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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-06-30 · Heft 25 (30.6.1837) · p. Seite 100

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 25 (30.6.1837)
Date
1837-06-30
Page
Seite 100 (sequence 4)
Language
German
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100 ihm (allenfalls mit eine Nadel) bezeichnete. Zu bedauern jedoch, ist, daß dieser junge Mann bei der ununterbrochenen angestrengten Geistesthätigkeit in einxm höchst aufgeregten. Austande sich befindet, dem er. bei fortdauernder ähnlicher Lebensweise leicht erliegen kann. — Üebrigens ist er in W arfchaü durch seine außerordentliche Gabe so bekannt, daß sich die höchsten Personen ihm vorführen ließen. Man erzählt, daß.Fürst Paskewitsch ihm die Namen von 200 Soldaten öfters vorsagen ließ, und daß der junge Rabbiner die ganze Liste derselben aus dem Gedächtniß wiederholte. (Priv. Schles. Zeit.) (Aus dem Holsteinischen.) Der Obergerichts-Advokat L öck in Itzehoe, Präsident der Holstein'schen Provinzial- Stände, hatte im vorigen Jahre in seiner Rechenschastsablegung' an seine Mandanten im Kieler Correspondenzblatt bei Erwähnung seines (feindlichen) Votums über die Supplik der Hollsteinischen Juden, Stellen aus Rießer's erster.Schrift gegen Paulus auf eine ganz entstellende Weise citirt. Das Blatt kam Rießer erst vor Kurzem zu Händen, da es ihm Rein heim aus Altona nach Dockenheim mitbrachte, der es auf seiner längern Abwesenheit von der Hcimath bei sich firhrte, um ihm als Gegenmittel gegen etwa ihn beschleichendes Heimweh zu dienen. Rießer, deffen gottverliehener Beruf es ist, jeden neuen Kopf der alten Hydra Judenhaß unverzüglich auszubrennen, und es beiläufig wohlmeinenden aber verblendeten Männern klar zu machen, daß sie bei aller redlichen Selbsttäuschung von Nationalität, Staatswohl u. dgl. ihre Argumente doch im Grunde nur aus derselben nebelhaften Quelle schöpfen, wie der muthwillige kleinstädtische Knabe, der einem ungewöhnlich Gekleideten nachläuft, Steine nachwirst: nämlich aus philiströser Scheu vor Unbekanntem, und aus eingesogeuen Ammendogmen; vielleicht verstärkt durch.die Unbehaglichkeit, die man dem unbezahlten gerechten Gläubiger gegenüber empfindet; vielleicht, vielleicht auch noch verstärkt, durch das Gellertsche — »du Narr willst klüger fein als wir?«-, Rießer, sagen wir, enrgegnete unterm 24. Mai in demselben Blatte, indem er u. A. in herrlichen Motten edlen Zornes ein Verfahren ttefsend charakterifitte, das sein Ziel darin sucht und die gleißendstea Borwände nicht spart, Andere von einer Stellung im Staate auszuschließen, die man selbst so mühelos erlangt hat. Dieser Aufsatz laßt, wie die meisten aus Rießers Feder, keinen Auszug zu. Run hat Herr Löck unterm 8. Juni größtenteils ausweichend replicirt, und bricht zum Beleg seiner Unbefangenheit mit rührender Raivetät in folgende Fragen aus: ' »Ist es^ nun aber möglich, Mitglied einer Nation - zu sein und zu bleiben, und zugleich in eine andere einzutteten? Ist es möglich, zugleich ein Deutscher und ein Franzose zu sein und zu bleiben? u. s. w.« Ferner: »Auch über d i e Frage wünsche ich wohl eine Belehrung aus . -glaubhafter Quelle: Hat man Beispiele (nur nicht blos eins oder zwei), daß in den Ländern, wo die Juden den übrigen Staatsbürgern gleichgestellt sind, Männer dieser Nation sich mit schwerer Körperarbeit befaßt hätten? Sieht man sie dott graben, mähen, dreschen, holzschlagen u. dgl.? Oder überlassen sie diese Arbeit nach wie vor der Ration, welch« sie ausgenommen hat? Wenn die erste Frage nicht einen versteckten Bezug auf die in Disfidenz gcrathene Brüderschaft der Dänen und Holsteiner enthalten soll, so können wir unmöglich glauben, daß in gebildeten deutschen Staaten der Begriff der Rationalität noch immer ganz streng etymologisch auf das bloße Raceverhältniß, und nicht vielmehr auf die Staatsangehörigkeit angewandt wird; denn sonst könnte der Schluß nicht ausbleiben, daß z. B. HolsteiLfthe Familien, die seit mehreren Generationen ftemde Länder mit andern Jungen bewohnen, ohne auch nur im Geringsten an holsteinischen Justanden Theil zu nehmen, eher zu Holsteins Volke gezählt werden müßten, als eben die Juden., die seit Jahrhundetten darin wohnen, und deren Wohl und Weh, deren Gegenwatt und. Zukunft mit allen Bauden des Interesses, der Liebe, der Hoffnung und der Furcht Tag und . Rächt daran geknüpft ist. Turkomannea und Lappen, Malaien und Botokuden, die freilich nehmen Niemand in ihren Verband auf, dessen Voreltern nicht schon den Feß oder den Rennthierpelz, das Krieß oder den Lippenstöpsel gettagea haben; aber je mehr eine Gesellschaft sich von dem rohen Zustande, von dem Standpunkte der Natur entfernt, um so mehr sollen solche Verschiedenheiten unbeachtet bleiben, und das Wott Nation, im angegebenen Sinne, gegen das Wott Staat verschwinden. Die zweite Frage betreffendest hätte sich der Hem Löck doch die Mühe geben sollen, sich in seiner nächsten Umgebung an Orten, wo er eben so bekannt ist, als in Itzehoe selbst, vor Abgabe seines Votums ein wenig zu erkundigen,' und er wüßte dann, daß, trotz aller bürgerlichen Schranken und Hemmschuhe,' z- B. in Elmshern und Altona ansehnliche Gerbereien sind, die von jüdischen Meistern mit jüdischen Gesellen betrieben werden; er hätte in Kopenhagen, sowie in allen dänischen Provinzen, wo allerdings eine modifizitte Emaocipation gegeben ist, jüdische Arbeiter jedtt Att, vom Grobschmidt an bis zum Seiler, Oekouomen, Verwalter u. s. ». finden können, und da dem sorgfältigen Manne so viel am Graben und Holzschlagen liegt, so hätte er in der Armen-Colonke Frederiksgabe — freilich an drei Meile» von Itzehoe — nach den jüdischen Cvlouisten daselbst ftagen können. Wäre er aber in seinen echnographische» Forschungen noch weiter gegangen, etwa nach Hamburg, so hätte er da u. A. eine große Anzahl jüdsscher Lastträger aller Att, namentlich Torf träger gestruden — die jedoch als Richt-Bürger den Torf nicht aus den Schiffen auf die Wagen laden dürfen, — tt hätte da jüdssche Seifensieder, Kerzeagießer, Metallruff ineurs u. dgl. gettoffen, die mit eigenm Händen arbeiten; vor Allem abtt hätte er erfahren , wasmaßen schon vor 20 Jahren die jüdssche Gemeinde um die Erlaubniß anhielt, eine Anzahl jüdischerArbeittt zu den Walldemolitions-, Chaussee- und andern 'öffentlichen Arbeiten stellen zu dürfen, und wasmaßen sie einen ganz runden Abschlag erhielt, dtt auch nachmals noch oft gegen einzelne Aspiranten wiederholt wurde. Ohne nun noch den Blick nach Hollarid*), Baiern u. s. w^zu richten, könnte Res. ihm mehrere Güttr in Böhmen nennen^ die von christlichen und jüdischen Bauern in solchtt Harmonie bewitthschaftet werden, daß sie gegenseitig an ihren resp. Feiertagen für eiuaudtt arbeiten; doch da die sämmtlichen jüdssche» Zustände dem Herrn Löck böhmische Dörfer zu sein scheinen, so bleibt nur noch die grauenerregende Frage: Welchen Namen verdient ein Zustand, wo über das Sein odtt Nichtsein ganztt Menscheamassen auf Jahrhundette hinaus von Männern entschieden wird, die zwei Iah« nachher erst sich über die wichtigsten betteffende» Verhältnisse »eine Belehrung aus glaubhafter Quelle wohl wünschten?«' *) Namentlich Amsterdam: b.N. Antworten. 7) Z. I. in Berlin besten Dank, Bitte um Fortsetzungen. 8) M. L. in Berlin, Winke sollen beachtet werden. 9) Die Wünsche des Berichterstatters aus dem Regierungsbezirk Minden werden erfüllt, nur kan» die Rec. dtt beiden Broschüren nicht ehtt erfolgen, als bis sie dtt Redaction, etwa durch Buchhändlcrgelegenheit, zugekommen sind. 10) vr. K*s in München Aufsatz kann nicht ausgenommen werden. 11) Herrn H. in Hamburg abermaligen' Dank. Die Redaetron. Redaeteur: vr. L. Philippson. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von B>. Haaök.

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