Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 11 (25.5.1837)
- Date
- 1837-05-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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i. Z-h-gqng. ULLgemeiWe No. 11. Zeitung -es Zudeuthums. Ein unpartheiisches Organ für. alles jüdische Interesse. (Mit König!.'Sächsischer allergnädigsier Covcession.) Leipzig, den 25. Mai 1837. Politir. Zeitungsnachrichten. Magdeburg, 12. Maj. Am 8ten d. verschied hier einer der würdigsten Männer unserer Stadt, der Kaustnann G. S. Spir, der von den Bürgern viermal wiederholt zum Stadtverordneten gewählt worden war, und als solcher, besonders aber in der städtischen Armendeputation, sich bedeutende Verdienste erworben hatte.. Auch um die jüdische Gemeinde machte er sich sehr verdimt, war einer der eifrigsten Beförderer der neuen Institutionen der Gemeinde, und vier Jahre lang Vorsitzender der Schul-Commission. Im Namen der Behörde hat der Oberbürgermeister, Ritter rc. Francke, in hiesiger Zeitung herzliche Wotte seinem Andenken gewidmet, und dre allgemeine Theilnahme sprach sich besonders bei seinem Leichenbegängnisse aus, wo über 40 Kutschen der höchstgestellten Minner allhier, wie Sr. Excellmz des Staatsministers von K'lewitz, der Leiche folgten. Eine zahllose Menschenmasse hatte sich unterdessenauf dem jüdischen Kirchhofe eingeftmden, wo der Prediger der Gemeinde, vr. Philippfon, den Verlust erwägende und ttöstende Worte 'sprach, und die Leiche einsegnete. (Privatmittheilung.) Politische Koutrole rmd Abhandlungen. »Die sächsischen Kammern, sagt der Cour, fran?., »haben eben ein Gesetz gegeben, welches den Juden den Buchhandel untersagt.« In Vorschlag hatte es die Deputation selbst gebracht. Bemerkenswert!) war es, baß von Leipzig keine Petition wider, die Juden 'eingegangen; aber noch bemttkenswetther, daß' keine einzige für die Juden eingereicht worden ist. Es ist eine Bemerkung, die sich jedesmal uns von Neuem aufdrangt, wenn das Packet neuester Blätter der deutschen Zeitschriften durchlesen ist, wie sehr diese seit einiger Zeit dem' großen Interesse des Judmthums feindselig geworden sind. Gerade sie hatten früher dm Prunk des Philanchropismus am meisim zur Schau gettagm, ihre Gaben am schnellstm dm Zudm ausgetheilt, und in dem glänzmdm Flitter eines erborgtm, eines im durchdringenden und durchgedrungmm Liberalismus, wir meinm Freisinnigkeit im wahrm und schönm Sinne des Wvttes, glaubtm sie der allgemeinm Stimme genug zu thun, wmn sie mitleidig auf die offen; herzigen Judenfeinde hinabsahen. Aber die Zeit hat sich abermals geändett, und die Speichm ihrer Räder, die sonst oben warm, sind jetzt zum Bodm gewmdet und umgekehtt. Die deutfchm Zeitschriften abtt haltm sich nicht stark genug, in diese Speichm zu fassen und sie auftuhalten — sondern wie eine geduldige Windmühle lassen sie ihre dünnen Flügel von jedem neuen Lustzuge erfassen. Was stellte man früher der Judmemancipation mtgegm? »Ihr seid nicht reif, ihr seid isolirt, noch veralteter Ueberrest einer längst vergangenen Zeit, bildtt mch heran, und wir nehmm euch auf, nchmet Thcil an dem Aufschwünge der europäischen Civilisation, vetedelt mch, strebet uusem Künstm und Wissenschaften nach, läutett mch in Moralität und Gemeinsinn.« Gut. Es geschah. Dieser Einwurf veraltete, dmn man kann es jetzt mit Händm fassm, mit Augm sehm, mit Ohrm hörm, daß die Judm dem allgemeinm Lebm der civilisittm Welt angehörm, völlig ihm amalgamitt sind; man müßte dmn etwa von der Hefe der jüdifchm Masse verlangm, was man von der Hefe keines christlichm Volkes fordern darf. Da man also nun mit diesem Einwurfe zehn Lustrm und darüber zu spät kommt, so wmdet man sich nach einer andern Seite, und bringt dm Ueberrest und Kern unsers Charakteristischm und Unterschiedlichm, die Religion, heran. Nicht, als ob man nicht längst eingesehm, daß unsere Moral so rein wie eine ist, daß unsere Religion weder irgmd etwas Schädliches, noch dem reinm Menschmlhum Fremdes mchält, — man weiß hinreichmd, daß es nur die Glaubenssätze sind, in dmcn unsere Religion, abgesehm von speziellen Ceremonialgesetzm, die nur dm Judm für sich angehen, und derm dm Katholicismus auch besitzt, einm verschiedenen und unwiderruflich festm und einigm Inhalt besitzt — hebt man dennoch dies gerade hervor, und will daraus ein neues Bollwerk schaffen, da doch ein Jeder einsehm muß, daß diese Verschiedenheit der Glaubenssätze, nur in dem höherm und reingeistigm Lebm des Mmschm sich bcwcgmd, gar keinm Einfluß auf die Wirklichkeit, auf das bürgerliche Lebm, dessm Form allein die Emancipatton betrifft, hat. Aus dieser einfachen Darlegung resultitt es sich wohl am meisten, daß cs etwas ganz Anderes, und zwar das vergebens nach..einem wahrhaften, anschaulichm Grunde sucht, ist, welches insbesondere die Abfasser von feindlichm Artikeln in Zeitschristm antteibt. Wißt ihr 'aber, wie mau das Ding nmm, welches ohne allm Grund zur Anfeindung reizt? - Ja, ihr wisset es. Ich brauche es nicht zu sagm.