Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 2 (4.5.1837)
- Article
- Der Gott des Alten Testaments
- Date
- 1837-05-04
- Page
- 5 (sequence 1)
- Language
- German
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I. §ahrgang. No. 2. Zeitung -es Zudeuthums. Ein unparthensches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Sächsischer allergnädigsier Concession.) Leipzig, den 4. Mai 1837. Theologie. Der Gott des Alten Testaments. Der Mensch ist der Schöpfer seines Gottes. So weit sein Begriff geht, so hoch sein Bewußtsein steigt, so weit und so hoch ist, auch seine Idee der Gottheit. .Was darüber liegt, ahnet er nur, ist ihm in geheimnißvolles Dunkel gehüllt. - _ - Darum ist der beste Zeuge, was der Mensch aller Zeiten ist und kann, .seine Idee der Gottheit. Dem hin und her schwankenden, dem höchst langsam vorschreitenden Menschen kam die Offenbarung zu Hülfe, gab ihm einen Stab in seine Hand, zündtte seinem Auge eine Leuchte an. Seitdem stand in dem Menschendie Idee der Gottheit unter dem Einflüsse der Offenbarung. Die Letztere vermag aber selten ganz Herr der menschlichen Idee zu werden. Der Mensch ttägt eben so viel, wie er hcrausliest, von dem Seinigen in sie hinein. Da aber die Offmbarung für sich besieht, so könnm immer wieder die Schleier, welche die Zeiten ihr umhangen, abgenommm, und das Bild der Gottheit, das sie mit Hellen Farben, mit unauslöschlichen Tinten zusammensetzt, in's Licht der Sonne gestellt werden. Die Befangenheit-der Mmschm aber hat oft genug die Idee der Gottheit, selbst wie die Offenbarung, wie die heiligen Schriften des Alten Testaments. (wir bedienen uns dieses Namens, den wir nicht anerkennen, blos, weil er am deutlichsten bezeichnet, welche Schriften wir im Sinne haben) sie gegeben, verkannt, verkennen wollen, sie geschmäht und verschrieen. Wie? Zweifelt ihr an der Göttlichkeit unserer Offmbarung? Gut. Dann habm wir weiter nichts zu verhandeln. Dann aber fallt auch jede Offmbarung 'zusammen, keine bleibt aufrecht, weil alle auf die unsere fußen. Dann ist der Sinn des Wortes Offenbarung eine Fiction, die sich einm Thron erheuchelt, eine Krone und einm Zepter, der das Mmschmgeschlecht beherrscht und tyrannisirt, von dem es sich nicht ftei machen kann — freilich aber eine Fiction, die — und das wäre das Sonderbare — in den Himmel der Wahrheit, anstatt in die Sümpfe der Lüge führt. — Glaubet ihr aber an die'Göttlichkeit unserer Offenbarung, nun wie könnet ihr vermeinen, daß ihre Lehre unvollkommen, unvollständig, nur theilweise wahr sei? Oder stellet ihr euch Gott als einen gutgeschulten Lehrmeister vor, der den Mmschen systematisch wie aus einem Schulbuche, in Kursen unterrichtet, heute noch verschweigt, was er morgen lehren will? Dann wäre aber auch das Ende des Unterrichts noch nicht abzusehen, und der Mensch könnte sich nie unterfangen, zu sagen: Hier ist das Ende! Jetzt ist er und sind wir fettig! Der vollkommene Gott ist allein der wahre. Der Gott des Altm Tesiammts ist vollkommen, denn er ist einig und unpersönlich. Der Gott des A. T. ist vollkommen, denn er ist a l l - barmherzig (2Mos. 34, 6.) und der Erlöser der Menschen selbst (Iesaias 47, 4. u. oft). Die messianischen Ideen des A. T. gehen die Menschheit allein, nicht die Gottheit, an: indem sie nur hindeuten auf das Aufhörm aller Sünde, und erst dadurch aller Schuld, also auf die höchste Vervollkommnung der Mmschheit. (Beweise aller dieser Sätze folgm weiter unten.) Der Gott des A. T. ist vollkommen, denn er ist a l l - gerecht tmb versöhnend zugleich: er laßt die Folgm der bösen Handlungen in der Wirklichkeit unabwmdbar eintteten, aber seine Gnade ist nicht begränzt, und wird schon durch die Bemühung des sündigm Mmschm selbst, durch die Reue und Buße, versöhnt, ohne diese ist aber die Versöhnung an sich 'nicht zu Stande gebracht. Wo aber die Reue und Buße nicht auf Erden einttitt, da ttitt sie mit dem Jenseits ein, ' wo. mit dem Abfall alles Jrdischm die Erkenntnrß von selbst einttitt. Die Gerechtigkeit ist also Gerechtigkeit in der Wirklichkeit, die Versöhnung aber im Geiste. Der Gott des A. T. bleibt also in unmittelbarer Beziehung zum Mmschm, (5 Mos. 4.4.) . Dennoch bleibet der Gott dss A. T. in seiner Allheiligkcir und Himmelshöht, denn er stellt die Liebe stets neben die Ehrfurcht (5Mos. 10, 12.); er will dm Menschen zu sich . hmaufziehen, läßt sich aber nicht mystisch und pietistisch zu ihm hinab. Der Gott des A. T. will die ErkmnMiß der ganzm Mmschheit; er fängt zwar mit dtt Offmbarung in Israel an,