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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-06-22 · Heft 23 (22.6.1837) · p. Seite 90

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 23 (22.6.1837)
Date
1837-06-22
Page
Seite 90 (sequence 2)
Language
German
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90 Orarr, 12. Mai. Der Jude Durand wird inmitten der neuen Feindseligkeiten zwischen'Abd-el-Kader und den Franzosen noch immer zu gegenseitigen Friedensunterhand lunge«, besonders.;» Tauschverträgen.in Bezug auf Viehliefettrngen von Seiten der Araber, angewendet, und erwirbt sich das Lob beider Pattheien auf eine ungemeine Weife. Politische Controls und Abhandlungen. Wer ist der Jude, ,der durch die Nichtemancipation eigentlich leidet? Derjenige, der gerade in dieser Angelegenheit die meiste Berücksichtigung verdiente, der reife, der gebildete. Und diejenigen, die am höchsten stehen, leiden am meisten, die Wissenschaftlichen, die Gelehtten, die Studieren. Warum soll ein jüdischer Arzt nicht die Stelle eines Physikus,. selbst eines Armenarztes einnehmen können? Es giebt hier gar keinen Grund abzusehen. Denn sollte etwa der jüdische Arzt Proselyten machen, wie die zatten Seelen bei dem. geringsten Provociren eines Juden fürchten? Das könnte er am Krankenbett immer, und besser als am Secir- oder Obductionstische. Man hat noch von keiner armen Seele gehött, die ein jüdischer Arzt so ins Judenthum hineinpractizirte, im engsten Sinne des Wottes. Oder wäre ein jüdischer Arzt weniger gewissenhaft? So du ihm schon als bloßen Arzte dein Theuerstes, dein liebes Lebm, anvettraust, hältst du ihn gewiß nicht für nicht gewissenhaft. Ich habe einst, in meinem Knabenalter, dm Leichenzug eines jüdischen Arztes *) gesehen, dm Hunderte von christlichm Armen, denn er war ein Armmarzt auch ohne Besoldung und Patmt, weinmd begleitetm, und ich ftug in meiner Kindesunschuld, warum weinm doch die Christm, er war ja ein Jude? Und die Armm thaten noch mehr, als weinen, sie ließm ihm, Chttstm mit Juden vereint, von ihrm Sechsem und Groschen ein marmornes Denkmal setzm, mit goldenm Buchstabm, was für ein Mensch der Verblichme geweftn, «nd das ist noch zu sehm und zu leftn, nachdem die Thränen längst getrocknet. Und dabei war er nicht bloß Armenarzt, sondern auch ein armer Arzt, hatte aber dennoch nichtarzneiliche Labsale in seinen Taschen eigens in die Hütten gettagen, oft die Silberlinge aus den Börsen feiner jüdischen Brüder gezogen, um sie seinen christlichen zu bringen. Aber das Eine muß ich nicht vergessen, daß der Fürst seiner Witwe fteiwillig auf Lebenszeit einen Jahrgehalt von 100 Rthlr. aussetzte. So hatte Volk und Fürst ihm gehuldigt, aber Physikus durste er doch nicht werden. Er hatte fteilich auch nicht einmal Ansprüche gemacht. Die jetzige Generation macht diese allerdings, aber sie werden nur nicht erfüllt. Warum soll der jüdische Gelehrte nicht öffentlicher Lehrer werden? — Glaubt man, er werde die Mathematik nicht lehren können, ohne zu Zeiten einen mathematischen Beweis des Judenthums einzustreuen? —Oder daß er seinen Schülern ein französisches Glaubens bckemrtniß des Judenthums dictiren, oder Socrates und Aristoteles für Juden ausgeben *) vr. Hartog zu Dessau. würde? Da ich selbst über Plato und Aristoteles mehrere Aussätze*) geschrieben, so kann ich heilig versichern, daß ich dies nie gethan. Und ich bin ein wahrhafter Jude. In den »Briefen eines Verstorbenen« wird irgendwo gesagt, indem von den Katholiken in Irland die Rede ist, »die unterdrückte Religionspattei sei stets die aufgeklärtere.« Aus demselben Grunde ist auch der Arme mitleidiger als der Reiche, und der Kranke cheilnehmender für Kranke als der Gesunde. Nun sind zwar Aufklärung, Mitleid und Teilnahme herrliche Eigenschaften, die mir um Nichts feil waren, aber sie sind in diesem Falle doch sehr theüer erkauft,, und ich möchte allerdings viel lieber ein mitleidiger Reicher, ein theilnehmender Gesunder und ein aufgeklärter Herrscher sein, auf keinen Fall aber ein Unterdrücker, ein roher Reicher und ein mürrischer Gesunder. »Leben und leben lassen,« ist ein ttefflicher Grundsatz, und dem »Liebe deinen Nächsten« an die Seite zu setzen. Jeder genieße seines Rechtes, wolle aber nicht, daß um dieses seines Rechtes willen, einem Andern feinRecht'geschmälert und beschrankt werde. Dann wäre sein Recht eine Wucherpflanze, die jedes andre' Gewächs in seinem Umkreise für eine Schmarotzerpflanze hielte.— O Mutter Erde, du lässest Alle wandeln auf dir, und an deinem Busen ruhen, und in deinem Schooße. Aber die Menschen sind selbstisch, und können sich einander gar nicht leiden. Theologie. Der Gott des Alten Testavrents. (Fortsetzung von R. 2. ) Der Gott des A. T. ist der Schöpfer des Weltalls, welches als Objekt seiner Thätigkeit ward und ist, welches demnach durch ihn ward und an ihm ist, aber nicht in ihm. I« diesem Verhälmiß blieb er zur Schöpftrng, und sie zu ihm, je wie sie war. Das A. T. kennt wohl den Sündenfall, aber nicht die Erbsünde; der Sünden-, fall ist ihm die erste Emanation der sündigen Meuschennatur, die kommen mußte, weil die Sünde vom Mensche» nicht, ausbleiben konnte. Das A. T. erkennt daher auch keine spätere Entsühnung dieses Sündenfalls des ersten Menschen und der daraus fließenden Erbsünde an, ja, es deutet nie und nirgends auf solche hin, sondern jeder Mensch sündigt für sich, und entsühnt sich selbst, wozu ihm die Gottheit die Erkennmiß, besonders durch ihre Lchre (Offenbarung), verleiht und durch ihre Barmherzigkeit verhilft. Daher geschieht die Entsühnung durch die Anerkennung der Sünde und durch die Entfernung der Sünde (Irrem. 3, *) In meiner *'Kbj uy&QaTttrq und im Podallrius.

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