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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-05-04 · Heft 2 (4.5.1837) · p. Seite 6

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 2 (4.5.1837)
Article
Der Gott des Alten Testaments
Date
1837-05-04
Page
Seite 6 (sequence 2)
Language
German
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6 hört aber mit der Erleuchtung aller Nationen auf (Jesaias 45, 20—23.)* Der Gott des A. T. will den Menschen zur höchste» Sittlichkeit dringen, zur Nacheiferung Gottes, zur Vergöttlichung. (Fortsetzung folgt.) Die Marannen. Novelle aus dem letzten Jahrzchcnd des fünfzehnten Jahrhunderts.* Die Sonne war hinter die Gebirge von Antcquera gesunken, nur einzelne Bergspitzen schienen prachtvoll vergoldet, aber in den Thälern hatten sich finstere Schatten' gelagert; am blauen spanischen Himmel funkelten die Sterne in ihrem ewigen Glanze, eine sanfte Kühle war der Hitze des Tages gefolgt, die Natur schien feiern zu wollen — nicht so der Mensch. Um Granada's Mauern und Walle breitete sich ringsum das spanische Lager aus, selbst die.Fluchen des sanft hinsirömenden Zkenil hatten der ehemen Kette, die sich um die Stadt immer enger und enger schloß, kein Hindemiß gelegt, über den Fluchen waren auf festm Fahrzeugen Brücken geschlagen, mit Geschütz und Kriegcm dicht bedeckt. Weit hin dehnte sich das Lager aus bis nach Santa-Fe, der neuen Stadt, welche das Bcdürftnß eines zweijährigen Aufenthalts der Belagerer erbauen ließ. So weit das Auge reichte, fach, man die Feuer der von der Tagesarbcit auf ihren Mänteln ausruhenden' und im ftöhlichen Gespräch begriffenen Krieger, aus dm Zelten selbst ertönte hier und da die reine und kräftige Stimme eines Hauptmannes, eine Romanze singend, von den Klängen der Mandoline begleitet. Nur in Santa-Fe herrschte noch größere Lebhaftigkeit, hier hatten an demselben Tage die gekrönten Häupter Aragonims und Kastiliens ihrm Einzug gehalten, Ferdinand und Isabelle, begrüßt von dem jubelnden Heere, begleitet von stolzen Granden und emstm. Priestern. Verdrängte auch das Leben im 'Kriegslager die Gesetze dw spanifchm Hofsitte, so war doch auch jedes erheitcmde Spiel. und der Frohsinn verbannt, dmn der Kampf mit den Saracmm hatte nun neun Jahre gedauert, die Blüthe der spanischen Jugmd war hingcopfert, die Schätze der Geistlichkeit fingen an spärlicher und mit Widerwillen gereicht zu werden, obgleich cs ein Kampf für dm heiligm Glaubm war. — Daher war die Stirn des Königs mehr als früher umwölkt, und nur Isabelle blieb immer heiter, des Erfolges gewiß und ihres Sttebens b«wußt. Aber dort in der gcängstigten Stadt herrschte die Ruhe des Grabes, auf ihren Mauernischen die Haufen'der maurischen Soldaten in's Lager der Spanier voll Ingrimm und Wuth herab, den Glan; des Halbmondes hatte in den vcrgangmcn Tagm das Kreuz der Christm verdunkelt, und diese Schmach verbitterte noch die Entbehrung, welche der Mangel an Lebensmitteln den hart Bedrängten aufnölhigte. In den Straßen war es still, der Bazar leer, nur hier und da sah mau einm A^t, dessen schwarzer seidner Kaftan die jüdische Herkunft verrieth, und der von Dienernd mit Fackeln gefolgt, die Pforten der Paläste suchte, wo der vomchme Verwundete noch der spätm Hülfe erheischte. Doch auch hier in Granada war es die königliche Burg, in der eine regere, wenn auch mehr dm Charakter der Bestürzung wagende Geschäftigkeit herrschte. Mohamet Boabdelin hatte eben seine Heerführer entlassen, feine Brust hob sich noch wild bewegt von den Gefühlen, die sie bestürmte, der Verlust, den seine Mannschaft an diesem Tage erlittm, war bedeutend, aber mehr als die Tausmde der-Gefallenen schmerzte ihn der Tod Almansors, des Gefährten seiner rüstigen Jugend. Welcher Anblick hatte sich bei der Heimkehr vom heuttgm Ausfälle den Augm des Monarchen dargebotcn! Das prächtige Granada war zur Einöde geworden, in Trümmern gefallene Paläste, Schutthaufen verbrannter Gebäude, auf den öffmtlichm Plätzen die in solcher Noch'verachtete Habe aufgethürmt! — Um ihn hatten sich die in Lumpen gehülltm und Gespenstem glcichendm Stadtwohner gedrängt- undihn um Bcod angeschriecn, klagmde Weiber, weinende Kinder umringten die Krieger, und ihr Wehcmf drohte jedm Funken des Muthcs in den blassen Kriegcm zu erlöschen. Eine traurige Ahnung hatte das Gc- , müth des zwanzigsten Herrschers von Gränada ergriffm, das verödete Granada war das Ucbcrblcibscl des Ruhms von mehr als neun Jahrhunderten, sein Unmuch brach gegen dm Großvezicr aus, dem er den Verlust des Hauptwalles in hartm Wötten zuschrieb. Jetzt suchten auf dem vergoldetm Divan die Glieder Erholung, das Herz war stürmisch aufgeregt, denn dm niederdrückmden Gram über den Verlust der Herrlichkeit und den Verlust des Frmndes verdrängte das Gefühl der Rache gegen die Ungläubigen. " Da stürzte Alharcz ins Gemach. »Verzeihe, Herrscher der Gläubigen, eine wichtige Nachricht! Der-christliche König ist mit seiner Gemahlin im Lager angekommm'.« Woher die Äunde? »Ein von dm Vorposten aufgefangener Jude, von Guadix kommend, hat cs ausgesagt. Das von unsem Mauem bemerkbare Gedränge in Santa-Fe bestätigt es.« Wo ist der Großvezier? ftagte der König rasch. »Er beweint im Vorfaale meines Fürsten Ungnade.« Er komme eiligst herber. »Vezier, ricf dem einttetenden Abdallah der König^zu, > noch heute einm Ausfall!« ... Wie betäubt, stand Abdallah da. »Vezier, -noch Heute einm Ausfall!" rief ihm wiederholt und noch heftiger Boabdelin zu.

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