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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-07-06 · Heft 29 (6.7.1837) · p. Seite 116

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 29 (6.7.1837)
Date
1837-07-06
Page
Seite 116 (sequence 4)
Language
German
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116 Sprachstarmne nicht angehörend zu erkennen geben. Und hierzu war die Wahl des Buches-Esther wegen der Menge des darin befindlichen indo-germanischen Sprachstoffes höchst passend. Za der Einleitung werden manche allgemeinere Punkte zur ^Sprache gebracht, welche sich auf das allgemeine Berhältniß, in welchem die indogermanischen und samitischen Sprachen zu einander stehen, beziehen. Der Werf. macht darauf aufmerksam, daß die Sprachforschung allerdings wieder auf eine ursprüngliche Einheit auch dieser zwei Stämme zurückführe *), besonders in den kürzesten Wurzeln, den Urbestandtheilen der Sprachen, zeige sich diese Einheit; aber in den einzelnen Sprachen dieser Stämme, von welcher uns historisches Wissen geworden Ja, trete diese ursprüngliche Einheit durch die fernere verschredene Ausbildung beider Stämme so sehr zurück, daß sich nach ganz bestimmten charakteristischen Merkmalen beurtheilen lasse, was dem einen Stamme und was dem anderen anzehören müsse. Nach eben diesen Merkmalen sei also auch das, was durch spätere Mischung — die von historischen Verhältnissen abzuleiten ist — von der Sprache eines Stammes in irgend eine des anderen gekommen ist, leicht heraus-, ruscherden. Eine solche spätere Mischung aber' sei uns in den j biblischen Büchern der persischen Zeit gegeben (Esra, Nchcmia), besonders in dem Büche Esther, welches der Verfasser zu erklären unternommen habe. — l Genauigkeit und Sprachreinheit machen das Verdienst der lateinischen Uebersetzung aus. Nur Weniges Härte nach meiner Meinung genauer ausgedrückt werden können; so ist 25. 4 das ■JniOJ"» nicht utr ostentaret, es ist vielmehr dem r?J0;O2 Vers 5 gleichzustellen, so daß beide Infinitive mit 2 in Beziehung auf den Nachsatz, der mit -7D5 beginnt, gesetzt sind. —25. S ist AID wohl nicht modice (mäßig), sondern daß nach königlichem Befehl Jeder so viel trinken konnte, wre ihm beliebte, ohne alle Beschränkung. D. 22 bleibt: idque sermone populari promulgaret, abgesehen davon, daß es in dem hebräischen Terte nicht enthalten ist, unverständlich; wie der hebr. Text zu verstehen sei, ist nicht deutlich; die Septuaginta haben diese schwierigen Worte ossenbar nicht gelesen; es scheint daß sie durch irgend \ ein Versehen in den Text gekommen sind; zum Wenigsten läßt - das Vorhergehende die Wermuthung zu, daß nur eine thcilweise l Wiederholung desselben in dieser» Worten vorhanden sei **)'. j Die Anmerkungen verbreiten sich vorzugsweise nur über die Wörter, welche, nicht semitischen Ursprungs, aus den indogermanischen Sprachen ihre Erklärung finden müssen. Die Durchführung . bis in's Einzelne hinein, die Nachweisung des Einzelnen, bleibt j hier allerdings schwankend. Denn wir kennen die besondere Gc- > Haltung des indogermanischen Sprachstammes im altperfischen! Leiche fast noch gar nicht, aus.der zunächst das, was von indo- I germanischen Elementen in. den biblischen Büchern enthalten ist,! erklärt werden muß; ja auch die ihr am nächsten stehende, die; •) Genauer wird Lies in den Schriften des vr. Julius Fürst erwiest». L. Red. .**) Die Neueren geben diese Worte gewöhnlich : „daß ei» Jeder reden sollte nach der Sprache seines Volkes;" Andere: und er [Set König) redete nach der Art seines Volkes." Diese letztere Uebersetzung hat nrchr nar gar nichts für, sondern Alles gegen stch" La 1*123 und 12721 zu genau zuiammenhän,en. 'Die Septuaginta laßt allerdings die Worte: 72*101 ■*25 f 12372 ganz aus, dies beweist aber am wenigsten, da L:e vielen Aeaderuoge«, Zusätze und Auslassungen dekanut stnd, welche die LXX, dis zu Origen es erlitten, und woran besonders daS Luch Esther seinen genügenden Theil bekommen. R aschi erklärt es ganz wörtlich: ein jeder Mann sollte Herr im Haust sein, und seine etwa ausländische Frau zwingen können, seine Sprache zu erlernen. Andere jüdische Interpreten, denen auch der Eommentar und die Uebersetzung von A. Wolsson in der Mendelsohn schen Ausgabe folgt, nehmen in wertem Sinne kür 17122 und erklären: 125 171222 17238 25 171271712 307*23 #11 122*823 5] 8, also: „und stch nach der Weise seines Volkes, fuhren könne." d. Red. Zendsprache, ist nur sehr unvollständig von uns gekannt; wir sehen uns also genöthigt, auf die noch entfernte Sanscrit-Sprache zurückzugehen, welche doch in ihrer späteren Gestalt, wie wir sie aus der Zeit der epischen Literatur der Indier kennen (denn die frühere Sprachsorm, wie die Vedas sie uns geben, ist noch nicht genugsam erforscht,) doch gewiß gar sehr verschieden ist von der Sprache, die in den westlichen Theilcn des persischen Reiches sals wo die Juden sich zu der Zeit aufhrelten, d. Rcd.j, die herrschende war. — Dann ist es zweitens auch noch die Frage, ob die Aussprache der indogermanischen Wörter in den biblischen Schriften, welche die masarctische Punktation uns angiebt, die richtige und ursprüngliche sei , noch dazu, da bei den Wörtern indogermanischen Stammes so viel auf Vocale ankommt.—Bleiben also die vielen Erklärungen noch schwankend, und dürfen die Anforderungen in's Einzelne hinein für jetzt noch nicht zu hoch gespannt werden, so sind dennoch die Erklärungen vieler Wörter von dieser Unsicherheit frei; so wird die Bedeutung der Namen Esther, Waschti, Parthcmim und anderer, welche Prof. Calmberg uns angiebt. Keiner bestreiten wollen. — Görtingen. Dr. E. Berthe« u. (Auszug!, aus d. Hamb. Evrresp^ Leipzig bei Kummer: Kol -Si mra, mm 2ip. Eine Sammlung von Gedichten, von Jacob Eichenbaum. 1836. 116 S. 8. (14 Gr.) Diese Sammlung Gedichte ist wiederum ein erfreulicher Beweis, wie stark die hebräische Sprache noch in der Kunst sortlcbt, und wie viel damit ohne Zwäng ausgedrückt werden kann. Der Verfasser lebt, wie die Vorrede sagt, in Odessa, wo dergleichen Arbeiten noch Anerkennung finden, und seine Verse sind allen denen, welche in neuerer Zeit in Gallizien und Italien verfaßt werden, dreist an die Seite zu setzen. Ein Thcil dieser Gedichte sind Ucbertragungcn aus dem Deutschen, als: der Vatermörder von Langbein; der Ring des Polykratcs, die Bürgschaft, der Gang nach dem Eisenhammer von Schiller. Der Verfasser hat nichts daran geändert als die Eigennamen und das Locale, welches er, gleich jcnen^ nach Palästina verlegt. Auch hat er in letzter Ballade statt der Kirchenseene eine' andere Handlung gewählt, um ganz bei der einheimischen Färbung zu bleiben. Diese Gedichte sind durchaus vortrefflich, wenn man anders hebräische Reime nicht als fremdartig anscheu will, welche nach mehr als tausendjährigem Brauche gleichsam zur hebräischen Poesie zu gehören scheinen. Jedenfalls stören sie hier nicht. Ueberaus schön ist der Traum Salomo's S. 4—14 in 30 scchezeiligen Strophen gedichtet; nicht minder ansprechend ist ein Klagelied S. 15 — 21 auf den Tod des Kaisers Alexander, den . die Engel ans'Neid der Erde entreißen, und Peter 1. im Elysium begrüßt. Nach diesem folgt S. 22 — 25 ein Begrüßungslied an den Grafen Woronzow, als er sein Gouvernement in Odessa anrrat; in diesem Liede drückt der Ncrfapcr die Hoffnung aus, daß der neue Statthalter den Religionsverfolgungen, welche die Juden dort noch immer, theils offen, rhcils im Stillen, zu erdulden haben, ein Ziel setzen werde. ' S. 24—37 sind die Jahreszeiten. sehr gut besungen. S. 38 — 43 eine allerliebste Romanze von einer Geliebten, die ihrem Freunde in die Kriegsgefahren folgt und mit ihm uutcrgeht. i Außer einigen andern kleinen Gedichten findet sich noch am Schlüsse prosaisch die Geschichte des Andrcklcs mit dem Löwen, und endlich ein Paar Briefe des Verfassers, aus denen hervorgeht, daß er früher zu Samocz in Polen gewohnt hat und jetzt in sehr ungünstigen Umständen lebt. Auch diese Stücke zeugen von großer Gewandtheit im Styl. Frcunde"solcher Literatur, die freilich keinen klassischen Werth hat, aber doch unterhält und belehrt, werden dieses Buch nichr unbefriedigt aus der Hand legen. Dr. Iest. (Jen. mg. Sit. Zeit) Redacteur-. Dr. L. Philipps»». — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von 225. Haack.

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