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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-05-18 · Heft 8 (18.5.1837) · p. Seite 32

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 8 (18.5.1837)
Date
1837-05-18
Page
Seite 32 (sequence 4)
Language
German
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32 eignem Hause Kranke und Sterbende zu Pflegen und zu bewachen. Die Arme der Tochter hielten den stechenden Nissa umschlungen, als wollte sie die stch frei machende Seele zurückhaltend Da lispelte dex Sterbende die letzten Worte: »Und Jacob hatte vollendet feinen Söhnen den letzten Befehl, da legte er seine Füße zusammen im Bette und' verschied und ward zu seinem Volke versammelt;« und wenige Minuten darauf: »Höre, Israel, der Ewige dein Gott ist ein einiges, ewiges Wesen! — Nissa's Seele war der Erde entflohen. Dinah stän!) allein in der Welt. Laß uns, mein Leser, das Bett des Tobten, die weinende Tochter und die stille Klause verlassen. Draußen hat sich der Sturm gelegt,^ die Natur hat ihre, erhabenen Semen, aber auch ihre Pausen. Nur der Mmsch lebt in einem ewigm, zerstörenden- Kampfe. (Fortsetzung folgt.) Correspondenzen, Auszüge, Repliken. (Mainzer Zeitung.) Ueber die schon einmal erwähnten Erörterungen der Emancipationsstage in der »Mainzer Zeitung« spricht sich ein Correspondeat des Kometen vom 24. April folgendermaßen aus: »Biel Sensation hat unlängst in der »Mainzer Zeitung« ein äußerst heftiger Aussatz gegen die Emancipatioa der Juden gemacht. Ueber den Ursprung dieses Aufsatzes weiß man nur so viel, daß derselbe der kürzlich erschienenen Schrift: »Stimmen der Minorität« (von Nückgrad) entlehnt ist, worin ein Artikel vorkommt, überschrieben: »Geldaristokratie und Judenthum,« von welchem der benannte Aufsatz dasjenige enthält, was sich darin auf die Juden bezieht. Ob die Redaction der Zeitung jenen Aufsatz auszog, oder ob der Verfasser denselben einsandte, weiß ich nicht, wahrscheinlich ist das Letztere. Jener Aufsatz nun trägt, unter dem Schein von Wohlwollen, alle Bitterkeiten der Vergangenheit in sich, welche diese unglückliche Nation verschlucken mußte; er ist dabei offenbar volksaufregend (gegen die Juden) und will glauben machen, die Juden besäßen den Reichthum Europa's, sie seien keines Fortschrittes und keiner Besserung fähig, veiffchlössen sich namentlich gegen alle wahre Bildung, weshalb sie, außer Mendelssohn und Spinoza, keine großen Männer austuweisen hätten! So könnte ich Ihnen eine ganze Reihe unsinniger Behauptungen, die von vollkommner Unkenntniß mit dem gegenwärtigen Stand der Verhältnisse der Juden zeugen, anführen, wenn nicht diese schon genügten, einzusehen, welche gehässige Mottve jenem Affatz zu Grunde liegen. Ich gebe indessen zu, daß die Arbeit, herausgerissen aus dem Zusammenhänge der Schrift, dadurch um so viel gehässiger erscheint, weü man die Tendenz des Ganzen nicht gut daraus entnehmen kann. Es haben sich nun in hiesigen Blättern gewandte Stimpien, sowohl Juden als Christen, erhoben, und dadurch allerdings einigermaßen den Eindruck wieder gedämpft, den diese auftegende, leidenschaftliche Sprache gegen die Juden bei der Menge haben mußte. Indessen ist es bedauernswürdig zu sehen, wie man, da gegen das heilige Recht der Juden zu bürgerlicher Gleichstellung vernünftigcrwesse nichts zu sagen ist, sich bemüht, die Fortschritte der Juden zur zeitgemäßen Bildung, die unverkennbar sind, zu verdächtigen, um so Grunde gegen die Sache der Juden aufzUfinden. Ich gebe zu, daß noch viele Borurtheile von dieser unglücklichen Nation abgestellt werden müssen, wenn die Emancipation der Juden Wahrheit werden soll. Allein es ist schändlich,, so lange mit der Anerkennung der Juden warten zu wollen, bis jeder Unberufene dieselben für durchaus »reif« erklärt!« — | Nekrolog. I (Schluß.) Eben so eifrig war er das Beste der Gemeinde überhaupt stets wahrzunehmen, sowohl in Bezug der seiner speciellen Leitung überttagenen Cassev-Angelegenheiten, als in allgemeiner Hinsicht, .wenn es die Auftechthrltung ihrer Rechte oder der Rechte einzelner Gemeindeglieder im' Verhältnisse nach außen bettaf. — Die sonst übliche Abgabe der israelitischen Gemeinde von 10—12 Thlrn. bei jeder in der Stadt oder den Vorstädten (wo nicht einmal Israeliten wohnen dursten) ausbrechenden Feuersbrunst wurde hauptsächlich in Folge der auf seinen Antrieb mehrjährig wiederholten Vorstellungen und Bemühungen endlich aufgehoben, und dafür die persönliche Stellung mehrerer Israeliten zum Feuerlöschdienste angeordnet. »Nicht der Bettag, aber das Ungerechte und. Schmachvolle einer solchen Abgabe laß mir am Herzen,« äußette er, wenn sich das Gespräch darauf lenkte. — Das Bestreben, die Heranwachsende Jugend zu nützlicher Thätigkekt anzuhalten, fand an ihm einen eifrigen Verfechter. Schon im Jahre 1818 sprach er sich in diesem Sinne aus, und es war größtentheils seine Stimme, welche die damals aus mancherlei Rücksichten noch zögernden Aeltesten vermochte, bei der Regierung nachzusucheo, daß der jüdischen Jugend die. zunftmäßige Erlernung von Handwerken gestattet werde. — Als im Jahre 1829 durch das Zusammenwirken mehrerer hiesigen Jsraelirer der Mendelfohn-Berein errichtet wurde, nahm er, die Einflüsterungen bigotter Eiferer nicht beachtend, an dessen Stiftungsfeier Theil, bestätigte als Gemeinde-Vorsteher dessen Statuten, und unterstützte den Verein stets auf das Kräftigste. — Es läßt sich von diesem Manne wohl -denken, wie sehr ihm die Sache der Emancipation seiner Glaubensgenossen am Herzen lag. Jedwede günstige Nachricht über die Angelegenheiten der Juden aus irgend einem Laude, versetzte ihn sogleich in heitere Stimmung. In früheren Jahren unterließ er nicht, alle dergleichen Mittheüungen über Juden und Judenthum, die sich in öffentlichen' Blättern vorfanden, sogleich äufzuzeichnen, um sie dem Gedächtnisse desto tteuer zu bewahren oder sie einttetenden Falls als Beispiele anführen zu können. — Ein Augenübel, das ihn mehrere Mal befallen hatte und besonders in den letzten Jahren die sorgsamste Pflege seiner.Augen nothwcndig machte, abgttechnet, erstellte sich der nun Hingeschiedene im Ganzen einer guten, kräftigen Gesundheit. Alle Ereignisse, heitere wie trübe, nahm er mik Ruhe, Ergebung und Gottverttaucn auf; in ernsten Momenten bot ihm die schöne Natur in der Umgegend Dresdens, wo er häufig sich erging, und wo er auch gern sein Abendgebet in erhöheter Andacht verrichtete, Stärkung und Erheiterung. Alles ließ hoffen, ein glückliches hohes Mer sei diesem edlen Manne einst beschicken, als er mit einemwale im November 1836 über Appetitlosigkeit und heftiges Magendrücken klagte. — Schon sehr leidend erfuhr er die am 14. Novbr. von Seiten der Regierung den Ständen gemachte Mittheitung, daß sie noch Bedenken trage, den von der Gemeinde so zuversichtlich ermatteten Entwurf zu einem Emancipationsaesetze vorzulegen. Trotz des schlechten Wetters begab er sich doch Mit krankem Körper in die Versammlung der Gemeindeältesten, 'um über die nun zu beobachtenden Schritte zu berathen. Sogleich ^entschied er sich für eine sehr kräftige Vorstellung an hie 2lllerhöchste Behörde, welches auch allseittge Zustimmung fand. Leider sollte er die günstige Wirkung dieser Maaßregel nicht mehr verleben; seine Krankheit, welche die Aerzte späterhin für ein complicirres Unterleibsübel erklätten, nahm einen immer bedenklicheren Charakter an. Die Ende December wiedtt ausblitzmde Hoffnung verschwand allmälig und die Mitternachtsstunde des 15. auf d'.'n 16. Januar war es, die seine allem Guten und Edlen offene Meele in die Gefilde jener ewigen Seligkeit sanft hinübertrug, ©ft sein irdisches Streben gewiß nicht ohne höheren Lohn bleiben wich. »O daß ich stürbe der Gerechten Tod; daß mein Endendem Seinigen gleiche!« (4Mos. 23, 10.) t Marz 1837.Pr. B. Beer. ■ Redakteur: Dr. L. Philipps»«. — Verlag von Banmgärttrers B»chhandlu«g. — Druck von W Haack.

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