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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-05-19 · Heft 60 (19.5.1838) · p. Seite 244

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 60 (19.5.1838)
Date
1838-05-19
Page
Seite 244 (sequence 4)
Language
German
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244 rechtigkeit und Barmherzigkeit näher beleuchtet werden. --- Bei der entschieden angenommenen Richtigkeit der bekannten miOO (K. 8.) hätte dieser auch mehr Einfluß auf das ganze Werk eingeraumt werden muffen, und sehen wir nicht ab, warum x in diesem Sinne nicht öfter Verse, z. B. aus M. Aboth wenigstens, angeführt sind. Das 9. Kap. ist recht gut bearbeitet. Doch genug. — Nur noch die eine Bemerkung. Ein ganz vorzüglicher Lheil des Buches sind die kurzen, aber klaren Definitionen, durch die der Lehrer sehr leicht auf Weckung der VerstandeSkrafte bei feinen Schülern wirken kann. Ich bin "bei dem Religionsunterrichte ein Freund davon, weil die kindliche Seele selbst an dergleichen Sickklarwerden sich sehr ergötzt. Hingegen fehlen Fingerzeige, wo und wie auch auf das Gemüth der Schülers gewirkt werden kann, und einzelne eingestreute Abschnitte darüber wären sehr willkommen gewesen. — Das ganze Werk zeichnet sich durch seine schöne Logik und seine gerade Haltung aus, und wird immerfort recht viel Gutes wirken, besonders wenn es die Lehrer nicht zum Auswendiglernen, sondern zum Entwickeln an ihren Schülern benutzen. O.. 3) Die Manner Gottes oder biblische Charakteristik. Aus dem hebräischen Werke Jeßod Hadath des H. M. B. Friedenthal. Jn'S Deutsche übertragen von R. .I. Fürstenthal. Berlin 1835. S. 27. (5 gGr.) kt. 8. Eine mit warmer Begeisterung geschriebene Vergleichung der biblischen Heroen mit den heidnischen. In 13 Punkten werden die Tugenden jener hervorgehoben. Der 7te Punkt (Reisen) hätte wegbleiben können, denn das thcilten sie mit gar Vielen, und Kant ist bekanntlich nie sieben Meilen über Königsberg hinaus gekommen. Wol aber hatte der Verf. als Zeichen der Glaubwürdigkeit die sorgfältige Treue, mit der auch einzelne Verirrungen dieser großen Männer berichtet werden, hervorheben können. Die Übersetzung ist gut; an einigen Stellen zu sehr hebräisirend, z. B. S. 22. „wer wollte, daß das ganze Volk aus lauter Propheten -bestände" (pY^D) anstatt: wol wünschte ich, oder: Gott gebe. 8. 4) Apologie der Männer GotteS, und die Würde der Frauen. Zwei Abhandlungen, in'S Deutsche übertragen aus dem Werke deS M. B. Friedenthal. Breslau, 1836. S. 59. kl. 8. Dem Titel gemäß gibt der erste Theil diesesSchriftchens eine Reihe von „Ausstellungen," die man an den Männern der heil. Schrift zu machen pflegt, und ihre „Beseitigung." Mehre derselben sind höchst sinnreich und scharfsinnig, einige allerdings auch verfehlt. Die Anordnung hatte können übersichtlicher sein. Entweder nach der biblischen Ordnung, oder nach Themen , die dann sachgemäß auf einander folgen und in den Ueberschriften angegeben werden mußten; zum Beispiel, der erste Paragraph sucht den Tadel der Furcht vor dem Tode, der Abraham, Samuel, Hesekias, Jonas (wegen deö Gebetes) treffen kann mit dem Wunsche, ihren heil. Beruf zu erfüllen, zu entfernen. Jndeß könnte dieö den Jonas nicht entschuldigen, da dieser sich doch vorher seinem'Berufe selbst entziehen wollte. Sehr gut ist die Vertbeidigung im dritten Paragraphen geführt. Schwach und ungegründct ist dieVcrtheidigung Salomo's im 10. Paragraphen,, da, wenn das angegebene Motiv für die Verheirathung mit heidnischen Frauen daö wirkliche gewesen, er am ehesten ihnen den Götzendienst im eigenen Lande nicht hätte erlauben sollen. 1. B. Kön. XI, 4 ff. — Dieser Apologie sind „Bemerkungen über einige biblische Gegenstände" hinzugefügt. Wir heben aus ihnen die Erklarung des 71^*7 ÖTÜ 1 B. Mos. 22, 2. „Führe ihn mir dir hinauf zur Feier des Brandopfers" — als höchst sinnreich hervor, bemerken jedoch, daß solches Spielen undZweideuteln mit Worten dem höchsten Wesen nicht in den Mund .gelegt werden darf! l — Die Uebersetzung ist zufriedenstellend. Ein jeder Bibelfreund wird das Büchlein mit vielem Vergnügen, und mancher Belehrung durchlesen. 8. 5) 'Rem iniscenzen. Bezüglich auf Reorganisation deS öffentlichen Gottesdienstes bei den Israeliten. Von Peter Beer. Der Ertrag ist zum Besten des prager JsraelitenspitalS gewidmet. -Prag, 1837 (36 Kr. C. M.) S. 73. gr. 8. Diese Schrift des ehrwürdigen Peter Beer enthalt 1) „Ein Wort an den Ausschuß des Vereins zur Regul-irung des Cultus bei den Israeliten in Prag," — worin er verlangt, daß der'Ausschuß dahin arbeite a) daß neugeborne Mädchen in den Bund der Religion, durch einen AktuS ausgenommen würden, etwa dadurch, daß das Kind am' Sabbat, wo die Wöchnerin die Synagoge besucht, in den Tempel gebracht, vom Prediger gesegnet, und zu den Ettern über die Pflichten der Erziehung kurz gesprochen wird; b) daß die Confirmation für Knaben und Mädchen cingeführt werde; c) daß der Trauungsakt auf feierliche Weise vollzogen werde. — 2) „Skizze einer Geschichte des öffentlichen GoltesdienfteS bei den Israeliten," wo insbesondere über die Piutim das Verdammungsurtheil ausgesprochen wird. — 3) „lieber das Gebet in deutscher oder sonst nicht hebräischer Sprache" und 4) „Ueber Begleitung der Gesänge mir der Orgel," wo die Gebete in deutscher Sprache und die Orgel vertheidigt werden, namentlich gegen nm HIN nach HJHJ und andern Flugschriften aus der Zeit des Hamburger Streites. Herr Perer Beer spricht mit noch jugendlicher Wärme und frischer Begeisterung, die Einem bei dem hohen Alter desselben sehr wohl thün. Die Gegenstände seiner Schrift sind zu wichtig und großartig, als daß sie im Raume einer Recension abgethan werden könnten, und beschränken wir uns daher heute auf diese Jnhaltsanzcige. 2—r. 6) Hillel. Drei Abhandlungen von A. Chorin, Ober-Rabbine zu Arad. Ofen, 1837. S. XVI und 172. 8. Es ist mir angenehm, an die Anzeige der obigen Schrift Peter Beer's die der vorliegenden eines andern würdigen israelitischen Greises knüpfen zu können. In der Widmung an den Baron O rczy schreibt derselbe: „Verschmähen daher Ew. Ercellenz nicht die Stimme eines Greises, der jederzeit für die Verbrüderung aller Menschen in Gott, mit Emst und Eifer gesprochen, und auch mit seinem letzten Laute dafür zu sprechen nicht ermüden wird"— um wie viel weniger werden wir es verschmähen, diese Gabe freundlich aufzunehmen. . Die erste Abtheilung ist in Form eines Gespräches zwischen Hillel und'Sackai'S Sohn eine Zusammenstellung aller moralischen Aussprüche Hillel's, verarbcitcnd^daS Thema; wie die Selbstliebe auf die Nächstenliebe zu führen fei? — nehmlich vermittelst des Strebens nach Vervollkommnung. — Wenn diese Abhandlung , abgesehen von ihrem innern Gehalte, von der Warme und hohen Begeisterung, die der würdige Greis ausdrückt, an Schwülstigkeit der Sprache leidet,, so ist dagegen die zweite Abhandlung, über die Verbote und Gebote, die der Israelit gegen seine Nebenmenschen, ohne Unterschied der Religion, zu beobachten hat, in klarer, einfacher Sprache abgefaßt, und mit einer schönen, talmudischen Gelehrsamkeit ausgestattet. In der Einleitung thut Herr Ch. dar, daß nach den Lehren des Talmuds und der Rabbinen, Alle, welche an das Dasein Gottes und an die Offenbabarung, so wie an Belohnung und Bestrafung glauben, als unsere Brüder zu achten sind, spricht sich nebenbei über wie dies durchaus nicht auf unsre gegenwärtigen Nachbarn'zielt, und über deutsches Gebet und Orgel, auSi Dann stellt er alle Gesetze der 5 Bücher Mosis, die auf den Nebenmenschen sich beziehen, zusammen, und fügt Erläuterungen aus dem Talmud und den Midraschim hinzu. — Die dritte Abhandlung enthält „Erörterungen der dreizehn Grundregeln der mosaischen Religion." Wir heben aus dieser eine flüchtige Bemerkung heraus, die aber in der jüdischen Dogmatik von großem Belange ist, und über deren Conseguenzen wir langst schon eine Abhandlung geschrieben, die nächstens in diesen Blattern gegeben werden soll — nehmlicb daß es in der heil. Schrift nie heißt: Glaube, sondern Erkenne, was eine bedeutsame Eigenthümlichkeit in die israelitische Religion hereinbringt. Die Auferstehung der Todten erklärt Herr Ch. nur als eine Tradition, die sich übrigens auf keine Bibelsieüe stütze, indem der Talmud selbst (Sanheirin 72) die Stelle bei Ezechiel^K. 37. für eine Parabel erklärt. 2—r. (Fortsetzung folgt.) Redacreur: Dr. L. Philippfon. — Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von 3* B. Hirfchfeld. (Hierzu das literar» und Homilet. Beiblatt No. 13.

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