Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 37 (20.7.1837)
- Date
- 1837-07-20
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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148 Kinder müßten aber jedenfalls in der christlichen Religion erzogen werden, weil der Staat die Mehrung der Juden durchaus nicht gestatten kann. 9) — vr. Freudentheil: Die Ehe sei eine Verbindung, der Geister; wmn die in dm höchsten Rücksichten nicht übereinstimmten, so könne man wohl nebm einander hergehm, es könne sogar ein steundschaftliches Beisammensein. Statt findm, die Leute könntm recht brave Leute sein, allein eine wahre christliche Ehe sei das nicht. Lüntzel: Dem Staate müsse daran liegm, daß jeder religiöse Fanatismus aufhöre, und eine vernünftige Annäherung der verschiedmm GlaubmsbekmnMisse sei nur wünschmswetth. Im Hessischen sei die Erfahrung glänzmd. Gewissensscrupcl ' könne man haben, sowohl bei der Verhinderung, als bei der Gestattung solcher Ehen. Neigung lgsse sich nicht verbietm, und wilde Ehm seien unabwmdbar die Folge. Lang: Er verlange von der Ehe, daß sie eine christliche sei, die ihre Unverbrüchlichkeit neben Gründm der Moral auch im Christenthume finde. 9 10) Serm es: Er glaube nicht, daß die Frage so viel praktischen Werth, habe, als man ihr beilege. Ein Jude, der etwas auf seine Religion halte, werde die Ehe zwischen Judm und Chrisim nicht billigm. — Die Anträge würden verworfen. (Schluß folgt.) Correspondenzen, Auszüge, Repliken. Abba Glosk Leczeka. - .S chluß.) Als jene sich entfernet, verblieben noch die zwei Im ttaulichen Gespräche, sic dachten laut und frei; Begegnen sich die Geister verwandt im Lichtrevier, Das ist des Lebens Freude, das ist des Lebens Zier. Und Abba zu dem Freunde: Bin friedlich ja gesinnt, Du siehst, daß aller Orten sich Hader um mich spinnt; Frei muß ich denken, sprechen und athmen Gottes Luft, Und wer die drei mir raubet, der legt mich in die Gruft. 9) Wo bleibt da wieder die vom Redner so sehr requirirte Glaubens- und Gewissensfreiheit? d. Red. 10) Liegt im Judenthume nicht dieselbe Unverbrüchlichkeit der Ehe? ist sie hier blos eine moralische? wird die jüdische Ehe nicht eingesegnet? kann sic willkührlich gebrochen werden? sind nicht die Schwierigkeiten -einer Ehescheidung im Judenthume bei weitem größer als im Protestantismus? Sind nicht die Gesetze von Ehehindernissen, Blutschande, (Priesterheirathen) vom Judenthume ausgegangen? handelt nicht im Talmud ein ganzer Traktat über das Verhältniß der Ehe (Kidduschin)?-Abgesehen also von jeglicher Ansicht über das Verbot gemischter Ehe, müssen wir uns wenigstens Laargen auflehnen, wenn die jüdische Ehe für weniger heilig und bindend ausgeschrieen wird, was nur große Unwissenheit thun kann. In einigen, nichtjüdischen Ländern ist die Ehe schon ein blos bürgerlicher Vertrag geworden; in einigen solcher Länder kann der Mann seine Frau, am Stricke führend, verkaufen. d. Red. Von hinnen will ich ziehen, den Wanderstab zur Hand Ein Land der Freiheit suchen, nach Holland, Engelland; Der Druck hat hier den Juden Bedrückung auch gelehrt, - Wohl wird er Duldung üben, wo Duldung er erfährt. Und Mendelssohn dagegen und schüttelte das Haupt: »Du liebewerther Schwärmer, der noch an Duldung glaubt. Zeuch hin, dich bloszugeben auch dort der Eulenbrut'. Dein zugewog'nes Glückstheil, das ist dein froher Muth.« — Mein zugewog'nes Glückstheil, das ist die Liebe mein Zu meinem Volk; mein Glaube, zu bessern müss es sein; Mein Hoffen, mitzuwirken dazu mit Gut und Blut; Du nennst die drei zusammen, das ist mein froher Muth. Und frohen Muthes nahm er den Wanderstab zur Hand, Und zog wohl in die Fremde, nach Holland, Engelland; Den blutg'en Welterob'rer verfolgt die Sage nur. Vom Menschenfreund und Bettler verlieret sich die Spur. Zurück nach manchen Jahren gleich frohen Muthes kam ■ Er nach Berlin gewandert; sein rechter Arm war lahm; Und blind sein andres Auge, vernarbt sein Angesicht, Sein Herz allein, das alte, verändert war es nicht. So ttat er freundlich lächelnd vor Moses Mendelssohn: Wie dort es mir ergangen, du Kluger, siehst es schon; Sie haben mich geschmahet, mißhandelt und verbannt. War ihnen Macht gegeben, sie hätten mich verbrannt. . Und wieder frohen Muthes, da ihn Berlin verstieß, - Zog er nach seiner Heimath, die Haß ihm nur verhieß. Da walle er rüstgen Schrittes, ein Fremder, fort und fort, ' Verstoßen, fluchbeladen, unstät von Ort zu Ort. Einst sucht er wohl vergebens seit manchem Tag vielleicht. Wer ihm vom seinem Brote das dürstge Stück gereicht; Der Schooß der Mutter Erde empfing zur letzten Ruh' Sein graues Haupt, ihm fielen die müden Augen zu. (Aus Wien.) Der im Semilasso B. 4. und demzufolge in No/ 6. Ihrer Zeitung erwähnte Rabbiner in Susa war auch hier. Es ist ein gewisser Sachs aus Meiningen in Deutschland, ehedem Bachur auf deutschen Jeschiwoth, .später nach Jerusalem übersiedelt unddaselbst ansässig, von wo er nach Deutschland zurückkehtte, um die Mildthätigkeit seiner Glaubensgenossen für die in Jerusalem anwesenden Israeliten, nebenher auch zur Förderung der Industrie unter ^denselben in Anspruch zu nehmen. Seine äußere und innere Per>onlichkeit, entspricht ganz der Schilderung des Fürsten Pückler - Muskau, dessen Empfehlungsschreiben ich auch bei ihm gesehen habe. Dom Herrn Freiherrn Sal. v. Rothschild erhielt er hier die Zusicherung einer bedeutenden Unterstützung, wenn seine Pläne, die mehr Eifer als Klarheit der Gedanken verrathen, sich realisiren sollten. (Juden in Tobolsk.) Die verbannten Juden und ihre Nachkommen widerstehen auch hier wie überall mit großer Ausdauer und Erfolg dem mächtigen Einflüsse der sie. umgebenden Menschen und Natur; wenn man im Allgemeinen mit dem gelehrten deutschen Reisenden vr. Ermann übereinstimmen muß, daß die allgemeine Meinung in Rußland den Juden günstiger ist, als in irgend einem a nd ern,Staate Europa's, so muß man dies namentlich in Bezug auf Sibirien als wahr anerkennen, weil man hier die Juden für ein selbstständiges Volk hält, dem man einerlei Ursprung mit den Deutschen zuschreibt, weil die nach Rußland und von da nack> Sibirien gekommenen Juden sich im Allgemeinen der deutschen Sprache bedienen. Es ist in der That schwer zu erklären, warum alle Leute dieses Volks in Rußland aus dem Westen dahin kamen, und gar keine aus Bukhara, Samarkand oder Persien,, wo viele Juden schon seit länger Zeit eine bleibende Wohnstätte haben. (Ausland.) Redacteur: vr. L. PHUippson.— Verlag von Bannrgärtners Buchhandlung. — Druck von W. Haack.