Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 39 (22.7.1837)
- Date
- 1837-07-22
- Page
- Seite 156 (sequence 4)
- Language
- German
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136 das allgemeine Beste sorgen würden? — Fern ein solcher I. Wahn? — In andern Landern werden sie sogar zu Landragswahlen zugelassen!« — Auch Sachse und v. Dieskau stimmten dem Dr. v. fBtayex bei; v. Thiel au ebenfalls, mit Eifer erklärte er sich gegen jene Ausschließung, und hob besonders die Ungerechtigkeit hervor, von den Juden gleiche Steuern und Abgaben zu verlangen, und ihnen kein Recht der Controle über deren Verwendung zugestehen zu wollen! — Nach einer sehr heftigen Debatte zwischen M eise l und Dr. v. Mayer und einer Replik des Köm Com-, miffairs v. Wietersheim ward jene Ausschließung von dm politischen Rechten nur mit einer Majorität von zwei Stimmen angenommen. (Schluß folgt.) Sitetatnr. Shakespeare und die heilige Schrift. Folgende Stellen ans Shakespeare beweisen unter Anderem,' daß es dein Sänger vom Avon keineswegs an Sinn für die poetischen Schönheiten der heil. Schrift fehlte, und daß er mehrere derselben für feine eigenen Zwecke und zu Erreichung einer größer» dramarischen Wirkung poetisch paraphrasirte. Dean solche Stellen/ wo eine ganz direkte und absichtliche Anspielung auf die heiligen Bücher stattfindet, für etwas Zufälliges auszugeben, wäre eine große Thorheit. So sagt z. 25. Porti» im »Kaufmann von Venedig,« Aufzug 4. Sc. 1.: Barmherzigkeit wird nicht erpreßt durch Zwang, Sie tränst wie sanfter Regen himmelab Zum nieder« Ort. Wer sollte diese Stelle wohl für einen blos zufälligen Anklang an die Worte des Pred. Salomo halten: »Barmherzigkeit ist fruchtbar zur Zeit der Brtrübniß wie Regenwolken io der Dürre!« — Die folgende Stelle: -Dram, Juv', sein Gesuch zwar strenges Recht; bedenk'. Daß »ach dem Gang des Rechts Niemand von «ns S«h« würde Himmelsheil, erinnert mindestens an die Rede des Psalmisten (143,2.): »Geh' nicht ins Gericht mit deinem Knecht, denn vor dir ist keü» Lebendiger gerecht. 1 In demselben Stücke sagt Gratiano zu seinem Freunde Autonio, indem er die stummen Thoren schildert, »die sich mit Vorsatz still verhalten stets«: O Manch« kenn' ich, mein Anwoiv, D» dar»« blos für weif' iß angescho, Weil er nichts sagteine Stelle, die fast wörtlich an Spr. Salom. 17, 28. gemahnt, wo es heißt: »Ein Narr, wenn er schweigt wird auch werfe gerechnet, und verständig, wenn er das Maul hält.« 2» »Wie es Euch gefällt« kommt der Ausdruck vor: Thoogh thoa the waters warp, bei dessen Riederfchreibung man wohl annehmen kann, daß der Dichter an Hiob 37,10. dachte, worin steht: »Durch den Odem Gottes kommt Frost, und die breiten Gewässer müssen sich zusammenziehen.« Bei genauerer Nachforschung würden sich unstreitig bei Shakespeare noch viele andere Abschnitte finden, worin eine ausdrückliche Bezugnahme auf Stellen der heil. Schrift unverkennbar ist. (Bl. s. lit Unter!?.) Ueber die neue Ausgabe des liber radlcam von Kimchi meldet der Hamburg. Korrespondent aus Altona Folgendes: »HcrnCaudidat Biesenthal hält sich seit einiger Zeit in Hamburg auf, um die dortigen Bibliotheken zu seinen kritischen Zwecken zu benutzen. Durch die Vergleichung eines spanischen und eines deutschen Codex von sehr hohem Alter (rmtthmaßlich aus dem 14. Jahrh.), und der sehr seltenen Neapolitanische» Ausgabe von 1491, welche sich in der Ptivatbibliothek des Herrn Micharl daselbst befinden; ist cs ihm gelungen, den sehr mangelhaften Text glücklich wieder herzustellen, und die corrumpirten Romanischen und Arabischen Wörter und Phrasen zu verbessern. Außerdem darf man sich von dieser Vergleichung zugleich eine reiche Ausbeute für die biblische Kritik des A. T. versprechen. Herr Biesenthal denkt die gesammten Varianten als Appendix des Kimchi heraus zu geben, und da derselbe dem gelehrten Publikum sich bereits durch mehrere Arbeiten dieser Art, namentlich durch sein, hebräisch - chaldäisches Schulwörterbuch (Berlin 1837) bekannt gemacht hat, so läßt sich von der . neuen Ausgabe des Kimchischen Werkes selbst, so wie von dem Anhänge desselben mit Recht etwas Vorzügliches erwarten.« Corresponderrzen, Auszüge, Repliken., (Das Schullehrerseminar zuxharlem.) Victor Cousins Bericht über seine pädagogische Reise nach"Holland im Lahre 1831 giebt uns Ausschluß über den Geist der holländischen Unterrichtsanstalten, der uns wirklich in Erstaunen setzt, da ' er nirgends der Art sich ausgesprochen. Er berichtet über eine Unterredung mit dem Stifter der obgenannten Anstalt, Herrn van dem Ende. Dieser sprach seine Ansicht in religiöser Hinsicht folgendermaßen aus: »Ja, die Volksschulen sollen im Allgemeinen christliche Schulen sein, aber weder protestantisch,'noch katholisch. Sie sollen keinem besonder» Cultus angehören, und kein positives Dogma lehren, so daß selbst die Juden ohne Belästigung ihres Glaubens die Schule besuchen können. Man muß keine Theilung der Schule beabsichtigen, eine Volksschule ist für das ganze Volk.« — »Duldung ist keine Gleichgültigkeit, der moralische und religiöse Geist der Kinder muß durch Lesung der Bibel, durch eine Auswahl biblischer Geschichten entwickelt «erden; aber hauptsächlich muß jeder andere Unterrichtsgegenstaud religiös behandelt, und Lesen, Schreiben, Geschichre zugleich Religionsunterricht werden. Ich mißbillige es, wenn der Schullehrer einen dogmatischen Religionsunterricht giebt, dieser gehört, außerhalb der Schule, den Geistlicheu der vüsschiedenen Glaubenspartheien an. Sie sind in Holland, m. H., wo ein christlicher Geist vorhanden ist, und wo zugleich seit Jahrhunderten eine große Duldung unter den verschiedenen Kirchengemeinschasten herrscht.« — Als Cousin die Anstalt selbst besuchte, fand er denn wirklich, daß in der Religion kein dogmatischer Unterricht für diese oder jene Glaubensparthei stattfand, man betrachtete die biblische Geschichte als die Grundlage aller Religionspartheien, erklärt sie regelmäßig und fügt moralische Lehre hinzu, wie die Gelegenheit es veranlaßt. Es werden Katholiken, Protestanten und Juden ausgenommen, die letzteren find blos in den Lehrstunden über das Alte Testament gegenwärtig. Die jüdischen Zöglinge werden später Lehrer der besondern Schulen, welche die Juden fir Kinder ihr« Glaubensgenossen untcrhatten. (Frequenz des Frankfurter a. M. Gymnasiums.) Im verflossenen Winterhalbjahre wurde dies Gymnasium von 105 Lutheranern, 15 Katholiken, 11 Israeliten und 9 Reformirten besucht. . __ (Phönix.) Redakteur: Br. L. Philippson. — Verlag von Banmgärtners Buchhandlung. — Druck von W. Haack.