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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-06-03 · Heft 15 (3.6.1837) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 15 (3.6.1837)
Date
1837-06-03
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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i.L-hrg-mg. StCfgemeiite No. 15. Zeitung des ZudcnthumS. Ein. unparthenfches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Köm'gl. Sächsischer allergnädigsier Coucession.) Leipzig, den 3.Juni 1837. Politik. ] Zertungsnachrichten. | Hannover, 7. Mai. Bei den gegenwärtig hier schwebenden Verhandlungen über die Verhältnisse der Israeliten zeigte sich im Allgemeinen die .erste Kammer den Israeliten nicht günstig, die zweite Kammer aber sprach sich sehr human dafür aus. Unter diesen Umständen mußten, wie bekannt, die meisten Gegenstände in einer Konferenz beider - Kammern erledigt werden. Gegenwärtig liegen noch einige 1 Punkte vor (worunter auch der §. 7. figurirt *), die wegen ~ der Divergenz beider Kammern einer nochmaligen Konferenz bedürft -haben. Hoffentlich werden auch diese wn Laufe dieser Woche beseitigt werden und sodann bas Gesetz an's Ministerium Behufs dessen Promulgation zurückgehen. (Privatmittheilung.) Dresden, 13. Mai. Am 9. und 10. d. M. hat die erste öffentliche Prüfung der seit 9 Monaten nm örganifirten israelitischen Gemeindeschule mit 59 Schülern und Schülerinnen stattgehabt. Der Oberrabbiner Di-. Franckel eröffnele dieselbe, mit einigen an die anwesmde Versammlung gerichteten herzlichen ©orten, in welchen er über den Geist des Judenthums überhaupt sich aussprach,, sowie besonders die Lehren des Mosaismus in Bezug der Pflichten gegen Gott, gegen die Nebenmenschen —- ohne Rücksicht auf.Glaubensverschiedenheit,— gegen den Staat, die Behörden und sonst Vorgesetzte entwickelte und mdlich in dankbarer Anerkeunmiß der Fürsorge für die Volksbildung' erwähnte, die eine weise und humane Regierung, sowie das hohe Ministerium des - Cultus bezeige, welcher sich auch die israelitischen Unterthanen durch die an die beiden Gemeinden zu Dresden und Leipzig in dieser Beziehung ergangenen allerhöchsten Verordnungen zu erfreuen haben. — Die Prüfung erfolgte darauf nach Ordnung .des vorausgeschickten Programmes über folgende Gegenstände, als: Religion, biblische Geschichte, allgemeine Geographie, deutsche und hebräische Sprachlehre, Stylübung, das alte Testament in der Ursprache, Geographie von Palästina, Weltgeschichte, Naturgeschichte, politische Geographie, Rechnen und Uebersetzen der hebräischen Gebete. — Die Leistungen der Geprüften überttaftn die Erwartung, insofern man erwägt, daß sie das Resultat einer blos neunmonatlichen Lehrzeit sind; sie bezeugten den ernstesten Fleiß und die Bemühungen der *) Paragraph 7. des Gesetz-Entwurfs lautet: »Die Juden sollen zu Staats- und Gemeinde - Aemtcrn und zur Advokatur in der Regel nicht zugelassen werden. Unser Ministenum kann jedoch Ausnahmen eintrcten lassen. d. R. Lehrer'—> zweier israelitischen und eines christlichen, — und geiben somit die schönste Hoffnung auf ein segensreiches Gedeihen dieser Lehranstalt. Außer den Eltern der Schuljugend und mehreren Gemeindemitgliedern' haben die beiden Geheimen Kirchcnräthe Dr. Schulz und vr. Hänel, Superintendent Dr. Großmann aus Leipzig, Hoft)rediger vr. Kauffer, Archidiakonus vr. Gaspis, die Schuldirektoren Otto und Blochmann nebst anderen achtbaren Christen der Prüfung beigewohm. Politische Controls und Abhandlungen. . »Wenn wir Kinder dieser Zeit,« hebt ein trefflicher Aufsatz in der Zeit. f. d. eleg. Welt (N. 88. 6. Mai) unter dem Titel „Politik und Armuch" an, »uns für cultivitte Menschen halten, und gleichwohl im Schooße unserer Gesellschaft mancherlei ausgemachte Barbareien wie unsere Lieblinge pflegen und grsßziehen, so steht es schlecht mit unserer gerühmtm Cultur. Und wenn wir glauben, wir seien echtchristliche Völker, und doch das Joch der Knechtschaft Einzelner unter uns dulden, diese mögen Sklaven oder Ju- .d en heißen: so steht cs schlecht mit unserem Christenthume. Es gibt keine Freiheit der Völker, wenn unter ihnen auch nur Eines Ketten wagt, es gibt keine Freiheit im Staate, wenn von Tausenden je Einer gebückt umherschleicht.« Treffliche Worte, wofür wir dem Abfasser innig danken! Leset und beherziget sie, die ihr engherzig Staat und Kirche zu erhalten glaubet, wenn ihr die Juden an den Pranger öffentlicher Verachtung, an den Pfahl öffentlichen Hasses und in die Kerkerkammer öffentlicher Unterdrückung stellet. Aber ihr könnet sie nimmer begreifen und kein dickbandiger Commentar vermag sie euch einleuchtend zu machen: darum ist es besser, wir lassen es dabei bewmden. »Die erste Ständekammer von Sachsen,« berichtet der Cour, franc. vom 8. Mai, »hat in der Sitzung vom 22. April die Verhandlung über den Gesetzentwurf, der einige Veränderungen in dem bürgerlichen Zustande der Israeliten . dieses Landes hervorbringen soll, beendet.« »Die Resultate dieser Debatten haben nicht den Hoffnungen der Israeliten und der Menschenfreunde genügt. Der Gesetzentwurf der Regierung hat den Juden nur einige Concessionen bewilligt, und die Majorität der Kammer, geleitet

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