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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-07-04 · Heft 28 (4.7.1837) · p. Seite 112

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 28 (4.7.1837)
Date
1837-07-04
Page
Seite 112 (sequence 4)
Language
German
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112 Korrespondenzen, Auszüge, Repliken. (AuS München, über Schulwesen.) Wer den Stand der jetzigen Schulen und die Leistungen derselben, im Vergleich zu den fruhern betrachtet, der wird leicht einsehen, wie weit es damit seit kurzer Zeit zur. Ehre der. Menschheit gebracht worden ist. Der Staat hat es sich, vorzüglich in Baiern, zur Angelegenheit gemacht, durch den verbesserten Dolksjugendunterricht die allgemeine Grundlage der Menschenbildung herzustellen. Auch in jüdischen Schulen dürfen nur geprüfte Lehrer, die gewöhnlich mit den christlichen in denselben Anstalten gleiche Bildung erhalten, den Unterricht ertheilen, und Schulvisitationen weisen allenthalben ' nach, daß erstere den christlichen Bolkslehrern keineswegs nachstehen. Es herrscht aber noch in vielen jüdischen Gemeinden die für den Gesammtunterricht unzweckmäßige Einrichtung, daß Religionsschulen von Elementarschulen getrennt bestehen, daß nämlich die Kinder Religionsunterricht in der Religionsschule erhalten, und' zur Erlernung der Realgegenstände in eine Elementarschule, gewöhnlich in eine christliche Schule geschickt werden, was aber für den Zweck des Unterrichts.mangelhaft ist, was Folgendes erweisen soll: 1) Der Religionsunterricht ist eigentlich der wichtigste Gegenstand des Elementarunterrichts, d. h. Gott soll überall zum Muster und zum letzten- Beweggrund des menschlichen Seins genommen, und alles übrige Wissen darauf bezogen werden. Alles soll sich in Religion vereinigen; hingegen kann der Elementarunterricht selbst erst , durch den Religionsunterricht seinen.vollen Werth erhalten. Beide zusammen machen nur ein Wissen, das menschliche Wissen aus, und dieses eine Wissen, oder der Gesammtunterricht soll mit gleichem Interesse, nach gleichen Grundsätzen, und daher mit gleichem Erfolg. in der Schule betrieben und gleichzeitig entwickelt werden, weswegen Real- und Jdealgegenstände nicht geschieden werden dürfen. Wie kann aber dem ^Genüge geleistet werden, wo sich der Religionslehrer als solcher nicht um den Elementarunterricht bekümmett, und auch umgekehrt? Bleiben ' da nicht Real- und Jdealgegenstände einander ftemd und für sich einseitig, während sie Hand an Hand gehen, und'die Einen die Andern begründen und erhöhen sollten, rvqs nur in ein er gemeinschaftlichen Schule geschehen kann? 2) Der Unterricht ist ein fremdes Einwirken, und fördert ein leidendes Hingeben, Aüftuerken, von Seiten des Kindes, welches gerade bei Kindern die unangenehmste Empfindung verursacht. Es ist daher unerläßliche Bedingung, daß der Lehrer die wahre Unterrichtswesse oder Methode einzuschlagen weiß, welche bestimmt, wie der Mensch als solcher in den für ihn bestimmten Unterrichtsgegenständen zweckmäßig unterrichtet werden kann und soll. Besitzt nun möglicher Weise der eine oder der andere Lehrer nicht die wahre Unterrichtskunst, worauf in der Schule gerade so Vieles ankömmt, so wird sein Unterricht bei den Schülern bei weitem nicht so gedeihend sein, als der des andern Lehrers, der der bessern Methode mächtig ist. Die Kinder werden also für den Unterricht dieser Schule eingenommen, gehen freudig dahin, machen gute und erwünschte Fortschritte , während sie gegen den Unterricht jener kalt und gleichgültig bleiben; denn das Gedeihen des Unrerrrchts hängt vorzüglich von der Unterrichtskunst ab, und die Zöglinge merken gar leicht, wo diese angewendet wird, und wo sie dagegen mangelt, und werden sich natürlich zur erstern eher bestimmen. Wird dieses nun nicht nachthcilig für den Zweck der Gesammtbildung sein, und nachtheklig fürs Leben werden? Zst die Kenntniß beider, der Real- und Jdealgegenstände nicht gleich wichtig für den Menschen, um durch sie sein Sein durch sich selbst zu begründen? *) Der Lehrer ist ferner mit dem Ertheilen des Religionsunterrichtes allein der wenigen, wenn schon wichtigsten Gegenstände *) Es müssen aber beide Schule» der Vervollkommnung rustrehen, «ft gerade bei dem Religionsunterrichte ist die Erhebung und das Interesse viel leichter zu bewirke«: d. Red. wegen, ziemlich beschränkt, und das kann leicht verdrieMch werden wegen der Einförmigkeit; die Verbindung des ElementalunterrichtS hingegen ösftret ihm ein weites Feld, reicht ihm Stoff in Fülle, um den Unterricht abwechselnd und angenehm zu machen, alle Seelenkräste der Kinder in Anspruch zu nehmen, und durch zweckmäßige Selbstbeschäftigung die Ruhe und Aufmerksamkeit aller Klassen zu unterhalten. ' 3) Besonders wichtig ist die Bereinigung genannter Schule» für den Anfangspunkt des Religionsunterrichts bei Anfangsschülera. Gott ist in uns, und wir und die ganze Natur in ihm; demnach soll die Idee von Gott, Gottes Dasein als die Ursache von Allem, aus der Anschauung der Natur, aus der Anschauung seiner selbst und dem Leben in der Gemeinschaft hervorgehen. Dazu muß der Schüler Borkenntnisse oder Anschauungen von der Natur und vom Menschen erhalten, ehe man den eigentlichen Religionsunterricht mit ihm' beginnt. Diese Vorkenntnisse aber sind eigentlich Elemente oder Sache der Elementarschule, die freilich der Lehrer zur Begründung des Religionsunterrichts in einer Schule anwenden kann und soll, um so den Unterricht in beiden gleichzeitig zu entwickeln und zu steigern. Hat aber, wo die Schulen gctteunt sind, der Elementarlehrer auch die Absicht bei seinem Verfahren, die Religion beim Anfänger durch Vorkcnntnisse auS der Natur und dem Menschen zu begründen? Ist der Religionsunterricht auf anderem Wege ettheilt nicht gelernt und gelehrt, und daher fürs Herz und Leben fruchtlos: Und wird das Kind beim Anfangsunterricht in zwei Schulen nicht mehr angestrengt, als in einer, besonders wenn die Methoden gleich gut sind? 4) Wo die Kinder endlich in einem halben Tage von einer Schule zur andern wandern müssen, was oft noch durch schlechte Witterung oder weite Entfernung erschwett wird', da geht viele Zeit damit verloren. Sie kommen dazu noch zerstreut in der andern Schule an, und der Lehrer hat Mühe, ihre Aufmerksamkeit für seiuen Unterricht zu erregen und zu unterhalten, was bei einer Schule natürlich wiederum nicht ist. Daß aber bisher nicht alle Religionsschulen mit den Elementarschulen vereinigt wurden, da doch der Lehrer gewöhnlich beiden Fächern vorsteheu kann, und überdieß die schönen Früchte solcher schon vereinigter Schulen bekannt find, daran ist öfters derjenige Theil der Gemeinde hinderlich, der keine schulpflichtigen Kinder hat; wo diese Leute also blos zur Besoldung des Religionslehrers beittagen dürfen, das Wenige aber scheuen, das sie treffen würde, wenn derselbe Lehrer auch den Elementarunterricht übernehme. Auffallend ist es aber, daß gerade in den Kreis-Hauptstädten und andern großen Otten Baierns genannte Schulen gettennt bestehen, wo es doch nicht an Mitteln fehlt, den Lehrer gehörig zu besolden. Möchten sich doch die Regierungen, die übrigens diese Vereinigung wünschen, dieser Sache mehr annehmen, und da, wo Armuth das Hinderfliß dieser Bereinigung in einem Otte ist,, selbst eine Zulage als Hülfe geben.*) Wimmelbacher. (Aus Hamburg). Die Herrmann Heine'sche Stiftung ist ins Leben zetteten, nachdem der Senat die Statuten genehmigt, der Stifter die erste Administration, die sich weiterhin selbst ergänzt, ernannt, ihr das Kapital übergeben und sich nun von jeder anderweitigen Einmischung entfernt hat. — Ein Paragraph der Statuten, welcher besagt, daß biszudemZeitpunkt, wo'hier den Juden alle Gewerbe gleich den übrigen Bewohnern zur Betreibung fteigegeben würden, nur die Ersteren, eben in Rücksicht auf ihr schwereres Fortkommen von der Stiftung unterstützt werden sollen, hat einigen hiesigen Klatsch-Blättern Anlaß zu allerlei plumpen und boshaften Bemerkungen gegeben (z. D. ob man glaube durchs einen solchen Köder den Bürgern die Emancipation abzulungern u. s. w.) welchen jedoch verdienter Maßen geantwottet wurde, nämlich — mit Stillschweigen. *) So praktisch auch einige der Einwendungen des Correspondrnten stnd, so ist doch seine Hauvtanstcht nicht die der Redaktion, und wird diese daher Gelegenheit nehme», den Gegenstand zur Erörterung zu bringe«, ohne natürlich dar Gezenrheil sogleich ru verwerfen. ' d. Red. Redacteur: vr. L. Philippson. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von W. Haaök.

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