Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 19 (13.6.1837)
- Date
- 1837-06-13
- Page
- Seite 76 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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76 Correspondenzen, Auszüge, Repliken. Die innern Wahrheiten unserer Religion find, wie das Wesen Gottes, auf das hinzuweisen ihre Hauptaufgabe ist, ewig unwan- - delbar; die Form aber, unter welcher sie dein Wolke versinnlicht (Lus B.erlin, Mau> Die Art, in welcher der Borstand , an's Herz gelegt werden sollen, muß sich stets dessen fortschreitenwsw «Tn««» hot» orroht/»+pn Posten! der Geisteskultur anpassen und nach Zeit und Bedürfnissen sich der hiesigen jüdischen Gemeinde dieser Tage den erledigten , . eines Beglaubten besetzt hat, verdient in einem weitern Kreise > bekannt zu werden. Bon sehr achtbaren Männern aufgefordert, mar unter den Bewerbern auch der Herr Dr. Junz. aufgetreten.! Er hatte einerseits geglaubt, in einem solchen Amte der Gemeinde nützlich werden zu können; andererseits hatte er auf verdiente Rücksicht gerechnet, zumal in Bezug auf sein unlängst erschienenes Buch »Namen der Juden« (Leipzig, bei Fort), das unstreittg seinen Glaubensgenossen in mehr als einer Beziehung zu Gute kommt. Allein seine und die allgemeine Erwartung wurde getäuscht, und der Vorstand ernannte mit vier Sttmmen gegen-drei einen Mäkler zu jenem Amte. Man fügt hinzu, daß auf die Gründe der Minorität die Majorität nur mit dem Abstimmen geantwortet habe. Derjenige Aelteste, welcher für den Dr. Zunz ausgetreten war, hat gleich in der folgenden Sitzung eine nachdrückliche Prorestation gegen das Geschehene eingereicht. Es heißt darin, daß die Verleihung derGemeinde-Aemter nicht zu Armen - Unterstützung herabzuwürdigen sei. Mehr als je erfordern die Angelegenheiten der Juden jetzt Männer von' Talent und Charakter, und nur indem solche ernannt würden,. werde die Sache der Juden bei den Behörden und bei denk Publikum an Achtung gewinnen. Wenn aber die Vorstände Männer zurücksttzcn, die treu ausharrcnd ihr Leben mit Erfolg den Wissenschaften und den höchsten Interessen der Juden widmen, so'brächten sie nicht allein sich den größten Nachtheil, sondern es sei dann ihre Schuld, wenn die Ausgezeichneteren sich von ihnen zurückziehcn, und sie nur von solchen vertreten werden, deren Geschicklichkeit in einem kriechenden Wesen, und deren Ruhm-in albernen Schriften bestehe. Dankbar sollte man verdienstvolle Männer aufmuntern, und stolz darauf sein, daß für höhere Posten geeignete'-Männer die jüdischen Aemtcr sich zur Ehre anrechnen. Dies würde auf die übrigen Gemeinden, denen die Berliner als Vorbild gilt, einen wohlthättgen Einfluß (Aus Kassel, Mai.) Bei ihrem regen Interesse für Menschenveredlung und intellectuelle und moralische Fortschritte unserer Glaubensgenossen insbesondere, dürften Ihnen, werther Hcrr-Redactcur, einige unsere geistlichen Angelegenheiten betteffende Nachrichten. nicht gleichgülttg sein. Wie Sie vielleicht wissen werden, haben wir schon seit einem. Decennium keine Synagoge, und die Gemeinde vertheilt sich in mehrere Filialsynagögchen, enge, dumpfe Zimmer, in denen man — wo möglich — über die Außenwelt sich durchaus erheben muß, wenn man in Andacht beten will. Aber der Grund zur neuen Svnagoge ist bereits gelegt'und wir sehen ihrer baldigen Vollendung mit' inniger Sehnsuchr entgegen. Unter mehrern der Regierung vorgelegten Rissen ist dem des Herrn Rosengarten, eines der Baukunst sich widmenden talentvollen jungen Jsraelkten, der Vorzug gegeben worden. In einer schönen, ruhigen Gegend der Stadt wird sie, einfach groß, sich ftei erheben und schon durch äußere Formen die geistige Bedeutung kund thun. Der Kostönanschlag beläuft sich auf 40,000 Thlr. und liefert den erfreulichen Beweis, daß unsere, schon außerdem mit bedeutenden Abgaben belastete, Gemeinde trotz des zwanzigjährigen Mangels eines Landrabbinen den religiösen Sinn bewahrt hat. Unter vielen um den Synagogenbau besorgten Männern verdient ganz vorzüglich Herr M. Weill, einer unserer Gemeindevorsteher, der dieft Angelegenheit mit Einsicht und Eifer betrieben hat, die dankbarste Anerkennung. Mit der Einweihung der neuen Synagoge wird — zu dieser ^Hoffnung berechttgt uns der neue Landrabdiner, Herr Dr. Romann — eine neue Synagogenordnung beginnen. Es hat sich leider viel Unwesen in unfern Gottesdienst geschlichen, und es ist Zeit, demselben, die unserer Zeit entsprossrnden Ansichten weise berücksichtigend, ein baldiges Ende zu machen. verjüngen. Leider halten viele unserer Glaubensgenossen verjährte Formen für selbstständige Wahrheiten, und zur Herstellung besserer Formen, in denen 'sich die heiligen Wahrheiten unserer Religion verklärt darstellen, bedarf es daher eines mit gediegener Frömmigkeit und energischem Geiste begabten Führers, den wir an Herrn- Dr. Romann gefunden zu haben glauben. Dr. Romann ist ein edler Israelit und nicht blos in jüdisch-theologischen Wissenschaften von großer.Bedeutung und in allen seinem Stande nöthigen Doctrinen tiefgclehrt, sondern auch vol5 jugendlichen, ftommcn Eifers für die Veredlung unserer Glaubensgenossen und voll seltener Geistesenergie. Seit einem Jahre erst in unserer Mitte, genießt er doch schon im vollsten Maaße die Liebe und Verehrung seiner Gemeinde. Sein Freund, Herr Dr. En och aus Hamburg, ein seiner würdiger junger Mann, welcher jüdische Theologie mit bedeutendem. Erfolge studirt und in allen dem Berufe eines Geistlichen unentbehrlichen-Wissenschaften sich vervollkommnet hat , gab uns neulich im Betlokale der israelitischen Schulanstalt einen herrlichen Beweis seines Predigertalents. Dieser eben so sanfte und bescheidene, als gelehrte und einsichtsvolle junge Mann berechttgt zu den schönsten Hoffnungen, und es ist zu wünschen, daß er recht bald als Seelsorger einer seinem geistigen Werthe enttprcchenden Gemeinde den Wirkungskreis finden möge, der sttnem edeln Charakter, sttnem ftommen Streben und sttnen gediegenen Kenntnissen gebührt. .(Oeffentliches Leben in Dresden.) Unter diesem Titel hebt eine kleine Abhandlung im Eremiten (9t. 58. 15..Mai) folgendermaßen an: »Daß die Emanttpatton der Juden in der ersten Kammer mit Beschränkungen durchgegangen ist, wissen Sie schon aus den Zeitungen. Die Frage liegt jetzt der zweiten Kammer vor, welche wohl noch ttnige der drückendsten Beschränkungen modifizircn dürste; daß die Enmneipatton vollkommen wird, daran glaubt hier kein Mensch, trotz dem, daß selbst Prinz Johann sehr zu Gunsten der Juden sprach *). Ob aber nun bei mehr oder minderer Beschränkung von einer »Emancipatton« (Gleichstellung) noch die Rede sttn kann, gehört freilich — wie die Sachen einmal stehen — zu den unnützen. Fragen. Zu wünschen wäre die Gleichstellung jedenfalls'. Darüber sind alle Vernünftigen einig, ttotz der vielen und oft nicht grundlosen Einwürfe der Gegner. — Nur wenn die Juden mit deirChristen gleiche Rechte als Staatsbürger erhallen, wird es den Regierungen möglich sein, den »Staat im Staate,« welchen die Juden jetzt bilden, und worüber so viel von ihren Gegnern geschtteen wird, zu entfernen. Ich begreife nicht, wie man die Folgen der Emanttpatton fürchten kann! Statt die Juden, vergeblich um Gleichstellung betteln zu lassen, thät es eher Roth, man zwänge sie, sie anzunchmen! Das klingt seltsam, und dennoch ist es gewiß, daß es btt manchen alten Juden des Zwanges bedürfen würde, wenn die Gleichstellung vollkommen zu Stande käme.« Der Abfasser hebt nun noch hervor) daß einzelne schlechte Subjekte der schwebenden Frage kttnen Eintrag thun dürfen, da deren in jeder Menschenklasse nur zu viele zu finden sind. *) Ehre ser darur diesem wahrhaft edel« Prinzen, der schon mehrfach, 3. B. kürzlich der Berathung des neuen vemlichen Gesetzbuchs, als der Antrag mit den peinlichen Prügelstrafen kam, sich als wahrhaft Hochherzige: Mensch und,Fürst zttgte, aber Inder auch hier überstimmt ward. Welche Idee muß die Nachwelt von ttner Zeit bekommen, in welcher die Welt ,o «lliberal und zurück sich zeigt, daß selbst das Beispiel eines aufgeklärte» Prinzen es nicht dem Bessern zuzuwenden vermag: % Stow, des Eremiten. Redakteur: Dr. L. Philippson. — Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von W. Haack.