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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-07-08 · Heft 30 (8.7.1837) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 30 (8.7.1837)
Date
1837-07-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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I. Jahrgang. 5ÜC fjgS ttt Stil £ Nv. 30. Zeitung' -es Zu-enthums. Ein «npartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Säkbstscber allergnädigßer Coucesfion.) Leipzig, den 8. Juli 1837. Politik. l Zeitungsnachrichten. '! (Fortsetzung des Artikels aus London.) Lord Sandon sah nicht ab, warum der Antragsteller, wenn er besorgt sei, daß der Ruhetag geachtet werde, deswegen gleich der Heuchelei und politischer Nebengründe schuldig befunden werden solle, und das von dem Mitgliede für Bath, welcher sich christlicher Demuch rühme, ja sie alle in seiner Person erschöpft zu haben «-glaube. Ser denn seine Meinung, daß die Arbeit an allen 7 Tagen gleich sein solle? Was liege denn für Gutes darin, dem armen Manne die Befteiung von Arbeit am siebenten Tage zu rauben? Die Gesellschaft könne nicht bestehen, wenn nicht an einem Tage der Woche geruht würde. Man möge nicht vergessen, daß der Dekalog zweierlei Gebote enthielte, die auf Gott und die auf die Nebenmenschen bezüglichen. Ohne Zweifel müssen -einige Observanzen des Ruhetags dem individuellen Gefühle überlassen bleiben, aber andere sollten allerdings durch die Legislatur verstärkt werden. Daß die Bill nicht Alles' bezwecke, was nur irgend zu wünschen sek, wäre kein Einwurf. Herr Ward widersetzte sich der zweiten Lesung. Er und feine Meinungsgenossen beklagten sich nicht über die von dm Gegnern gewünschte Verstärkung der Sabbaths-Oöscrvanz, aber wohl darüber, daß sie Andere zu ihrer Ansicht von dem göttlichm Gesetze zwingen wollten. Ginge die Bill durch, so würdm alle Genüsse der Armen zerstört. Er würde weder ausreitm, noch ausfahren, noch ein Dampfschiff am Sonntage besteigen könnm, sondern in seiner Wohnung gefangen fein. Würde dies das geistig? «nd körperliche Wohl befördern? Wie gefalle dmn dem edlm Lord für Liverpool die 14te Klausel, nach welcher kein Schiff am Sonntage abftgeln dürfe? Gewiß sei es sehr zweckmäßig, wenn der Sabbath gehörig gehaltm werde, dies müsse aber nicht durch Gesetze, sondem durch die öffmtliche Meinung erzeugt werden. — Herr Finch unterstützte die Maßregel, als auf das 4te Gebot begründet. Herr W a k l e y verlas Ev. Zoh. Kap. 5. SS. 8—13. und V. 16.17., und bemerkte, wann diese Bill in Wirksamkeit träte, so würde unsre glückliche Bevölkerung ein Haufe Kopfhänger und Frömmler werden. IndemselbmSinne sprach Borthwick. Herr H.L.Bulwer widersprach der Bill schon darum, weil der jetzige Stand der Gesellschaft es unmöglich mache, sich um die Vergnügungen der Reichm wie der Armen zu bekümmern. Die Menge der Bittschriftm wundere ihn nicht, denn an Leuten, die ihr Gewissen Anderen zur Richtschnur aufdringen wollten, habe es niemals gefehlt. Hunderte und Tausende haben an dm Mordthaten der Bartholomäusnacht Theil gm.ommcN und sind von ihren Priestem dafür gelobt worden *). Auch diese waren fromme Leute zu ihrer Zeit, und folgten den Eingebungm ihres Gewissens **). Das ehrcnwerthe Mitglied für Kent sage, das jüdische Gesetz müsse befolgt werdm, weil der Stifter der christl. Religion nicht zum Zerstören, sondern zum Erfüllen gekommen sei; nun, dann müßte er mit allen seinen Söhnen sich beschneidm lassen (Gelachter), und das Passahfest hältm. Das Wahre an der Sache sei, daß viele jüdische Gesetze gegeben seien, nicht um ihrer absoluten Vortrefflichkeit willm, sondern bloß um ein klciycs Volk abgesondert von dm umgebenden Nachbarn zu erhalten***), ja, in manchen Fallen sei das Factum, daß ein Gebrauch bei dm Judm herrsche, schon Beweis genug, daß cs für die Mmschheit im Ganzen nichts tauge. Es folgen nun die üblichm Präeconisationm des N. T. über das alte, und alsdann wird der grausamm, aber psalmsingenden und bibelcitirendm Zeit Cromwells und der theologisirmden und sittenlosen Karls des zweitm Erwähnung gethan. — Herr Nardy unterstützte das Prinzip der Bill, indem sie Jedermann in der Beobachtung des Sabbath schütze, und Jeden' verhindere. Andere in seinem Brote zur Sonntagsarbeit zu zwingen. Major Beanclerk und Herr Po tter watm gegm, Herr C. Bruce für, der Kanzler der Schatzkammer gegen, die Herren Goulburn und Lord Worsley für die Motion, jedoch mit dem Vorbehalt, die unausführbaren Klauseln zu amendirm. Herr Fowell Buxten berichtete, daß jetzt in mehreren Theilm der Hauptstadt, besonders in Spittalfield die größte Anzahl der Boutikcn offen sei, und Mancher geg.en fein Gewissen dazu gezwungen fei, weil sein Nachbar es thut. — Herr Brotherton. behauptete, die gehörige Beobachtung des Sabbaths sei aus politischm, moralischen und religiösen Ursachen nützlich; dmnvch fand er dm Vorschlag nicht zweckmäßig. Er sei überzeugt, daß Sabbathsarbeit nie zu etwas Gutem führe, was er aus dreißigjähriger Erfahrung ln den Manufakturen bezeugen könne.. Würde dem Volke recht zu Gemüche geführt, daß es gegm sein eigenes *) Doch ein seltsamer und schiefer Vergleich i d. Red. **) Des Gewissens gewiß nicht, ihres Haffes vielmehr. Das wäre eine Entheiligung dieser inuern Stimme der Rarur, die ewig gegen den Mord zeugen wird. d. Red. ***) Warum diese Absonderung? Um die Erkenntnis und Ver-; chrung des einigen Gottes rein in ihm zu erhalten, d. Red.

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