Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-07-06 · Heft 29 (6.7.1837) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 29 (6.7.1837)
Date
1837-07-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3224738-3224768--00284-3298509
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

I. Jahrgang. f Cg t US 11tt & N0. 39. Zeitung des Judcnthums. Ein unpartheüsches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Sächsischer attergnädigster- Concefslvn.) Leipzig, den 6. Juli 1837. Politik. Zeitungsnachrichten. Hannover, 14. Juni. In der Sitzung erster Kammer am 7. d. wurde über die Conftrenzvorschlage wegen des Gesetzes, die Rechtsverhältnisse der Juden betreffend, referirt, und die Discussson darüber mit deren Annahme beendigt. Von den Debatten gibt die hiesige Zeitung nur ein mageres Resume, weil der »interessanteste Theil« derselben als vertraulich bezeichnet sei; die Sitzung muß also rhcilweise vertraulich und theilweift öffentlich gewesen sein. In der Sitzung zweiter Kammer vom 9. d. entspann sich eine ziemlich lebhafte Discussson über diesen Gegenstand, vr. Christiani war der Meinung, die Verhältnisse der Juden würden durch dieses Gesetz schlechter gestellt, und beantragte daher, die Regierung um einen landesherrlichen Commissarius zur Schlichtung der Meinungsverschiedenheit zwischen beiden Kammern zu ersuchen, welcher Antrag aber, obgleich von vr. Freudentheil unterstützt, keine Folge gehabt zu haben scheint, soweit sich dies aus dem sehr unklaren Berichte der hiesigen Zeitung entnehmen laßt; denn nachdem der Geheim- Cabinetsrath Rose geäußert: »auch seinen Ansichten entsprachen die Vorschläge nicht, allein nach der Lage der Sachen glaube er sich dennoch dafür erklären und der künftigen Erfahrung das Weitere überlassen zu müssen,« wurden bei der Abstimmung sämmtliche Conferenzvorschläge angenommen. .(Hamb. Corresp.) 'London, 7. Juni. (Eingesandt.) Die Tag-des- Herrn-Bill des Sir Andrew Agnew, die, wie bekannt, jährlich wiederkehrt, hat heute im ynterhause einen glanzenden Sieg erfochten; sie ist mit einer Majorität von 44 Stimmen zur zweiten Verlesung gekommen. Der Gegenstand selbst, wie die Debatte im Besonder», ist für Israeliten so interessant, und es werden auf das Judcnthum so oft Bezüge gestellt, daß dieselben hier wohl mit Recht näher gegebm zu «erden verdienen. Wenn auch der heute erworbene Sieg beim weitem Fortgange der Sache zu Wasser würde, so giebr er doch einen merkwürdigen Beleg für die Stimmung eines großm Theils Englands, und stellt zugleich eine frappante Analogie mit unsem Verhältnissen hin. — Indem Sir Andrew Agnew auf die zweite Verlesung dieser Bill antrug, legte er einen großm Bündel Petitionen zu deren Unterstützung vor. Herr Plumptre unterstützte die Motion, und sagte, ein großer und einflußreicher Theil der Unterthancn Sr. Maj. wäre von dem dringendm Wunsche beseelt, irgend eine Schutzmaßregel für die religiösen Glieder des Gemeinwesens in der Ausübung ihres Gottesdienstes bewilligt zu sehen. Es sei nicht feine Absicht, die großen Wahrheiten der Religion mit dem zu vermischen, was dagegen als geringfügig erscheinen dürfte; aber er sei tief von der Ansicht durchdrungen, daß eine von der Vorsehung so sehr gesegnete Nation verpflichtet sei, aus allen Kräften die Mittel zu begünstigen, den Tag des Hcrm in allm Klassen der Gesellschaft zu heiligen. Das geehtte Mitglied für Bath habe neulichst Abends einen Auszug aus der heil. Schrift gegen die Grundsätze der vorliegenden Maßregel vorgelrsen. Er bitte um Aufmerksamkeit für eine andere Stelle der heil. Schrift, aus dem Propheten Jeremias. (Ec verlas nun Jercm. 17, 20 bis zu Ende' des Kapitels.) Die Herren, welche behaupteten, diese Befehle härten auf die jetzige Sabbatsfeier keinen Bezug, könnten ebm so wohl sagen, die zweite Tafel der. Zehngebote wäre ohne Verbindlichkeit für Christm. Sei der eine Theil wahrhaftig, so sei es der andere auch.' Der Stifter der christl. Religion sage, er käme nicht zum Zerstören, sondern zum Erfüllen, und er sehe nicht ein, wie die so sich Christen nennen, eines - von den beiden übcrgchm könnrm. In der vollen Ueberzeugung, daß sie auf die Beachtung oder Nichtbeachtung dieser Gebote einst vor dem Richtcrstuhle stehen oder fallen müßten, bettachte er es als die dringmdfte Pflicht, den Vorschlag seines Freundes zu unterstützm. Die Menge der Petitionen fordere das Haus zu emster Untersuchung auf. Auch möge das Haus bedenken, daß wenn auch einige Maßregeln sirmg waren, eine Klausel am Schlüsse der Bill die Thüre für Aenderungen offm lasse. — Herr Roebuck (der Wortführer der Radikalen) sagte, er mache dem ehrenwerthen Barone: sein Complimmt darüber, daß er wenigstens nahe vor einem Dinge vorbcikomme, das man Billigkeit nenne. Die Bill, wie sie ursprünglich gefaßt war, sei nur auf Arme, nicht auf Reiche anwendbar gewesen, nun müsse er dem Verfasser Glück wünschen, daß er auch die Reichen in den Wirkungskreis der > Bill gezogen habe, denn wenn diese durchgehe, so könne Niemand am Sonntage reisen, kein Mensch könne Pferde gebrauchen, als bis an die Kirchthüre. «soweit ungefähr die Billigkeit. Der ehrcnwerebs Vaconct stutze bei dieser Darstellung (Herr Agnew: »Durchaus nicht!«), nun, so zeige er seine.Absicht, Jeden zu Hause zu halten, der nicht' robust und im Stande sei, zu Fuße zu gehen. Doch warum chm der ehrenwerthe Proponent seine Sache nur halb? Das Gesetz Mosis sagt: »Haltet den Sabbach oder sterbet.« Ist nun der Sabbath nach dem Gesetze Mosis zu halten, warum denn nicht die Todesstrafe auf die Verletzung gesetzt? Ab.c ich leugne, daß das Gebot auf den Tag des Herrn (Domi-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.