Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 16 (6.6.1837)
- Date
- 1837-06-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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I. Jahrgang. iSICCig £1St £ Rv» 18. Zeitung des Zu-euthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Köviql. Säkbstftber allerguädigfter Co«cessloa.) Leipzig, den 6. Juni 1837. Politik. Zeitungsnachrichten. London, 5. Mai. In der gestrigen Sitzung des Unterhauses wurde die Motion gestellt, eine Commifston mrennen zu lassen, welche den Zustand der Universitäten Oxford und Cambridge und ihrer Collegien zu untersuchen habe. Obgleich die Motion zuletzt zurückgenvmmen wurde, stellten sich doch die vielen Uebelstände heraus, die bei diesen Universitäten noch statt finden. In Oxford wird Niemandem gestattet, seine Studien zst machen, der,nicht zur herrschendm Kirche gehört, in Cambridge dürfen die Dissenter und die. Bekenner anderer Religionen zwar studiren, aber nicht graduiren. So wurde daselbst im vorigen Jahre ein junger Mann, der im Examen der zweite geworden, zurückgewiesen, blos weil er ein Jude war*). Die Studenten nämlich müssen in Oxford die 39 Esisabethrschen Glaubensartikel noch jetzt bei der Immatrikulation, in Cambridge erst bei der Promotion unterzeichnen, so daß Jeder hier wenigstens drei Jahre ungehindert studiren kann, und eine Menge Eide beschwören, von denen einige im Laufe der Zeit ganz widersinnig geworden sind. Sondershausen, 14. Mai. Die Freisinnigkeit des gegenwärtig regierenden, als Beförderer alles Guten bekannten -und verehrten Fürsten hat sich neuerdings auch darin bewährt, daß /luf Befehl Serenissimi die fürstl. Regierung im Regierungs- und Jntelligenzblatte (Nö. 20.) die . »Allgemeine Zeitung des Judenthums« dringend empfohlen ' hat. Sie sagt, daß dieselbe »für Jeden, dem'der Sinn für fortschreitende Bildung nicht abgeht und das Wohl aller seiner Mitmenschen am Herzen liegt, unzweifelhaft von höchstem - Interesse sein wird. Indem wir das Publikum auf dieselbe hierdurch ausmersam mache», wünschen wir,' daß diese unsere Empfehlung, dem obigen Unternehmen besonders unter den Israeliten auch in den hiesigen Landen -eine lebhafte Unterstützung und allgemeine Theilnahme verschaffen möge.« (Prioatnüttheilurig.) Hamburg, 18. Mai. Der »Hamburger Correspond ent« spricht sich über,die Heinesche Stifttmg folgendermaßen aus: »Die bekannte ÄZohlthätigkeit der Hamburger hat sich in diesen Tagen-durch eine neue Stiftung beurkundet, .die dem edeln Sinne des Stifters zur höchsten Ehre gereicht und bei ihrer *) Das ist das freie England'. — Man sicht, cs hat noch langeLert, bis Borurtheil und Partheruug unter den Menschen aufhoren werden'. d. R. umfassenden Anlago und umsichtigen Einrichtung von immer wachsendem Nutzen sein wird. Es ist dies die mit dem 21. April diffes Jahres in's Leben getretene Herrmann Heinesche Stiftung, begründet durch den hiesigen Bankier, Herrn Saiomon Heine, dessen mildthatiger Sinn sich schon bei so mancher Gelegenheit zu erkennen gegeben, und der seinem zu ftüh verstorbenen Sohne, dessen Namen die Stiftung trägt, kein Denkmal in Stein und Erz, sondern ein solches zu stellen sich bestrebt, an welchem sich auch noch spätere Geschlechter.erfreuen werden. — Es bedarf keiner Bemerkungen, um den Werth dieser vaterstadtischen Stiftung weiter zu erörtern, bei welcher nicht allein Unterstützung der Bedürftigen, sondern auch die Beförderung der individuellen Thätigkeit, dieser höchsten. Bestimmung des Menschen im socialen.Zu stände, so zweckmäßig bedacht ist, und deren. Erfolg, wie zu hoffen, den Absichten des ehrenwertben Stifters reichlich lohnen wird. Möge es diesem edeln Beispiele in unserer Vaterstadt und in deutschen Landen überhaupt an Nachahmung nicht fehlen! « -Wir geben nun aus den vor uns liegenden'Statuten (gcdr. bei Frankel. 8. 12 S.) folgenden Auszug. Zur Fundirung des Instituts (§. 2.) ist ein Capital von Bco. M. 100,000 nebst den darauf laufenden Zinsen seit l dem 1. Juni 1835 bestimmt. Aus diesem Fonds ist eine Jnscription von 40,000 Rubel der ersten Serie der russischen Anleihe,? mit dem Zinsgenusse seit dem 1./13. Sept. 1836 angekauft, welche auf den Namen der Stiftung eingetragen werden und für alle Folgezeit unveräußerlich bleiben soll. Der Rest'der Fonds, sowie die von dem gesammtcn Fonds zu gewinnenden Zinsen, sind für den Zweck der Stiftung zu verwenden. Dieser Zweck (tz. 3.) besteht darin, unbemittelte Einwohner in ihrem Broderwerbe, bestehe derselbe in Handelsgeschäften, in einem Handwerke, einer Kunst, einem Fabrikwesen, Landbau oder irgend einem sonstigen ehrbaren Gewerbe durch Darleihung eines Capitals von mindestens Bco. M. 1000, höchstens Bco. M. 2000 in den ersten sünf Jahren, für alle Folgezeit aber Bco. M. 5000 (tz. 7>), das mit 2 Proc. Courant auf Bco. p. A. verzinst, und nach dem Verlauf des ersten Jahres des Darlehns binnen fünf Jahren in zehn gleichen Terminen (am 31. Januar und 31. Juli) zurückgezahlt werden soll (§. 12.), zu unterstützen. Die Beengungen (tz. 4.), welche zur Zeit noch in dieser Stadt auf den Glaubensgenossen des Stifters lasten, und welche ihnen die Wege ihres Fottkommens mehr als den übrigen Einwohnern erschweren, veranlassen'ihn, die Wohlthaten der Stiftung vorläufig auf die Mitglieder der hiesigen iscaeliti-