Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-07-04 · Heft 28 (4.7.1837) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 28 (4.7.1837)
Date
1837-07-04
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3224737-3224738-3224767--00279-3298503
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

i. Z-chrg-mg. SKCgenteint No. 28. Zeitung des ZudcnthumS. Ein unpartheiifches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Kömgl. Sächsischer allergnädigster Concefston.) Leipzig, den 4. Juli 1837. Politik. Zeitungsnachrichten. Dresden, 20. Juni. (Privatmitthellung.) Ihre »Aeitung des Judmthums« erfreuet sich hier mehrseitigen Beifalls unter allen Glaubenspartheien und wird auch in öffentlichen Lesezirkeln gehalten. Es ist eine merkwürdige Erscheinung unserer Tage, daß, so sehr man die Juden in gewerblicher Hinsicht zurückzudrängen sich bestrebt, Angelegenheiten der Juden und des Judenthums bei allen Partheien doch ein gewisses Interesse erregen, und was' von dieser Seite kommt oder eine» dahin einschlagenden Gegenstand beleuchtet, gern gelesen wird. Es scheint mir dies ein unverkennbares Zeichen der ewigm, unversiegbaren Kraft, die dem Judenthume inwohnt, zu sein.' — Niemand kann leugnen, daß die größten Heerführer im Reiche der Idem, die gewissermaßen eine neue Ordnung der Dinge auf Jahrhunderte, ja auf Jahrtausende hin anregtm oder.zu Stande brachten, — Juden warm! Moses — der Gesetzgeber, David — der Lyriker, Jesus — der Reformator, Maimonides — der umfassende Gesetzinterpretator und scharfsinnige Kmner der arab. Wissenschaft, Spinoza — der Philosoph, M endelssohn— der Kritiker und Schöpfer des deutschm Styls, — wer hat diese Namen je unbeachtet lassm mögen?-Von diesen lichten Höhm der Jdemwelt wmdm wir uns ungern zu den dunkeln Niederungen der Wirklichkeit, die leider noch voller Nebelausdünstungen sind. So häufig man Bruderliebe und Toleranz berheuert, so selten übt man sie im Lebm aus. Die neuesten Verhandlungen in unserm Vaterlande haben die Wahrheit dieser Behauptung nmerdings dürgethan. Ob die Verhandlungen in der 2teu Kammer, die in einigm Tagm bevorstehen, besser ausfallen werdm, steht zu erwarten. Nach dem Berichte der begutachtenden Deputation, der heute erschien, ist jedoch nicht viel Günstiges zu hoffen; Herr vr. v. Maier auf Lieska mit seinem für die Sache des Rechts und der Menschenwürde unermüdlichen Phalanx wird einm hartm Kampf zu kämpfen haben. — Die Majorität der. Deputation der 2ten Kammer erkennt in dem 5 Druckbogen einnehmenden Berichte zwar die Ansprüche der Judm an, tritt zuletzt aber doch — aus unzulänglichen Gründen — allen beschränkenden Amendements bet lften Kammer bei, ja sucht durch die Wortfassung noch mehr Beschränkungen in das Gesetz zu bringen. — Man wußte dieses Resultat hier voraus, doch kann man der Persönlichkeit der Deputationsmilglieder keinesweges Intoleranz oder Judmhaß beimessm, da mehrere derselbm sich in sonstiger Hinsicht sogar zu Gunsten der Judm gewöhnlich auszusprechm pflegm; Herr Vr. v. Maier, 'ebenfalls Deputationsmitglied (der beim vorigm Landtage dm meisterhaften Deputationsbericht verfaßte, f. Zeit. d. Judmth. No. 2. Seite 7-), gab auch diesmal wieder zu erkmnm, wie weder Menschen furcht noch Menschengunst auf ihn Einfluß haben; er faßte ein Separatvotum ab, worin er sich gegen die in seiner Abwesenheit schnell zu Stande gekommmm Deputations-Beschlüsse verwahrt, indem er — wie er sagt — »die beim vorigm Landtage von ihm aufgestelltm Grundsätze für die Emancipation nie verlassen und verleugnen könne, da sic seine innerste Ueberzeugung seien.« Den vorgelegten Entwurf erkennt er durchaus nicht für ein Emancipationsgesetz an; doch würde er demselben beigestimmt haben, wenn er ohne weitere Beschränkungen gebliebm wäre; es war doch wenigstens das aufrichtige Bestreben der Regierung sichtbar, die drückendsten Härten zu mtfernm. Dm von der Isten Kammer beschlossenen und nun auch von der Deputation der 2ten Kammer zur Annahme empfohlnm Ammdemmts könne er aber seine Zustimmung nimmer ertheilm. Die Lage der sächsischm Judm würde nun noch schlimmer als vorher; einm solchen Erfolg herbeizuführen könne doch nicht in der Absicht der sächsischen Kamm"ern liegm! — Er empfiehlt daher der Kammer, alle von der Isten K. hinzugefügten Beschränkungen zu verwerfen, dagegen schlägt er als Ammdement vor,- dm Judm Zulassung zur Advocatur und Erwerbung von Grundeigenthum zu gestatten.- Herr vr. v. Maier ist bekanntlich einer der besten Redner der sächs. Ständeversammlung und seine Abstimmung giebl oft den Ausschlag; cs war mehrere Mal der Fall, daß das Resultat einer Debatte ziemlich gewiß war, da bestieg v. Maier die Rednerbühne und seine begeistemde Stimme brachte nun einm ganz andem Erfolg herbei, als man ftühec erwartet hatte. Nur in der Emancipationssache will es ihm nicht gelingen. Gegen Vorurtheile hilft die glänzendste Beredsamkeit nichts! — Auch Herr v. Dieskau, Todt u. Andere m. wollen für die Emancipation sprechen; doch der -Erfolg ruhet. w der Hand Gottes! — Die Abschaffung der üblichen Gebührm von 6 Thaler für jede Leiche der hiesigen Judenschaft und für jeden auf dm jüd. Gottesacker zu sctzmdm Leichenstein ist nun in Folge des ständischen Anttags vom Ministerio verfügt wordm. — Das Ministerium des Culms, das überhaupt den Grundsatz der Parität, soweit es bei der bisherigen Gesetzgebung möglich ist, thunlichst festzuhalren sucht, hat diesem Principe auch in diesen Tagm wieder auf schöne Weise gehuldigt. Se. Exc.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.