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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-05-20 · Heft 9 (20.5.1837) · p. Seite 36

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 9 (20.5.1837)
Date
1837-05-20
Page
Seite 36 (sequence 4)
Language
German
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jüdisch« Theologie von Berlin aus nach Hamburg, Dessau, Frankfurt a. M. und verbreitete sich im Süden Deutschlands. Ganz besonders fand sie Eingang in Frankreich, namentlich in Straßburg, Nancy, Paris, wo die Namm Salvador, Cahen u.a. besonders gefeiert find. Es hat sich nicht nur eine doppelte Theologie, sondern insbesondere ein doppelter Cultus gebildet; der alte, welcher fich an die talmudischhebraische Form bindet, und wieder der andere, der freiere, rationale Anfichten in fich aufnimmt. Jmer hat ^sich in Rußland, in Pohlen, Böhmen, in der Schweiz erhalten; seine Anhänger werden-nicht leicht eine Berliner, oder eine neue deutsche Synagoge besuchen. Diesem wendet fich das jüngere Geschlecht zwar mit großer Vorliebe zu, aber die Reaction der Talmudistm ist noch immer schr eiftig. Denn wer kennt nicht die Starrheit und die Ünbmgsamkeit dieser Nation? Sie beruht nicht auf dem Grunde der Religion, sondern auf Aberglauben und.Buchstäblichkeit. Sollten nun die Privatsynagogen aufgehoben werden, dann würde man wohl befürchten müssen, daß eine ganze Parthei fich von Leipzig abwenden könnte. Geschähe das aber auch nicht, fo würde fie entweder gar keinen Cultus haben, und das möchte sehr nachtheilig sein, oder einen heimlichen Cultus gegen das Gesetz, welches , nicht minder bedenklich erscheint. Michin muß ich wünschen, was auch von andern Mitgliedern der Kammer bereits geäußert worden ist, daß dieser Satz: »Die bisher üblichen Privatsynagoge» sind auszuheben,« anders gefaßt werden möchte. Dem Vorschläge der geehrten Deputation, ihn präceptiv zu formen, kann ich deswegen nicht beitreten, weil ich hier die Freiheit der beiden jüdischen Gemeinden in Dresden und Leipzig auf eine andere Weise gefährdet sehe. . Auch möchten die ausländischen oder künftig hier eintretenden Israeliten sich dabei noch schlimmer befinden, als bei dem Gesetzentwürfe. Und zuletzt würde das Pr'äceptivgesetz sofort wieder durch die für Leipzig vorgeschlagene Ausnahme entkräftet und zur Hälfte paralyfirt. Es ist mir daher der Gedanke gekommen, ob nicht alle Bedenklichkeiten durch einen kurzen Zusatz zu den'Worten des Entwurfs gehoben werden könnten.' Man dürfte nur nach »Privatsynagogen« die erläuternden Worte »für Inländer« beisetzen, um alle Besorgnisse für Dresden und Leipzig verschwinden zu lassen. Ich muß es nun einer hohen Kammer überlassen, diesen Vorschlag in weitere Erwägung zu ziehen.« — (Fortsetzung folgt.) Correspondenzm, Auszüge , Repliken. (Juden in Hamburg.) Eine höchst interessante, wenn auch schon etwas ältere Stelle (vom 9. Januar dieses Jahres) rn den un Morgenbl-atte mrtgetheitten »Vollbildern in aosstergender Linie, aus Hamburg,« können wir nicht umhin, hier mitzutheilen: - ■ ' . »3ch komme jetzt zu den Juden. Es ist kaum glaublich, haß rm neunzehnten Jahrhundert der Name Jude noch als ein Schimpfwort gelten kann, und doch ist dem wirklich so, wenigstens bei uns. Der Jude mag beginnen, was er will, er mag sich durch Reichthum, Tüchtykeit, Großthaten, Verstand oder Talente auszeichnen, es hilft ihm Alles nichts, und wieder und immer wieder wird man den Spruch hören: »Er ist doch nur ein Jude!« Der Judenhaß, oder vielmehr die Judenverachtung, streift hier wirklich aa's Unglaubliche, und wenn christliche Familien sich auch nicht ganz von dem Verkehr mit rüchen Juden losmachen können, so wird es doch stets den Anschein haben, als ob man sich zu diesen herablaffe,' auch wenn man Bortheile von ihnen zieht oder gar Wohlthaten von ihnen empfängt. Nie wird eine hiesige Familie es sich zur Ehre rechnen, mit einem geistreichen, trefflichen oder reichen Juden umzugehm; ja man entschuldigt sich wohl gar deshalb und schützt die Macht der Verhältnisse u. s. w. vor. Dieser Haß dehnt sich auch auf diejenigen aus, die zu uns übergetrrtea sind, und dann heißt es: »Ihm ist zwar ein wenig Wasser über den Kops geschüttet, aber er bleibt doch ein Jude!« Und dies in unsrer Zeit, wo mau so eiftig darauf ausgeht, das ganze Christenthum über den Haufen zu werfen, wo eine jüdische Geldmacht sich nicht nur au nWeau mit andern Mächten gestellt, sondern sie sich gar dienstbar gewacht hat, in unsrer Zeit, wo Alles Toleranz predigt! Diese Stimmung-hat sich hier in der neueren Zeit wieder mehrere Male Luft gemacht, in dem man die Juden aus verschiedenen Vergitüguugsorten mtt Gewalt vertrieb, wobei es arge Schlägereien gab, denn die Juden vertheidigten sich muthig. Befragt man die Christen nach der Ursache dieses unnatürlichen Hasses, so erhält man zur Antwott: »Sie sind arrogant, unverschämt und wucherisch, memen es überdies mit keinem Christen ehrlich!« Man sehe aber nur den Sohn eines reichen christlicher;. Hauses', den kaum dem Knabenalter entwachsenen Sohn eines Senators oder Bürgermeisters äv, und sage mir, ob sich die höchste Arroganz in seinen aufgeblähten Mienen, ja in seiner ganzen Erscheinung, einen Augenblick verkennen läßt? Ja, ist der Mittelstandsmann nicht arrogant, wenn er mit Stotz die hier so oft vorkommende Redensart: »Ich bin Hamburger Bürger!« hören läßt, und sich deshalb Ungerechtigkeiten und Unterdrückungen gegen solche Personen erlaubt, die nicht wie er Bürger des kleinen Staates find? Was dm Vorwurf des Wuchers betrifft, so giebt es wohl wenige christliche Kaufleute, die einen sich ihum darbietenden Vortheil von der Hand wiesen; mehr thün aber auch die Juden nicht, denn der eigmtliche Wucher ist ihnen nach den Gesetzen streng verboten, mrd fie sind zu ftrrchtsam, um. gegen diese zu verstoßen.« (Aus Semrlasso irr Afrika vo» Piickler-Muskau.) (Frankreich.) — Ja Metz aßen wir zu Mittag in einer jüdischen Restauration; der Weg dahin fühtte uns durch mehrere Gassen, worin lediglich Jubm wohnten, die kleinen Schacher (mit alten Kleidern u. s. w.) trieben; doch waren diese nur Leute in vorgerücktem Alter, die jüngere Generation befleißigt sich fast durchaus eines Besseren. — Französische Juden, die in öffentlichen Aemtcrn angestellt find, erkennt man kaum; die höhere Aemter FungirMden dienen mit allgemein anerkanntem Eifer und mit großer Trme, und wissen sich in ihren Stellungen Achtung und Liebe zu verschaffen. — Nicht einen Laut, ich kann es Ihnen heilig versichern, hörte ich während meines lOwvchentlichen Aufenthalts in Frankreich, w-raus ich einm Judenhaß nur im Entferntesten verspüren konnte. Ein Freund, der schon längere Zeit in Frankreich sich aufhielt, und den ich darüber befrug, erzähtte mir, daß er einst in Paris, als ein Jude vorüberging, einen Mann, selbst aus gewöhnlichem Stande, mit dem er gerade sprach, srug: o'etait UN Juif? und die Antwort erhielt: oela se peut, mais dans la France on ne dit pas, c’etait un Juif, on dit tonjours, c'dtait un Frangau. — Redakteur: Dr. g. Philipps««. — Verlag von Baumgartners Buchhandlang. —. Druck von W. Haack.

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