Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 22 (20.6.1837)
- Date
- 1837-06-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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I. Jahrgang. tflt ettt e N0. SS. Zeitung des JudcnthumS. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König«. Sächsischer allergrrädigster Coucessioa.) Leipzig, den 20. Juni 1837. Politik. Zeitungsnachrichten. Berlin, 24. Mai. Die in der sächsischen ersten Kammer von dem Ober-Bürgermeister zu Leipzig, Dr. Deutlich, ausgestellte Behauptung, daß man in den Nachbarstaaten und namentlich in Preußen es bereue, dm Juden im Jahre 1812 das Bürgerrecht verliehenen habm, ist als durchaus unbegründet zu deträchtm. Vielmehr hörm wir, daß, einem Allerhöchstm Befehle zufolge, das Gesetz vom 11. März 1812 nunmehr auch in dm später erworbmm Provinzm, namentlich im Herzogthume Sachftn und in Nm-Vorpommem, wo die Judm noch nach K. sächsischm und nach dm altm schwedischm Gesetzm behandelt sind, ebenfalls eingeführt werdm soll. Nur Posm, dessen jüdische Einwohner im Jahre 1834 ihre eigme Verfassung erhaltm habm, ist ausgmommen. Es kann jene Allerhöchste Verfügung als ein neuer Beweis dimm, wie' ungegründet Im vorigm Jahre dasjmige war, was ausländische Blätter von der sogmanntm Unduldsamkeit unserer Regierung berichtet haben. Eine Vergleichung der prmßischm Maßregeln mit dem, was noch ganz kürzlich in unserm Nachbarstaats Sachftn öffmtlich verhandelt wordm, spricht so entschiedm für die Humanität unserer Regierung, daß sie in dieser Beziehung wohl keiner Apologie bedürfm wird. (Hannov. Zeit.) Berlin, 26. Mai. In der Juden-Angelegmheit des Preußischen Staates sicht man Anordnungm mtgegm. Außer Posm, glaubt man, werdm alle Provinzm gleiche Rechte erhaltm. Die Judm in Prmßm verdienen aber auch jede Berücksichtigung und Gnade, die mit dem Prinzip und dem Emst nur vereinbar ist. Ihre Gesinnung, ihre Zwecke und Institute läutem sich immer mehr, und sie wissm am bestm — wmn sie auf ihre Nachbarländer blickm — was sie dem huldvollen König und dem wohlwollmdm Gouvememmt schuldig sind. (Hamb. Corr.) Breslau, 26. Mai. Daß dm Provinzialständen der prmß. Monarchie (vgl. N. 3. unserer Zeitung) zunächst eine berathmde, nicht eine beschließende Stimme zugestandm wordm, mag man als eine noch durch die Verhälwisse gebotme Vorsicht unserer Staatsregierung anerkmncn; wenn jedoch der Breslauer Correspondmt der Allg. Zeit, die Beschränkung des provinzialständischen Einflusses dämm als wohlthatig preist,! weil eine ausgedehntere Wirksamkeit von einer Seite Wieder- I einführung aller Feudalherrlichkeiten, Stmerfteiheit, ausschließ- | liches Vorrecht auf alle hochbesoldete Staatsämter, andererseits j Zunftzwang, Patrizierwirthfchast und Judenverfolgung veranlassm würde, so hat cs jmem Beobachter auf seinem Standpunkte wahrscheinlich an Gelegenheit gefehlt, sich zu überzmgm: daß derjmige Stand, welcher seit drei Decmnien dem Gesammtwohl des Staates die größten Opfer darbrachte, und dennoch mit der glühendsten Begeistemng für König und Vaterland zum Freiheitskampfe eilte, in der allgemeinen geistigm Entwickelung nicht zurückgeblieben ist; daß dieser Stand vielmehr es als ftinm edelsten Bemf erkmnt, in 'wahrer Bildung und Intelligenz nach Auszeichnung zu streben, mit dem Beispiele uneigennütziger Aufopferung des Privatinteresses für das Gemeinwohl allen Ständm vorzuleuchten, und wohlbegründete Rechte nur dann festzuhaltm, wenn ihre Auflösung nicht durch das wahre Bedürfniß der Gegmwart bedingt, fondem als Opfer eines mißgünstigm Antastms alles Bestchmdm, aus einer schiefm Ansicht der Zeit und ihrer Anfordemngm, begehrt wird.. Gegm die von der andern Seite befürchtete Rückkehrzum Zunftzwang, zur Judenverfolgung u. s. w. würde selbst bei einer beschließmden Stimme des Landtages die Jmelligcnz und die Aufklärung des meist in dm Städten heimischen gebildetm Mittelstandes, vereint mit der freisinnigen Schöpfung unserer Städteordnung, hinreichenden Schutz gewährm (?). Die allgemeine Bildungsstufe des preußischen Volkes gestattet solche Rückschritte nicht mehr, und von den Vcrttetem des Gesammtintercsses der Provinz, welche das Vcrttaum ihrer Mitbürger zu dieser ehrenvollen Wirksamkeit berief, werdm niemals Maßregeln beschlossm oder bcvorwortet werdm, welche die geistige und materielle Entwickelung des Volkes in Fesseln legten. *) (Allg. Zeit.) Paris, 24. Mai. Die Prinzessin Helena (zukünftige Gemahlin des Herzogs von Orleans), welche will, daß ihre Vermählung ein Symbol des Friedens zwischm allen Religionspartheien sei, hat gewünscht, daß außer-der , schon angezeigten Ausstattung und Verheirathung von 16 armen katholischen Brautpaarm, auch 5 israelitische, und ebm so viel aus jeder der beiden 'protestantischen Confessionm in Metz, Sttaßburg und Paris am Tage ihrer Vermählung ausgestattet und verheirathet würden. Der Herzog von Orleans hat diesem so aufgeklättm Wunsche entsprochm und 50,006 Fr. zu den Ausstattungm bestimmt. Paris, 25. Mai. Der Rabbiner, von Algier, Abraham Belays, wird der Prinzessin-Helene ein hebräisches Hochzeitsgedicht überreichm. *) Verhielte sich dies Alles so, nun, dann desto besserd.R.