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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-06-10 · Heft 18 (10.6.1837) · p. Seite 72

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 18 (10.6.1837)
Date
1837-06-10
Page
Seite 72 (sequence 4)
Language
German
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72 Mutter, nicht in diesem Lande Bleib' ich, bin ich stark und groß, Wär's auch bis zum Meeresstrande, Such' mir anderwärts mein Lobs: Hab' ich Heimath dann gefunden. Wo ich frei bin, unumwunden, Leben wir dann wohl geborgen. Ohne Schimpf und Angst und Sorgen. Mutter. Rein, nicht andrer Länder Grenzen Oeffnen dir, mein Knabe, sich, Rur wo einst der Sonne Glänzen Du erblicktest, duld't man dich — Doch die Heimath wirst du sehen, Theurer, in des Lichtes Höhen, . Wenn du fromm und keusch gerungen. Und dein Geist sich aufgeschwungen. jetzt völlig abgesprochen werben mußte. Allein betrachten wir, was uns von der babylonischen und kurz nach der. babylonischen Zeit an hebräischen Schriften hinterlassen worden, die Sprache und den Geist, der darin herrscht, sehen wir, wie schon um 280 eine griechische Uebersetzung der Schrift uothwendig ward, wie kurz darauf jüdisch-griechische Dichter, dabei ohne allen dichterischen Geist, und die nur nach der Septuaginta arbeiteten, erstanden, sehen wir auf die (von den meisten wenigstens) unbezweifelte griechische Abfassung der Apokryphen, und ihren Charakter, so ist es nicht abzusehen, wie zu derselben Zeit solche herrliche und echthebräische Dichtungen entstanden sein sollen. — ' Eine recht werthvolle kleine Abhandlung hat Dr. Großmann in Leipzig über die Philosophie der Sadducäer veröffentlicht, deren Resultat übrigens noch zu erwarten ist. Dis jetzt hat man nämlich nur den Josephus, die rabbinischen Schriften und das R. T. als Quellen berücksichtigt. Gr. aber lenkt die Aufmerksamkeit auf Philo, der zwar, nach pharisäischem Grundsätze, sie nie namentlich aufführt, aber schon seiner Stellung nach sie oft berücksichtigt haben, muß. Auch von dem verstorbenen Dichter Michael Beer soll jetzt -ei« Briefwechsel erscheinen. (Mitternachtzeit.) Literat ir r. Der zweite Theil der Psalmen von Prof. vr. Hitzig*), enthaltend eine kritisch-historische Untersuchung über die Abfassungszeit der Psalmen, ist mit vielem Scharfsinne, aber mit einer Hyperkritik abgefaßt, die sich in sich selbst zerstört. Es ist eine ciaene Erscheinung in der neuern Zeit, daß, nachdem aller Autoritätsglaube verbannt ist, eine junge Kritik nicht ansteht, selbst die losesten historischen Momente zu erhaschen und sie zur Basis ihrer kritischen Untersuchungen zu machen-, so daß ein noch viel kühnerer Autoritätsglauben dazu gehört, derlei Ansichten anzunchmen, da sie alles wirklichen Beweises ermangeln, vr. Hitzig läßt die Psalmen von David bis auf Hyrcan (120 vor d. g. Z.) entstehen.! Er theilt die Psalmen in 7 Bücher ein. Rur das erste Buch nimmt er aus der Davidischev Zeit an, und zwar nur Ps. 3. 4. 7. 13. 16. 17. als von David selbst, und von andern Verfassern aus derselben Zeit Ps. 8. 9 —12. 15. 18. und 19. Das dritte Buch schreibt er dem Propheten Jeremias zu, und will dessen Zeitalter.an dem elegischen Tone erkennen, der diesem Propheten eigenthumlich ist. Hierher rechnet er Ps. 5. 6. 30. 31. 40. 69—71.- wegen Sprachähnlichkeit Ps. 22 —30. 32—34.; wegen alphabetischer Ordnung (wie die vier ersten Kapitel der Klagelieder) Ps. 25. 36. und 37., so daß er sie nach dem Leben des Propheten bis zur Belagerung von Jerusalem führt. — Das fünfte Buch versetzt er in die Zeit des-makkabaischen.Freiheitskampfes, so daß aus der vormakkabäischen Zeit kein Psalm nach dem 72sten weiter stamme. So läßt er Ps. 73. unter Epiphanes dichten, Ps. 89. über den Zug des Eupator. Den Ps. 90 spricht er daher dem Moses ab und verbindet ihn mit 91 und 92. Die folgenden knüpft er'ganz genau an die Bücher der Makkabäer. Geschlossen scheint ihm das ganze Buch der Psalmen unter Hyrcan oder einem seiner Söhne. — Wären die Ansichten des vr. Hitzig wahr, und könnten sie bewiesen werden, es wäre uns sehr angenehm. Wir würden eine ganz andere, neue Ansicht von der Zeit des zweiten Tempels erhalten. Wir bekämen eiye Productivität dieser Zeit,- die ihr bis *) Die Psalmen. Historischer und. kritischer Commentar nebst Übersetzung von Dr. <5. Hitzig, Prof, zu Zürich, rrTb. Die Psalmen, hrs ri,ch-kritisch untersucht. Heidelb. Winter. 1S36. gr. 8. i Thlr. 4 Gr. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Ark gegen \ Gr. Gebühren für die gespaltene Zeile'aus Petit-Schrift oder deren Raum ausgenommen. Die Verlagshandlung. Folgende empfehlenswerthe Bücher sind im Berlage des Unterzeichneten erschienen, und durch alle Buchhandlungen zu erhalten - Perlenschnüre aramäischer Gnomen und Lieder aramäische Chrestomathie, mit Erläuterungen und Glossar, Kr. Jul. Fürst. Zu des Verfassers aramäischem Lehrgebäude als Uehungsbuch gehörig. gr. 8.' I Thlr. 8 Gr. ' Der Verfasser des »aramäischen Lehrgebäudes« hat in dieser Chrestomathie die witzigsten Sinnsprüche, die schönsten Parthieen - der jüdischen Salomo - Sage, - und bisher in der christlichen Welt unbekannte Festgesänge, in einem zuerst richtig punktirten und kritisch wiederherLestellten Aramäisch, mit realen und sprachlichen Scholien, zusammengestellt, so daß dieselben zugleich ein nützliches Uebungsbuch für den Schüler, eine'interessante Lection für Freunde orientalischer Poesie, und ein. wichtiger Beitrag sprachwissenschaftlicher Ergebnisse für die Förderer sanscritosamitischer Studien ist. ' Namen der Juden. Eine geschichtliche Untersuchung Dr. Zonz, 8. 18 Gr. Der Gegenstand dieser Schrift, welcher in der neueren Zeit ein besonderes allgemeines Interesse erhalten hat, ist von dem berühmten Herrn Verfassen aus dem geschichtlichen Standpunkte | aufgefaßt, und mit vorzüglicher Gründlichkeit erörtert. | L. Fort in Leipzig. Redactcur: vr. L. Philipp so«. — Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von W. Haack.

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