Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 20 (15.6.1837)
- Date
- 1837-06-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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I. Jahrgang. t'Cg e fft £ £ tt £ N0. 20. Zeitung des Zudcnthums. -Ein . unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Sächsischer allergnädigster Concesfioa.) Leipzig, den 15. Juni 1837. S^eolBgi«. Ä d r e n Encyclopädie und Methodologie ' der jüdischen Theologie Dr. Uri. Wer mit der Lebens- und Bildungsgeschichte vieler der jetzigen jüdischen Theologie vertraut ist, muß sich höchlichst über die verschiedenen Wege wundern, auf welchen diese Männer das, was sie sind, geworden sind und natürlich auch über den verschiedenen Cyklus ihres Wissens und ihrerWissenschafclichkeit. Ehe der Geist allgemeiner Bildung sich über Israel verbreitete^ herrschte hierin eine größere Einheit und —• Einförmigkeit. - . Au Glesk in unfern Schulen bekam ich Unterricht, Der Talmud und der Talmud, sie wußten Andres nicht. (Abba Gloss Leczeka von Chamisso.) >Jm fünften Jahre die Bibel, im zehnten die Mischna, im ftrn^ehnten die Gemara!« So war die Vorschrift der Talmudisten selbst, und so wurde Bibel und. Talmud die ganze Encyklopädie der Religionswissenschaften, und die Methode, dazu zu gelangen! Wer sie nicht mehr aus eigner Erfahrung kennt, lese G. Salomon's Lebensbeschreibung des Moses Philippsohn. Man unterschied die jüdischen Theologen nur insofern einen von dem andern, als er mehr oder weniger von jenem Wissenskreise inne hatte, mehr oder weniger davon auswendig wußte, größere, oder geringere Fertigkeit im Dispütiren und Vergleichen verschiedener Stellen besaß. Je mehr er hierin hervorragte, desto größere Achtung hatte er von seinen Glaubensgenossen zu erwarten, je mehrer die Gelehrsamkeit in's praktische Leben durch Werkthätigkeit und Frömmigkeit (oft fteilich auch durch Scheinheiligkeit. und Heuchelei) überführte, desto eher verband sich mit der Achtung auch die Liebe« und wer kennt nicht den Einfluß, den diese beiden im Bunde auf die Gcmüther der Menschen haben? Mehr alsl irgend eine Geistlichkeit hatte die jüdische die Gemüther in der Gewalt, aber sie begnügte sich mit dem Einfluß auf das religiöse Leben des Hauses, selbst der Haus- I wicthschaft. Nie ist es ihr eingefallen, nach irdischen Glücksi gutem zu streben, und sich den Aberglauben und die Leichtgläubigkeit, jür äußere Vortheile;u Nutze zu machen. Daher J theilte sie das Schicksal ihrer Nation mit derselben, verschmähte es aber, sich von ihr bereichern zu lassen. Der theologische Stand trennte, sich auch nicht eigentlich von der Menge, im Gegentheil wer unter der Nation sich durch Gelehrsamkeit und religiösen Wandel hervorthat, dem wurde die rabbinische Würde zu Theil und konnte geistliche Obliegenheiten erfüllen. Die Gemeinden hatten zwar ihre bestallten Rabbinen, aber wer anders es nur verstand, der konnte öffentliche Vorttäge halten, beim Gottesdienste vorderen, oder über liturgische und ccremonielle Verpflichtungen den Ausspruch thun, und selbst Trauungen verrichten u. dgl. Von eigentlicher Ordination der Geistlichkeit war und ist noch jetzt nicht die Rede. Auch unterschieden sich die geistlichen Aemtcr von einander. So war der Rabbi des Orts zwar das erste geistliche Oberhaupt, selbst Civilcichter zwischen Gemciizdemitgliedcrn,. aber eine weit geringere Achtung als er genoß schon der Morch zedek (Lehrer des Rechtes), der jenem als Assessor beigeordnet war, in kleineren Gemeinden seine Stelle vertrat, und gänzlich unterschied sich von ihnen der Sofer oder Schreiber und Correktor der Gcsetzcsrollcn, zugleich oft Beglaubigter und Notar der Gemeinde, der CHasan oder Cantor und als Nebenämter der Sch och et, der für die rituelle Besorgung des Schlachtviehes sorgte, der Rabbe oder Jugendlehrer (!), der Schäme sch oder Synagogendicner, Küster. Man sicht, w.ie sehr verschieden die jüdische Geistlichkeit von der anderer Religionspartheien war und zum größten Theil noch ist, daher es nicht zu läugnen ist, daß die neuerdings geschaffenen Aem.ter eines Predigers zwar ihre Analogie in ider Einrichtung der alten Synagoge finden,- aber an sich, wie sie jetzt existirt, eine der Kirche nachgeformte Einrichtung neuerer Synagoge ist, obgleich sich der Mische Prediger in