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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-07-13 · Heft 33 (13.7.1837) · p. Seite 132

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 33 (13.7.1837)
Date
1837-07-13
Page
Seite 132 (sequence 4)
Language
German
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Ich selbst ich sollte sterben, kaum heimlich war der Rath; Doch fand sich ein Rabbiner, der um mein Leben bat. Ich wurde blos gegeißelt, und als man frei mich gab, Da griff ich heitern Sinnes zu meinem Wanderstab. Der freud'ge, rüstge Waller zieht über Berg und Thal, Zhm scheinet, ihn erwärmet der lieben Sonne Strahl, Der Schooß der grünen Erde empfängt mit rechter Lust Sein müdes Haupt am Abend, er ruht an Mutterbrust. Wer je von seinen Brüdern den Hunger selber litt, Thellt ihm vom letzten Brote gern einen Brocken mit; Er zieht'durch Land und Städte, und rühmt sich reich, und frei. Und weiß von keiner Armuth und keiner Sklaverei. Bor Sprach- und Stammverwandten entquillt an jedem Ort Aus übervollem Herzen ihm das lebend'ge Wort, Zu lehren und zu bessern, zu sichten sonder Scheu Den Glauben von dem Wahne, den Weizen von der Spreu. Ist Felsen auch der Boden, die Saat verstreue nur! Es träufelt auf den Felsen, wie auf die grüne Flur, Des Ew'gen milder Regen. Beharrlichkeit! Geduld! Du zahlest deinem Schöpfer so deines Lebens Schuld. Und herwärts zog mich mächtig und ahnungsvoll mein Herz, Bon deines Namens Klange gelockt, du reines Erz; Du bist, den ich'gesuchet, du, der vom Wahne fern Zerbricht die hohle Schaale und sucht nach ihrem Kern. Das will auch ich, so reiche mir deine liebe Hand, Wir schaffen hier und knüpfen ein gottgefällig Band; Das Licht, das ist das Gute; die Finsterniß, die Nacht, Das ist das Reich der Sünde und ist des Bösen Macht. Dir strömtt von den Lippen ein ruhig klarer Born, Es leiht gewaltge Worte mir oft ein heil'ger Zorn; So laß vor unserm Volke zerreissen uns vereint Des Aberglaubens Schleier, bis hell der Tag ihm scheint. Nicht träge denn, nicht lässig; die Hand ans Werk gelegt! Versammle du die Jünger, es tagt, die Stunde schlägt! Wir hämmern an den Felsen, bis hell der Stein erklingt. Und an das Licht der Sprudel lebendigen Wassers springt. Darauf mit Rührung lächelnd der Wirth zu seinem Gast: »Genügt dir nicht, du Guter, was du erduldet hast? Soll wiederum sich schichten ein Scheiterhaufen? kann ' Die Geißel nicht dich lehren? du lehrbegieNger Mann! Du forschest nach der Wahrheit; erkenne doch die Welt, Die fester als am Glauben nm Aberglauben hält; Was je gelebt im Geiste, gehött der Ewigkeit, Nun ruft es erst ins Leben die allgcwalt'ge Zeit. Bleib' hier und lerne schweigen, wo Sprechen nicht am Ott; Du magst im Stillen forschen, erwägen Geist und Wott, Und magst das Korn der Furche der Zeiten anvettraun; Vielleicht wird einst dein Enkel die goldnen Saaten schau».« v Drauf er: Du schweigst, du Kluger, und schweigen sollmeinMund! So sprich, wer soll denn reden und thun die Wahrheit kuNd? Du Helles Licht des Geistes sollst leuchten freundlich mir; Die Hand darauf!—- wir scheiden! mein Pfad, der trennt sich hier. Er ging; dem Flammenaeiste, dem Flammcnherzen galt Für Feigheit jede Vorsicht, und freundlich zürnend schallt Ihn Mendelssohn vergebens; er ging und lehrt und sprach. Bis über ihn aufs Reue das Ungewitter brach.- 132 j Die Aeltesten des Volkes entrüstet, luden ihn j Vor ihre Schranken: »Rede, was machst du in Berlin?« — Ich forsch' in dem Gesetze, darüber sprech' ich auch Mit andern Schriftgelchtten nach hergebrachtem Brauch. — »Du stehst in keinem Dienste? hast kein Gewerbe?« — Nein! Ich kann und will nicht handeln und mag nicht dienstbar sein. — »Und wir, nach hiesiger Ordnung, verbieten diese Stadt Dem ärgerlichen Reu'rer, der hier gelästett hat.« Darauf erhob sich Abba und sprach: Hartherzigkeit, Du bist zur Ordnung worden, du herrschest hier-zur Zeit! Und kennt ihr den Propheten Jeremia denn nicht, ,. Der so aus meinem Munde zu euch, ihr Starren, spricht: »Die Missethat der Tochter von Sion, unerhört! Verdunkelt Sodoms Sünde, die doch mein Grimm zcrstött.« Die Schrift und die Propheten, die lesi ich Tag und Nacht, Und Hab' auch aud're Worte zu eigen mir gemacht: »Du sollst dich nicht entsetzen, und sollst, du Menschenkind, Vor ihnen dich nicht fürchten, die mir abtrünnig sind; Du wohnst bei scharfen Dornen und Skorpionen dort, Doch sollst du dich nicht fürchten, verkündest du mein Wott.« Sie holten ihn am Abend wohl mit der Polizei, Ihn -auf die Post zu bringen; er rief den Freund herbei. Der schafft' ihm einen Dienstschein, geschirmet war er so Bor seinen Widersachern, sie waren dcß nicht froh. Und eine Rechnung reichten zur Zahlung sie ihm dar, Wo Postgeld nebst der Büttel Gebühr verzeichnet war; Er aber sprach und lachte: Geduldet euch, ihr Herrn,. Hier paßt wohl ein Geschichtchen, und ich erzähl' es gern: Den Unfern wird zu Lemberg ein kummervolles Loos, Die jungen Herta, die Schüler, sind ganz erbarmungslos. Den armen Unterdrückten mißhandeln sie und schmähn, | Und werfen ihn mit Steinen, wo immersie ihn seh'n.! Als einer, den sie schlugen, nah am Verscheiden war- Vermaß sich di« Gemeinde, bedrängt von der Gefahr, Der Jesuiten Obern zu Ragen ihre Roth; Die haben unpattheiisch erlassen ein Verbot: Es dürfen nicht die Schüler aus eitlem Zeitvettreib Die Juden so mißhandeln, daß sie an ihrem Leib Beschädigt werden möchten; es wird auch untersagt. Blutrünstig sie zu schlagen, wie eben wird geklagt. Ein arglos Schimpfen, Werfen, ein Stoß und solcherlei, Das müssen sie erdulden und steht den Schülern frei, Weil mancher unter diesen'ist guter Eltern Kind, Und Inden doch am Ende nur . eben Juden sind. Gn Jod' in diesen Tagen, der her die. Sttaße kam. Bemerkte, daß ein Schüler ihn recht zum Ziele nahm. Er bückte sich bei Zeiten, und wich dem Stein noch aus. Der klirrend flog ins Fenster dem nächsten Bürgerhaus. Die Scheibe war zerbrochen; der Bürger säumte nicht. Und zog. Erfaß zu fordern, den Juden vor Gericht: Denn hättest du gestanden dem Wurf, wie sich's gebührt. So würde von dem Steine mein Fenster nicht berühtt. -Ihr habt den-Stein geworfen, ich habe mich gebückt. So hat dev Würf die Scheibe des Nachbars nur zetstückt; Ich soll die Scheibe zahlen^ das Recht, das eure, sprichts. Doch hat das Recht -verloren, denn seht, ich habe nichts! (Schluß folgt.) Redatteur.- Dr. L. PhüLppsvn. — Verlag von BanurgartnevS Buchhandlung. — Druck von W.'Haack.

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