Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 41 (27.7.1837)
- Date
- 1837-07-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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i. Jahrgang. £1 ff geilt ei ne No. 41. Zeitung des Zudeuthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Königl. Sächfiftber allergnäLigsie^Conceftron.) Leipzig, den 27. Juli 1837. Ueber die Grundsätze der Redaction. Ein Jeglicher in der Menschenwelt glaubet sein Weck gut zu machen, und hat Wohlgefallen an seinen Schöpfungen. Diese Wahrheit fällt dem Besonnenen oft bang aufs Herz, und macht dem Redlichgesinnten das Gewissen schwer. Dmn wenn selbst das Schlechte oft seinem Schöpfer darum gefällt, weil es aus ihm selbst hervorgegangm, und er seine Geisteskräfte daran gesetzt: wie sollten nicht dem Emsterm Zweifel und Fragen aufsteigen, wenn er auf seinen Weg schaut? Da ist, in diesem Widerstreite mit sich selbst, in dieser hin und" her wogmden Erwägung, allein die Rettung: nach dem B ewußtsein seines Willens, und demnächst seines Thuns zu ringen. Diese Worte haben dem Leser uns schon ganz nahe gebracht. Er sieht, er habe hier nicht ein vornehm klingendes Manifest zu vernehmen, das ihm, in sich selbst zufrieden, zürnst: Nimm nur! — sondern wir haben ihn gleich in unser eigenstes Innere hineingefühct, der Leser ist unser Freund gewordm, mit dem wir uns besprechen, um es uns und ihm klar zu machen, was unser Weck und unsre Aufgabe ist. — Das Erscheinen der »Allgemeinen Zeitung des Judenthums« hat eine allgemeine Theilnahme im Publikum geweckt. Natürlich, daß sie auch ihre Widersacher gefunden. Sehen wir aber von allen Urtheilen und scheelen Blicken, die nur entweder aus Schriftstellemeid, oder aus Gehässigkeit wider das Judmthum überhaupt mtsprangen, ganz und gar ab, dem» Beides kann uns hier nicht berühren; so machte sich einige Male, obfchon durchaus nicht gewöhnlich, die Meinung kund, als ob das Erscheinen einer Zeitung des Judmthums auf eine Absonderung hindeute, die in den jetzigen Zeiten nicht mehr statt finden sollte. Es ist nothwmdig, uns hierüber zu verständigen, um solchen oberflächlichen Ansichten zu begegnen. — Sprechen wir von dem Judenthume, so habm wir in ihm immer einerseits sein religiöses, andrerseits sein nationales Moment zu unterscheiden. In seinem religiösen Theile ist und bleibt das Judmthum eine Individualität, so wie es der Kacholicismus, der Protestantismus, die Kirche der Dissmters, der Mennonitm u. s. w. ist: Es wird so lange eine solche religiöse Individualität sein, als jme veckündete Einheit des Menschengeschlechtes in Glaubm und Religion noch nicht vorhandm. Was aber sein nationales Moment betrifft, so hat allerdiügs die neuere Zeit die Tendenz, auf Vernichtung desselbm zu dringm. So lange aber die Judm noch kein vollständiges Bürgerrecht erlangt habm, so lange sie eine im Staate bmachtheiligte Patthei sind, ausgeschlossm von dem Vollgenusse der bürgerlichm Rechte: so lange bleibt auch die nationale Individualität, d. h. so lange habm die Judm noch besondere Jnteressm, das heißt, wie wir ausdrücklich bemeckm und durchaus berücksichtigt habm wollm, besondere Jnteressm, nämlich allein die, zu der vollständig bürgerlichen Stellung zu kommm, die vollständigm bürgerlichen Rechte zu erringm, und die Erlaubnißzu erlangm, uns dem Volke amalgamirm zu könnm. Dies ist so sonnmklar, daß wir doch Entgegnungm vemehmm möchtm. Eine jede Individualität will aber verttetm sein. In der neuem Zeit, wo das Lebm der civilisittm Menschheit nicht mehr in ab- und verschlossmm Kämmerlein vor sich geht, von dmm eine nicht weiß, was in der andem sich begiebt; wo das Lebm zu einem großm, oflnm Marktplatz gewordm, auf dem Thatm und Idem ausgewechselt werdm, und die Verhältnisse sich offm aneinander und gegmübec stellm — da ist der verlorm und vergessm, der sich in ein dunkles Schlupfwinkelchen begiebt, um ein düsteres Lebm für sich zu führen. Hinausttetm muß Alles an das helle Sonnmlicht des Lebens, droben dm klarm Himmel, den wir zum Zmgm bemfm, unter uns die alte Ernährerin Erde, die ihre Gabm Niemandem versaget, der mit thatigcr Hand Samen in .ihre Furchm streut. Soll also das Judmthum schüchtem zurücktreten? Soll Dieses im dunkeln Schlupfwinkel, ausgeschlossm ‘ bleiben, wie es war, von dm Strahlm der' Oeffmtlichkeit? Nimmermehr. Sehet ihr denn nicht ein, daß gerade darin die Tmdmz der Annäherung am klarstm ausgesprochm wird, daß es seine Pesitzthümer, feine Eigenthümlichkeiten, seine Bestrebun-