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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-06-20 · Heft 22 (20.6.1837) · p. Seite 88

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 22 (20.6.1837)
Date
1837-06-20
Page
Seite 88 (sequence 4)
Language
German
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88 Lagerstelle, schlug einer der Makkabäer, Jonathas, die zahlreiche Armee des Demetrius Nftator in die Flucht. — Der Jordan ist ziemlich schmal, aber sehr tief. Eine sehr schöne Brücke mit 3 Kreuzbogen nach gothischer Art führt über diesen Fluß. An seinen Ufern, in dem Augenblicke wo ich dieses heilige Land betrat, war mir, als begönne für mich ein neues Leben. Wie sollte auch die Phantasie kalt dabei bleiben, wenn unaufhörlüh große Namen im Ohre wiederhallen? Vom Jordan bis Jerusalem, vom Hebron, dem Hause Abrahams, bis zum tobten Meere, wo Gottes Zorn entbrannte, und bis zum Thale von Tierefias, dem Schauplatz von Davids Ruhm und Heldenmuth, sieht man nur Stellen an welche sich die heiligsten Erinnerungen knüpfen. Das Ohr vernimmt fast keine andern Namen als solche, welch« wir von unsrer Kindheit an mit Ehrfurcht ausgesprochen haben; man lebt in Gemeinschaft der Patriarchen, der Propheten, der Wunder. Man muß sich ganz natürlicherweise dem ernsten Rachsiunen, einer sanften und heiligen Melancholie überlassen, die Luft, die man hier einathmet, ist heilig und scheint ihre Wirkung auf Alles zu erstrecken; denn in keinem andern älnde entwickeln sich Glaubensmeinungen mit gleicher Lebhaftigkeit, hier zählt jede Ration eifrige Bekenner. Der Jude, der Christ und der Muselmann, Alle glühen auf gleiche Weise für ihre Religion, und Judäa scheint die eigenthümliche Macht zu besitzen, das menschliche Herz zum Verkehre und zur Gemeinschaft mit der Gottheit zu stimmen. — Auf dem Wege nach Liberias kamen wir am Josephsbrunne» vorüber, der zur Erholung und Bequemlichkeit der Reisenden wie geschaffen ist. Hier soll Joseph ' von seinen. Brüdern in eine Cisterne hinabgelassen und an ägyptische Kaufleute verkauft wordensein. — Die geographischen Forschungen widersprechen dieser Tradition keinesrvegeS, weil sie nicht weit davon die Ebene von D o thain bezeichnen, wo Joseph, der Genesis zufolge, seinen Brüdern begegnete. — Das Galiläische Meer bildet einen der schönsten Seen, die man nur sehen kann. Das Sand, welches ihn umgibt, ist von der Natur sehr begünstigt. Der See hat einen bedeutenden Umfang, sehr schönes Wasser, und die Berge, welche ihn umgeben, sind von Natur aus sehr fruchtbar, und würden sich für die schönste Cultur eignen. Ehemals waren die Ufer des Sees sehr zahlreich bevölkett und mit 13 blühenden Städten geschmückt; heutzutage ist Liberias ein Haufe ünfläthiger, in Schutz zusammenstürzender Häuser, wo das Elend sich in seiner ganzen abschreckenden Gestalt zeigt.. — . Biele europäische Juden begaben sich in diese Gegend, um . hier ihre Tage zu beschließen, und zwar siedeln sie sich in Liberias selbst nicht an, sondern in Safad, einer kleinen Stadt, welche in einer Entfernung von wenigen Meilen an der erhabensten Stelle des Hochlandes erbaut ist. Nach dem Glauben der Juden wird dort der Mesias ankommen, und voll Bettrauen erwatten sie ihn daselbst. Sie begeben sich vonallen Gegenden der Welt nach Safad,-um ihre Lage in dieser Stadt zu beschließen-, welche ihrer Meinung zufolge eines Tages mit großem Glanze verklätt und vor Allem der Hauptott ihrer Macht werden wird. Es ist erstaunlich , welch tiefer Glaube noch heutzutage die Juden beseelt, - und wie behaglich sie sich weigern, die strafende Hand zu erkennen, welche sie gettoffen hat, und deren Fingerzeig überall zu erblicken rst. — * Am 14. früh Morgens brachen wir wieder auf. In Na-p lus hielten wir wieder an. Das Aoußrr dieser in einer engen Schlucht gelegenen kleinen Stadt ist sehr angenehm, weil sie mft reichen Pflanzungen geschmückt ist, und nur Derjenige, der es selbst empfunden, vermag es sich vorzustellen, wie sehr das Auge des Reisenden ,- der mitten im Sommer den glühenden Orient durchwari- - ' dett, vom Anblick eines grünen Wäldchen bezaubert wird. Ngplus ist das ehemalige-S amari a, oder stößt wenigstens unmittelbaran das Terrain, aufwelchem sich diealte Stadt erhob. . Samaria war die Hauptstadt des Königreichs Israel, das sich von Juda und Benjamin getrennt hatte. Es war desgleichen auch die Hauptstadt einer neuen Nation, die samaritanische genannt, gebildet aus den asiatischen Kolonisten, welche Salmanasser zur Zeit der babylonftchea Gefangenschaft der Juden hierher sandte.—So angenehm-Naplus, aus der Ferne gesehen, das Auge anspricht, eben so abschreckend ist sein Anblick, sobald man 'sich innerchald der Mauern befindet. Die Bevölkerung ist aufeinander gepreßt, und die Straßen noch bei weitem enger, als sie es in den türkischen Städten gewöhnlich sind. Sie sind zur Hälfte mit Gewölben bedeckt, wodurch gleichsam untettrdische Gänge gebildet werden, so daß man nur von Stelle zu Stelle das Tageslicht erblickt. Diese Stadt enthält ein lebendiges Denkmal ihres Altetthums, nämlich eine samaritanische Familie, welche eine Att von Stamm bildet, dresen Aufenthaltsott nie verlassen, noch sich mit-einer ftemden Familie verbunden hat. Ich besuchte das Oberhaupt dieser Familie, welche gegenwärtig aus 300—400 Personen besteht. Man bettachtet ihn als eine Att von Patriarchen. Der Oberrabdiner behauptet in gerader Linie von Aaron, Mosis Bruder, abzustammen, und im Besitze von Büchern zu sein, welche Aarons Sohn selbst . geschtteben haben soll. Wenn dem wirklich so ist, so sind diese Manuscripte eben so alt, als die ältesten unter denen, welche man in den ägyptischen Gräbern findet. Ich verlangte nicht sie zu sehen, weil ich aus ihrer Besichtigung nichts hätte entnehmen können. Des andern Tages, am 15. September, brachen wir mit frühestem Morgen auf; wir sollten au diesem Tage die heilige Stadt erreichen, und ich fühlte mich zum voraus ttef bewegt; denn schon die bloße Nennung ihres Namens erweckt tausend Gedanken verschiedncr Att; das Land bis 3 Meilen vor Jerusalem schien mir höchst sorgfältig cultivirt. Eine Menge schöner Gatten, mit Feigenbäumen und Weinreben bepflanzt, machen den Reichthum dieser Gegend aus, und die Dörfer, durch welche mau kömmt, zeigen ihrem Aussehen nach von bedeuttndem Wohlstand. Das Land an und für sich ist jedoch unfruchtbar, und jenes Re-' -sultat kommt allein auf Rechnung der verdoppelten Sorgfalt und Anstrengung der Bewohner. Aber gar bald ändctt sich die Scene. Wenn man sich Jerusalem nähett, glaubt man das Reich des Todes zu bettttea, man gewahtt überallnur Unfruchtbarkeit und nirgends Cultur. Aber die Austnerksamkeit und das Interesse «erden in andrer Att in' Anspruch gmommen: das Ohr vernimmt die größten Namen, man lebt weit mehr in der Vergangenheit als in der Gegenwart. — Ich bemerkte ein Gebäude auf einem Berge unfern der Sttaße: aus meine Frage, was es wäre, antwottete mein Führer ganz kurz: »das ist Samuels Grab;« an einer andern Stelle, sagte er zu mir: »diesen Brunnen hat Jacob gegraben.« Ich befand mich unaufhörlich, und ohne mich dessen zu versehen, iy Berührung mit den Pattiarchen und Propheten, mit den Männern, deren Namen wir schon stammelten, als wir die Wiege verließen, und von welchen wir durch so viele Jahrhundette gettennt sind. Wenn aber schon die bloße Nähe von Jerusalem so tiefe EmpsindUngen verursacht, wie viel mehr fühlt man sich erst durch den Anblick der Stadt selbst erschüttert Alles menschliche Elend scheint daselbst versammelt und angehäufr; dumpfe Traurigkeit' bemächtigt sich des Gemüths des Reifenden-, er kann aus dem Nachsinnen und der Träumerei, welche ihn unwillkührlich überfällt und gefesselt hält, nicht hcrauskommen; er glaubt noch Gottes Hand zu sehen, wie,- sie schwer auf diese unglückliche Stadt fällt, und sie zwingt, sich dem Urtheilsspruche zu entziehen, welcher sie verdammt, in ewigen Todeszuckungen zu leben; er glaubt sich von ihrem traurigen Loose mitgetroffen, denn die Luft, die er athmrt, scheint ihm nicht mehr das Elemenr des Lebens zu enthalten. Diese Stadt war einst schön und mächtig: die Werke Salomos, der Einfluß welchen er aus sein Jahrhunderr übte, der ausgedehnte Verkehr, welchen er mit entfernten Völkern gründete, beweisen es zur Gnüge; heutzutage ist sie nur mehr ein bloßes Grab in einer Wüste. — (Sckluß folgt.) Redattcur: vr. L. Phrlippfok.Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von W. Haack.

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