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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-06-17 · Heft 21 (17.6.1837) · p. Seite 83

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 21 (17.6.1837)
Date
1837-06-17
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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83 »Es sollen in Ansehung der Rechtsverhältnisse der Juden im Königreiche hinführo folgende Bestimmungen geltm;« nachdem sogar,.was wir noch bemerken wollen, ein Mitglied bemerkt, er sei gegen den 1. Art. des Gesetzentwurfes, weil man aus den folgenden Paragraphen nur sehen-könne, wie viele Rechte ungeachtet des allgemeinen Prinzips den Juden noch fehlen. Der Antrag, die Juden sollten keine christlichm Vornamen führen, wurde abgelehnt, weil sich überhaupt kein genügender Grund, und auch kein Criterium .für einen jüdischen oder christlichen Vornamen angeben lasse. Hingegen wurde der Zusatz angenommen: »Es ist die frühere gesetzliche Bestimmung von Seiten der Obrigkeit strmg zu berücksichtigen, daß keitre Inden- Familie den Namen einer christlichm annehme.« Im Art. 5. wurde anstatt »das Schutzverhältniß der Judm« gefetzt: »das Schutzverhältniß der Judm zum Staate.« Ebenso würde der Antrag angmommm: »Zur Leistung der Militairpflicht sollm die Judm künf- - tig gleich dm übrigm Landesbewohnem herangezogm werdende . und wurde noch ganz besonders bemerkt, daß Napoleon, die Judm so gut wie die Christm zum Militairdimste ohne Jnconvmimzm gebraucht habe, auch daß in dem Jahre 1815 Judm in unserer Armee gedimt, und sie in Frankreich und ebm so auch hier nicht nur ihre Pflichtm gut erfüllt, sondem sogar einzeln mit der größtm Auszeichnung gedimt hätten. *) Jngleichen bewirkte der Art. 7. mehrere Anträge. Man solle die Judm gar nicht zu Aemtwn zulassen, und ihnm die Advokatur auch nicht gestattm. Ein Mitglied meinte, er epinnere sich noch recht gut aus der Westphälifchen Zeit, daß Judm Ortsvorsteher und Maires gewesm, daß dies jedoch unter dm christlichm Bewohnem das größte Mißvergnügen erregt hätte, indem ihnm oft Männer gegeben wordm, die sie früher nie gesehm 2), -und welche überdies ihre Stellung zur Begünstigung ihrer Glaub ensgmössm bmutzt hattm, so daß in Westphalen die Judm sich um das Doppelte vermehrt hattm 3). Der Andrang zum Studirm sei ohnehin schon 1) Man weiß das Gleiche aus Holland. Auch im Preußischen Heere dienen stets viele Hunderte von Judm. Bor einiger Zeit erst hat der hiesige (Magdeburger) Commnndant einen sehr vorteilhaften Bericht über ihre Pünktlichkeit und Ordnungsliebe bei höherer Behörde eingesendet. , b. St 2) Als ob dies bei christlichen Maires nicht auch oft geschehen'. d. R. 3) Hing dies von den einzelnen Maires ab, oder lag es nicht vielmehr in dem Gesetze des Königreichs Westphalen, nach welchem fremde Juden überall hinziehen konnten, wodurch denn Städte, in denen früher nie Judm gewohnt, wie Magdeburg, ohne jüdische Maires, ansehnliche Gemeinden bekamen! d. R. groß genug 4 5), und würde daher dm Judm auch nur in dem beschrankten Maaße eine Aussicht zum Staatsdimsie eröffnet, so würdm die reichm Familien nicht säumen, ihre Söhne noch mehr als bisher auf Universitätm zu senden worauf es ihnen dann bei ihrer angebomen orimtalischm 6) Sagacität schon gelingen würde, sich in hohe Staatsämter einzudrängen. Das würde nun an sich kein großes Unglück sein, wenn man nur hoffm dürfte, daß sie ihre Pflichten gegen dm -Staat gehörig erfüllten 7), jedenfalls aber folge - daraus doch ein Ausschluß der Christm von dm durch die Judm besetztm Stellen 8 9). Andere hielten auch den Advokatmstand für zu achtungswerth, zu nothwendig, um gerade hier ein sonst zurückgewiesenes Volk zuzulassen; es fehle an -Beispjelm, wo sie dieselbe auf glänzende Weise betriebm - hattm 0). — Demungeachtet wurde der Artikel in folgmder Gestalt, und zwar mit 22 gegm 18 Stimmen angenommen: »Sie sollm zu Staats- und Gemeinde-Aemtcrn nicht zugelassm werden. Zur Advokatur und zur medi- 4) Auch so eine Lieblingsbehauptung der deutschen Staatsmänner, die sich ganz grundlos nach den neuesten Berichten erwiesen hat, da vielmehr sämmtliche deutsche Universitären, mit Ausnahme einer oder zweier, mit den Jahrm an Frequenz verlorm haben. d. R. 5) Warum nicht, wenn ihnen gesetzmäßige Aussichten eröffnet sind? oder sollen sie lieber beim Handel bleiben, nun dann wird Zeter über die Unverbesserlichkeit der Juden geschrieen, Grundbesitz dürfen sie auch nicht erwerben, und' daß ein reicher Mann seinen Sohn Schneider werden läßt, habe ich auch von Christen nicht gehört. d. 31.. 6) Wieder orientalisch'. Die Europäer schreiben doch sonst dem Orientalen nicht viel Sagacität zu, und nennen ihn dumm und trüge: warum soll der Jude, der nun schon anderthalb Jahrtausende Europäer ist, gerade orientalische Sagacität besitzen? Warum will man nicht einschen, daß, wenn dem Juden Sagacität zuzuschreiben ist, diese nur aus dem anderthalbtausendjährigen Kampfe mit Bedrückungen und Ausschließungsgesetzen, durch die er mitten hindurch seine Eristenz sich erobern mußte, gekommen ist? Es spricht hierfür, daß gerade die arme Klasse der Juden, die den Bedrückungen am meisten ausgesetzt war und ist, die an Sagacität ausgezeichnetsten Köpfe liefette und liefett. Auch das Studium des Talmud trug nicht wenig dazu bei, — was bei den jetzt lebenden Generationen nicht mehr der Fall ist, da der Talmud fast ganz aus den Schulstuben gewichen ist. d. R. 7) Probitt es, ich bitte euchprobitt es doch! Wie oft hat mau in Frankreich schon den jüdischen Staatsbeamten wegen ihrer Treue Lob gespendet! Die jüdischen Stadrverordneten in Preußen werden immer wieder gewählt! d. R. 8) Da, da liegt der Hund begraben! Wenn man doch immer deutsch, d. h. deutlich spräche. Nun wirft man dem Juden vor, er begünstige seine Glaubensgenossen, während man erwägt, jede Stelle, die ein Jude einnimmt, könne ein Christ einnehmen — von der Würdigkeit, Tauglichkeit, von dem Verdienste ist gar nicht-die Rede. d. R. 9) In wie vielen Ländern konnten denn die Juden bis jetzt Advokaten werden und sich auszeichnen? Wie können sich denn überhaupt deutsche Advokaten auszeichnen? Hat Crsmieur nicht bei dem Prozeß der französischen Minister sich ausgezeichnet? Immer Behauptungen in Sachen, von denen man Nichts weiß? d. R.

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