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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-07-04 · Heft 27 (4.7.1837) · p. Seite 108

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 27 (4.7.1837)
Date
1837-07-04
Page
Seite 108 (sequence 4)
Language
German
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108 Correspondenzen, Auszüge, Repliken. (Lus dem Wiedenbrückschen, Reg. Bezirks Minden.) Die segensreichen Wirkungen des in der Hauptstadt der Provinz Westphalen (Münster) unter der umsichtigen Leitung des Herrn Prof, und vr. A. Haindorf bestehenden Vereins für Westphalen und Rheinland rc. fangen an nach und nach recht sichtbar zu werden. Der dem Referenten vorliegende Jahresbericht von 1836 zahlt Inbegriffs des Verzeichnisses der Lehrgegenstände 181 Seiten und enthält: die Aufnahme von Schülern in die Dereinsschule, die Unterbringung von Lehrlingen bei Handwerkern und Künstlern; Uebersicht der aus dem Verein hervorgegangenen Lehrer und Handwerker. Ferner den Caffen-Abschluß des Rechnungsjahres 1835, und'find nach diesem, einschließlich des aus frühern Jahren verbliebenen Caffenbestandes 5530 Thlr. vereinnahmt und 3664 Thlr. 20 Sgr. 9 Pf. verausgabt worden.. Thätig greifen die Staatsbehörden und die in reder Gemeinde oder in jedem Synagogenbezirk angestellten Geschäftsführer in das Getriebe dieses so sehr nützlichen Instituts; und es ist sehr lobend zu erwähnen, daß sehr viele Christen den Verein mit sehr vielen Geldbeiträgen unterstützen. Die Krone des Verdienstes gebührt aber immerhin dem so wackera und umsichtigen Dirigmten der Anstalten, Herrn vr. A. Hainvorf, der die Leitung des Ganzen (man übersehe ja nicht, was das für zwei so große Provinzen sagen will) nicht allein un entgeldlich übernommen, sondern einen baaren Zuschuß von 200. Lhlr. jährlich dem Institute gewährt; außer diesem aber immer der Berernskaffe Vorschüsse macht, um das Capitalvermögen nicht angreifen zu lassen. Bemerkenswerth ist es, daß die Bereinsschule von vielen Iöglingen beider christlichen Confefsionen besucht wird, und daß für den Religionsunterricht auf eine Art gesorgt wird, die jeder Vernünftige und Billigdenkende lobenswerth finden dürste. Die israelitischen Kinder erhalten den Religionsunterricht bei den israelitischen Lehrern Hrn. Cahn und Löwenberg, die evangelischen bei ihren resp. Predigern, die katholischen bei dem Hrn. Gymnasiallehrer Püning nach Overbergs Lehrbüchern. Die Schule, sowie überhaupt die ganze Anstalt, steht in einem gute» Credit und hat die Anerkennung der hohen Staatsbehörde erhalten. Roch im Laufe des Jahres wird der 10te Jahresbericht erscheinen, und es soll gleich nach Veröffentlichung dieses Berichts ein Weiteres beigebracht werden. Für jetzt möge dies Wenige über diesen höchst wichtigen Punkt genügen. Ucker unsere synagogischen Angelegenhüten ist so viel zu sagen, daß seit einem Jahrzehend recht schöne.Synagogen im neuen Bau- Hyl entstanden, daß auch im Allgemeinen, ganz dem heiligen Zwecke der Bethäuser angemessen, Ruhe und Ordnung eingekehrt sei. Namentlich gebührt dem Hrn. Ober-Vorsteher Hellwitz, früher zu Werl, jetzt zu Soest wohnend, das Verdienst, recht viel hierzu gewirkt zu haben. Am ausgezeichnetsten für einen verbesserten Cultvs find die Gemeinden Neukircheu, Soest und Werl, theilweise Beverungen, Gütersloh, Bielefeld, Jserloh und Menden zu bezeichnen. In der Gemeinde Reukirch en wurden seit 10 Jahren an Sabbath-, Fest- und Bußtagen von dem dortigen Prediger Liepmannssohn deutsch geprckigt. Eben so würden früher zu Werl, noch jetzt zu Soest von dem Ober-Borsteher Hellwitz deutsche Borträge gehalten. Sowohl von letzter» als von ersteru find Predigten durch den Druck veröffentlicht. WaS sehr vortheilhaft für die ssraelitischen Bewohner unserer Provinz spricht, ist der Umstand, daß ein verbesserter Cultus sich sehr leicht einführeu ließe, ha die Gemüther hierzu ziemlich empfänglich sind. Rur fehlt es. noch zu sehr an Anregung von Seiten eines Rabbiners, dm Vorstehern und Wortführern der Gemeinden. Mögm auch von dm Lehrern mehrere befähigt sein, Gottes Wort recht nachdrucksvoll zu verkünden, so ist leider ihre Stellung im Allgemeinen der Art, daß sie zu sehr von den ein- «lnen Glicker» der Gemeinde abhängen, um selbstständig solche Einrichtungen treffen zu können, die der Heilssache am förderlichsten sind. Der Herr bessere esund lasse in Erfüllung gehen, was Israel Roth thut, und' was die Gnsichtsvollen schon seit mehrern Decennien wünschen, — nämlich, daß eine kirchliche Behörde eingesetzt werde, deren Bestreben es ist, Licht und Liebe (nicht zu wecken, denn beide find vorhanden, sondern) zu verbreiten, auf daß nicht mehr Alles nach Willkühr einzelner lichtscheuen, verblendeten, eingebildeten und halbgelehrten Rabbinen, Vorsteher und sonstigen Wortführer, die sich nur durch ihr Vermögen ohne sonstiges Verdienst geltend gemacht haben, anhekmgestellt bleibe, sondern daß solche Anstalten getroffen werden mögen, wodurch das heilige Wort Gottes in deutscher Muttersprache gepredigt werde, sich den Weg zum Geiste und Herzen der Zuhörer bahne, beide labe und eäräftige für das Leben, für das Gute und Hellfördernde! — Außer einigen Privatvermächtnissen für Talmud Thora, wovon hier und da der Mißbrauch gemacht wird, daß mehrere Talmudlehrer sich mästm und auf das Buchstäblichste dem Willen des Stifters nachkommm, so daß nur immer in dem Hause, aus welchem solche Legate entsprossen, — gelernt, ohne daß für die bessere Sache des Jndeuthums etwas gewonnen wird, giebt es auch mehrere, die das allgemeine Wohl zu befördern suchen. Wir führm nur das Legat des'Hrn. Jacob Löb Eltzbacher, weiland Hofbankiers des Fürsten Kaunitz., an. Der Verblichene wurde zu Ober Eltzbach in Baiern im Jahre 1755 geboren, machte seine rabbinischm Studien zu Fürth, erlangte schon in sehr jungen Jahrm die Rabbinerwurde, fand zu Reukirchen eine Lehrerstelle, von der er später züm merkantilischm Fache überging und rin sehr bedeutendes Vermögen erwarb. Am 6. Januar 1825 segnete er das Zeitliche, und es fanden sich in seinem am 18. Febr. 1825 in Kraft getretenen Testamente, außer vielen Familicnstiftungen, folgende Anordnungen: 1) Dem Orte Reukirchen als Beihülfe zur Anstellung eines Nachtwächters jährlich 12Z- Thlr. 2) Sämmtlichen Bauern in der Grafschaft Rietberg, sofern solche etwa dürftig sind und dem Testator eine Summe unter 15 Thlr. verschulden, soll die Schuld erlassen sein. 3) An dem jährlichen Sterbetage der Frau Hofbankier Eltzba cher, sowie an dem Sterbetage des Testators, sollen unter die zu Reukirchen und die zu Rietberg befindlichen Arme» aller Confesfionen zweimal 25 Thlr, also 50 Thlr. zu ewigen Zeiten vertheilr werden. 4) Der israelitischen Gemeinde zu Reukirchen find 200 Thlr. Capitalschuld nebst rückständigen Zinsen mit der Bedingung ' erlassen, daß selbe sich ein Buch unter dem Tllel: »Haskaroth Reschamoth« auf ihre Kosten beschaffe, und die vorgeschriebenen Pflichten unter Einschreibung seines Namens und Vermächtnisses genau befolge. Die Verpflichtung besteht nämlich darin, daß sie auf der ersten Seite des Buches verzeichne, daß an dem und dem Tage Herr Hofbankier E. starb, der Gemeinde 200 Thlr. vermacht, und daß diesem ein Geber für das Seelenhell des Verstorbenen folge, welches der Vorsänger an jedem letzten Tage eines israelitischen Festes abzuhetea habe. Ein Jeder nun, der der Gemeinde mindestens 10 Thlr. legirt, wird in das Buch verzeichnet und in das Gebet mit einbegriffen. Dies ist bereits von 12-geschehen, unter denen zwei Einschreibungen zu 25 Thlr. und eine zu 50 Thlr. erfolgten. Der Caator muß diese lange Reihe ablesen und das Gebet verrichten, ohne daß fteilich Einer an . ein Legat für ihn deshalb dachte. *) A. I. B enelieser. *) Dies iß Alles sehr schön, warum aber nicht das geringste Legat flrr die Schule? Warum für die wichtigste Anstalt, der Erziehung der Jugend gewidmet, keine» Heller? DaS ist SaS wichtigste Legat: d. Red. Redakteur: vr. L. Philipps»«. — Verlag von Banurgärtuers Buchhandlung. — Druck von W. Haack.

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