noch mehr Rechte hättm, diese ihnm nicht gmommm werdm solltm. —• Eine sehr lange, uninteressante Debatte mtspann sich über die Gewerbe, die zum Nochhandel gerechnet werden solltm. Einige wollten das Handeln mit landwitthschastlichm Produktm im Kleinm, das Colligirm mit Lotterieloofin, das Negociirm von Anleihm, dm Handel mit Staatspapierm, dazu rechnen. Nur das erste wurde mit eingerechnet, indem hervorgehobm wurde, daß der Nachtheil, der aus diefin Zweigen mtspringe, nicht blos von Judm ausgehe. — Ganz im liberalen Sinne wurde hingegm die Debatte über die Militairpsiichtigkeit durchgefühtt, wo der Anttag gestellt wordm, Judm, die dm Nothhandel betriebm, von dem Militairdimste auszuschließm. Militairs legtm die besten Zeugnisse für die Judm als Soldatm ab^ Man machte geltmd, daß die Noth oft zum Nothhandel tteibe, ohne daß eine moralische Schlechtigkeit vorhandm, und der Anttag wurde abgelehnt. Zu Art. 72. wurde noch der Zusatz beliebt, daß die Besetzung ausländischer Judm auch von der Zustimmung der Gemeinde abhängig sein sollte. Zu Art.. 74. wurde wenigstms bestimmt, daß wandemde Handwerksgesellm sich im Lande aufhaltm dürstm; femer zu Art. 77. die Milderung, daß heimathslose Juden wie heimathslofi Christm behandelt werdm sollten. So wurde das ganze Gesetz zum zweitm Male angenommen, und zugleich beschlossen, die Petition des Landrabbiners vr. Adler über Simplificirung des Judmeides, und die Nothwmdigkeit eines Scheidebriefes bei Ehescheidung in Berücksichtigung zu ziehm. — Wir sind also mdlich zu der dritten Berathung der zweiten Kammw gelangt, die mit dem 27. Januar begann. Jnzwischm war eine Petition der Aeltestm und Vorsteher der Jsraelitm zu Hannover am 24. Januar eingereicht, nach dem Anttage des Gmeral - Syndikus aber am 26. Jan. ad »acta gelegt worden. Die einleitmde Debatte war wieder über dm Art. 5., und wurde der Anttag angmommm, daß die Entschädigung an Corporationen und Privatpersonen für das Schutzgeld aus der Staatskasse, und zwar nach 20jahrigem Durchschnitte, geleistet werde. — Nächstdem erhob sich vr. Freudentheil, und sprach folgmdermaßm: »<5c wolle feinen 2kttrag stellen, die Judm zu Staats - und Gemeinde- Aemtem zuzulassm, da keine Hoffnung sei, dmselbm durchzubringm. Es sei durch das Gesetz für die Verbesserung eines Theiles der'Judm, die sich nämlich den Gewerben und dem Ackttbau widmm wollm, durch Zulassung derselbm dazu gesorgt, dagegen sei der Theil der Jsraelitm ganz unbedacht