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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-06-03 · Heft 15 (3.6.1837) · p. Seite 60

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 15 (3.6.1837)
Date
1837-06-03
Page
Seite 60 (sequence 4)
Language
German
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60 Correspondenzen, Auszüge, Repliken. (Lus Prag.). — Die Eröffnung des neuen Tempels hat eine sehr bedeutende 'Wirkung gemacht. Im Allgemeinen wendet sich das Interesse der hiesigen Gemeinde so rein und lebhaft nach unserer neuen Synagoge, daß wir darin, nur einen Triumph oder vielmehr die sicherste Garantie erblicken dürfen, wie der Ausdruck einer entwickettercn, vorgeschrittenen Geistesrichtung sich auch die Anerkennung der Widerstrebenden zu erringen vermag. Die regste Theilnahme unter denen» die-bereits mit ihrem religiösen Systeme abgeschlossen zu haben meinten, sowie unter den Orthodoxesten — laßt hoffen, daß auch im Allgemeinen eine Regeneration des religiösen Lebens sich.vorbereite. Das Lokal ist äußerst ansprechend, sauber, würdevoll, einfach. Der Gesang des Vorbcters und des Chors (Beide seit Zähren von einem hiesigen Kapellmeister mit einziger, unvergleichlicher Sorgfalt unterrichtet) — äußert auf jeden Besuchenden die tiefste, echteste Wirkung. In der Liturgie ist außer den abgestellten Piutim wösentlich Nichts geändert, deurscher Gesang vor und nach der Predigt eingeführt. Die Predigt wird fleißig besucht und immermehr als ein intcgrirender Bestandthcil des Gottesdienstes, sowie in ihrer Bedeutung für Leben und religiöse Entwickelung erkannt. Alles ist froh, befriedigt und voll der besten Hoffnungen. Und so wirkungsreich ist das lebendige Vorbild eines würdevollen Cultus bereits geworden, daß auch andere Synagogen (hier, in Prag!) den lebhaften Wunsch nach Einrichtungen, die den verfallenen gottesdienstlichen Verrichtungen Weihe und Ansehen zu verleihen im Stande sind, laut ausgesprochen und Manches von den hergebrachten Mißbräuchen abgcstcllt haben. Wie sehr -die Behörden solchen Regungen vorschrcircnder Intelligenz durchaus geneigt und sördersam sich zeigen, mögen Sie aus folgenden zwei Schreiben derStadthauptmannschaft und Polizeidirectiön der Hauptstadt. Prag ersehen, von denen das erste am 25. April 1836, das letztere aber nach der (am 19. April) stattgeftmdenen Einweihung, am 29. April 1837, an den Verein zur Derbesserussh des Israel. Cultus ergangen ist. , ' Bon der kais. königl. ' Stadchauptmarmschast ^und Polizeidirectiön der Hanpfftadt Prag. Mit hohem k. k. Landespräsidial - Dekrete vom 20. Aprill l. I. Zahl 2940, ist von der Stadthauptmannschaft die Auskunft über das fernere Gedeihen des Vereins zur Verbesserung des israelitischen Cultus abgcfordert worden. IN dieser Beziehung'ist der Stadthauptmgnnschaft daran gelegen, in dieKenntniß zu gelangen, welche Fortschritte der'Verem seit seiner Begründung gemacht habe, und wie weft die Anstalren zur vollständigen Adaptirung und Einrichtung der Altschulsynagoge gediehen sind, endlich in wie fern.sich die Theilnahme für-diese den Forderungen der Zeit oer vorwärtsschreitendcn Bildung und Cultur und der Humanität so ersprießliche Anstalt erweitert habe. Nicht nur das Vorbild in der Haupt- und Residenzstadt Wien, sondern auch in mehreren deutschen Städten, liefert den Beweis, daß das Gute dieser Anstalten lebendig ergriffen, als wohlthätig erkannt, nicht nur eine lebhafte Theilnahme gefunden, sondern auch die erfolgreichen Wirkungen nach allen Richtungen verbreitet 'habe. Die Hauptstadt Böhmens und die da befindliche zahlreiche Israelitengemeinde, welche in sich eben so vielseitige intellektuelle als Vermögenskräfte vereinigt, bedarf in den Herren Mitgliedern des Vereins wohl nicht der Aufforderung, alle persönlichen Hindernisse so viel möglich zu beheben, und in so fern die amtliche Einwirkung zu deren Behebung oder zur Beseitigung hie und da vorkommendcr Anstände,- diese in Anspruch zu nehmen, welche! | Ihnen um so bereitwilliger zu Theil werden wirb, als das öffentliche Interesse für die Volksbildung mit dem Privatwohl einzelner Gemcindeglieder in enger Verbindung steht.' Mit Rücksicht auf die Andeutungen wünsche ich die abgeforderten Auskünfte längstens binnen 14 Tagen mit jenen Vorschlägen zu erhalten, die in der.Zukunft die Vortheile dcs Vereins und der dabei interessieren Gemeindeglieder befördern können. . Prag am 25. Aprill 1836. An hie Herren Bereinsmitglieder zur Berbcsserung des israelitischen Cultus. ’ 2. Don der kais. königl. Stadthairptmarmschaft und Polizeidirectiön. Das hohe k. k. Landespräfidium hat aus den von der k. k. Stadthauptmannschast vorgelegten Bcrhandlungsatten mit Vergnügen entnommen, daß der Verein zur Verbesserung des israel. Gottesdienstes alle Vorkehrungen in den Gränzen der politischen Vorschriften und Anordnungen mit dem Erfolge gettoffen hat, daß der verbesserte Gottesdienst in der hiezu vollständig adaptirten. Altschule schon am 19. d. M. als an dem glorreichen Geburtsfeste' Sr. k. k. Majestät unsers allergnädigsten Kaisers beginnen konnte, w itzt ununterbrochen fortgesetzt werden kann. Der Gefertigte ist ferner in Folge des vorgelegten Berichtes. ermächtigt worden, dem Verein undjenen einzelnen Gliedern desselben, welche sich dabei besonders ausgezeichnet haben, das Wohlgefallen des hoh. k. & Laudcspräsidiums zu eröffnen. Da es dem Gefertigten nur angenehm sein kann, den Herren Bereknsvorstehern diese hochortige Anerkennung zu dem Ende mitzutheflen, damit sie auf dem nun so günstig gebahnten Wege-fortfahren, den reinen Cultus der israelitischen Religion unter den Gemeindegliedern immer mehr zu verbreiten, und durch Ausdehnung desselben zur allgemeinen und Prkvatwohlfahrt mitzuwirken, so erwarte ich auch, daß die Herren Vorsteher dieses Vereins fortan alle ihre Kräfte aufbiethen werden, und durch fteuudliches Juthun und du.rch die praktische Ueberzeuguvg von dem Nutzen des geläuterten Cultus und der dadurch nothwendig erfolgenden Veredlung der Gefühle und Gesinnungen, die erwünschte rMmer größere Nachahmung in den andern Synagogen herbeiführe» werden. Ueberzeugt, daß die Herren Vorsteher insgesammt die thättgste Mitwirkung geltend gemacht haben) und daß jeder' unter ihnen in dieser Beziehung sich diese Angelegenheit zum besonderu Geschäfte gemacht hat, wünsche ich doch von Zhnen selbst zu erfahren , welche der Bereinsmitglieder nach Ihrem Erachten bei den getroffenen Anstalten die n.eiste Thätigkeit und Aufopferung bewährt haben, um diesen nach dem Inhalte des obigen Auftrags spezielle Anerkennungsdekrete ausfcrttgen zu lassen, damit diese ihnen für die Gegenwart zur verdienten Belobung ihrer.Verwendung, zur Aufmunterung für die Zukunft und zum Andenken für ihre Familien bleiben, welche Letztere sich hiedurch zuverlässig aufgefordert finden werden, auf derselben Bahn das Interesse und die Vortheile der Israelitengemeinde zu befördern. ' - Prag den 29. Aprill 1837. An die Herren Vorsteher des Vereins Hoch m/p zur Verbesserung des israel. Cultus: (Ein jüdischer Lehrer.) Ganz kürzlich ward von dem Amtsgericht zu Mirow ein jüdischer Lehrer in fünftägige Gefängnißstrafe verurtheilt, weil er einen ungezogenen Knaben, jedoch keineswegs übertrieben, gezüchtigt hatte. Ein christlicher Lehrer j würde hierüber lachen. Der Jude aber weiß leider, daß, wean-er nicht jeder Willkühr seinen Racken beugt, er das Uebel nur ärger macht. (Erenyt.) Redakteur: vr. L. Philippsou. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von W. Haack.

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