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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-12-20 · Heft 51 (20.12.1907) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 51 (20.12.1907)
Date
1907-12-20
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Praxis mitgespielt hätten und versprach, auch diese Sache dem Kaiser vorzutragen. In aufrichtiger Befriedigung verließ die Abordnung darauf den Statthalter. Oesterreich-Ungarn. -f Wien, 16. Dezember. Von der Verjudung der Wiener Universität ist in den letzten Reden der Antisemiten im Reichstag beständig die Rede gewesen. Demgegenüber werden Sie die folgenden authentischen Ziffern gewiß interessieren. Die drei Fakultäten — die theologische schließt wohl auch Herr Lueger aus — zählen 114 Mitglieder. Davon sind 95 Christen, 19 Juden, wobei die getauften jüdischen Professoren zu den Juden gerechnet werden. Auf die einzelnen Fakultäten verteilt, stellt sich das Verhältnis folgendermaßen dar: Juridisches Professorenkollegium 23 Mitglieder, davon 8 Juden. Medizinisches Professorenkollegium 34 Mitglieder, davon 5 Juden. Philosophisches Professorenkollegium 57 Mitglieder, davon 6 Juden. Noch anders steht aber die Sache, wenn wir nur die ordentlichen Universitätsprofessoren in Betracht ziehen. Hier stellt sich die Berechnung folgendermaßen dar: Juridische Fakultät: Ordentliche Professoren 15, davon 3 Juden. Medizinische Fakultät: Ordentliche Professoren 23, davon 2 Juden. Philosophische Fakultät: Ordentliche Professoren 48, davon 3 Inden. Oder in Summa für alle drei weltlichen Fakultäten: Ordentliche Professoren 86, davon 8 Juden, oder in Prozent ausgedrückt: 90,7 Prozent Christen, 9,3 Prozent Juden. So sieht die verjudete Wiener Universität aus. — Eines der 1 kecksten Antisemiten-Blätter, die „Deutsche Zeitung", die erst vor mehreren Jahren von den Christlich-Sozialen käuflich übernommen wurde, stellt ihr Erscheinen ein. — Ein Begnadigungsgesuch für Leopold H ilsner will der Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Friedrich Elbogen im Namen der Mutter Hilsners überreichen, das er mit einem Aufruf zur allgemeinen Veröffentlichung bringt. Indes ist ist die „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" damit nicht einverstanden; sie will Recht, keine Gnade für Hilsner. Von Mh und Lern. Der Oberlehrer am Gymnasium zu Mhslowitz Professor Dr. Aronstein ist zum Oberlehrer an der Luisenstädtischen Ober- Realschule gewählt worden. — Dem Direktor der königl. Universitäts- Poliklinik für Lungenkrankheiten, Geheimen Mediziualrat Professor Dr. Max Wolfs, ist der Rote Adlerorden IV. Klasse verliehen worden. — Dem deutschen Reichstag ist eine Denkschrift zugegangen über die Auskunstserteilung an Auswanderungslustige, insbesondere über die Zentralauskunftsstelle für Auswanderer. Die Die nächsten Abfahrten von Post- und Passagier-Dampfern der Hamburg-Amerika Linie finden statt: Nach New Uorkr 21 > 12. Postdampser „Patricia", 28/12. „Blücher", 4/1. 08 „Gras Waldersee". 8/1.08 „Ozeana", 11/1. 08 „President Lincoln", 15/1.08 „Amerika", 18/1. 08 „Präsident Grant". Nach Boston: 23/12. Postdampser „Bethania". Nach Baltimore: 23/12. Postdampser „Bethania". Nach Denkschrift enthält auch Mitteilungen, über staatliche Auskunftsstellen in anderen Ländern und über die Gründung einer besonderen Auskunftsstelle unter staatlicher Aufsicht. — Am 7, d. M. ist hier der Rechtsanwalt und Notar Justizrat Arnold Königsberger gestorben, der zu den bekanntesten Berliner Rechtsanwälten gehörte und sich weit über den Kreis seiner Kollegen hinaus eines ausgezeichneten Rufs erfreute. — Kommerzienrat Isidor Gottschalk, Ehrenbürger der Stadt Bischofs bürg, ist am 11. d. M. im 78. Lebensjahre gestorben. — Dem Vorsteher der Synagogengemeinde Motschin, Aron Adler, wurde anläßlich der 650jährigen Jubelfeier der Stadt, in.der er über 40 Jahre Stadtverordneter war, der Kronenorden IV. Klasse verliehen. — Der Kantor und Lehrer Vogel in Offenbach, der vor einigen Monaten sein hiesiges 25jähriges Amtsjubiläum gefeiert hat, wurde mit dem Verdienstkreuz Philipps des Großmütigen dekoriert. — Der Hopfenhändler Arthur Moch in Hagenau hat den Kronenorden IV. Klasse erhalten. — In der französischen Kammer interpellierte am 5. d. M. der Abg. von Algier Maurice Colin den Minister des Auswärtigen wegen der Juden in Tunis, deren Naturalisation als französische Bürger in den letzten Jahren so erschwert worden sei. Der Minister sagte eine wohlwollende Prüfung und Entscheidung der Angelegenheit bestimmt zu. — Frau Baronin v. Rothschild, geb. v. Wertheimstein, in London ist zur Palastdame ernannt worden. Ihre Vereidigung sollte am Sonnabend stattfinden, wurde jedoch nach einer Eingabe bei dem Hosamt vom König auf den folgenden Dienstag verlegt. — Die vier jüdischen politischen Organisationen in Rußland, die „Volksgruppe", „Volkspartei", „Demokratische Gruppe" und die Zionisten beschlossen, baldigst eine allgemeine Konferenz der jüdischen Wähler einzuberusen zwecks Beratung der Frage, welche Stellung zur Judenfrage die jüdischen Abgeordneten in der Duma nehmen sollen. — Dr. Paul Nathan weilt seit 14 Tagen in Palästina und hat dem Hilfsverein der deutschen Juden eingehende Berichte erstattet über die insolge einer Mißernte und des Wassermangels entstandene Teuerung in den verschiedenen Städten des Landes. Der Hilfsverein der deutschen Juden hat daraufhin Herrn Dr. Nathan sofort die nötigen Mittel zur Verfügung gestellt, um eine zweckmäßige Beihilfe zur Mehlbeschaffung für die ärmere jüdische Bevölkerung in allen Orten, in denen Not herrscht, zu organisieren. — In New Hork hat sich der junge Bildhauer Nataniel A dram, der bereits mehrere Künstlerpreise gewonnen und große Hoffnungen erweckte, in einem Anfall von Schwermut vergiftet. Philadelphia: 23/12. Postdampser „Armenia". Nach Westindienr 24/12. Postdampser „Mecklenburg", 24/12. „Altenburg". Nach Mexiko: 28/12. Postdampfer „Prinz Oskar". Nach Ostafien: 30/12. Postdampfer „Sambia", 5/1. 08 „Liberia", 10/1. 08 „Hohenstaufen", 20/1.08 „Belgravia", 30 1. 08 „Suevia". 'Arabisch-Persischer Dienst: 4/1. 08 Postdampfer „Assyria". Dus Ladern Nizza. Die Saison von Nizza ist eröffnet. Man hat sich hiervon bei dein in der Avenue de la gare, der Hauptverkehrsader der Stadt, arrangierten Fest überzeugen können, wo die bereits zahlreich ciugetroffenen Fremden Gelegenheit hatten, die durch die Behörden veranlaßten Verschönerungen zu bewundern. Nach Vollendung der die Gesundheitsbedingungen der Stadt betreffenden Arbeiten sind noch die Straßen asphaltiert oder geteert worden. Die Theater (Oper, Operetten, Lustspiel usw.) sind wieder eröffnet worden. Bald wird auch die Serie der Vergnügungsfestlichkelten beginnen, wie: Hindernisrennen, Karnevalsfestlichkeiten mit Korsos, Blumeuschlachten, Maskenbälle, Automobilfeste, Blumenseeschlachten, Blumenausstellungen, internationale Regatten usw. und probeweise internationale Pferderennen. — Die mittlere Temperatur von Nizza lind Umgebung beträgt 18 Grad im Schatten. Cannes verdankt seinen Beinamen „Perle der Riviera" seiner lvundervollen Lage am Fuße des Estärel; dank der es umschließenden Bergkette ist es auch gegen die Ostwinde und den Mistral geschützt. Cannes ist keine große Stadt, sondern nur eine Anhäufung von und Kurorten. Villen, Hotels und schloßähnlichen Gebäuden, ohne Handelsviertel, und existiert einzig und allein zum Vergnügen der Fremden. Die Hotels sind alle gut; man findet sie von den kleineren mit einer i Pension zu 7 bis 8 Francs bis zum großen, modernen Palast. Durch seine topographische Lage ist Cannes das Zentrum für die Ausübung des „Sommersports im Winter" geworden; es gibt dort einen Polo- (den einzigen der Riviera), einen Tennis- und einen Krocketklub, ferner ist ein prächtiger Golf vorhanden. Infolge der vorzüglichen Zugverbindungen ist beste Gelegenheit geboten, am Vori mittag oder Nachmittag die umliegenden Städte zu besuchen, nach! Nizza zum Dejeuner zu fahren und in Monte Carlo das Diner einzunehmen. Der deutsche Kronprinz wird in dieser Saison einige Zeit zu seiner Schwiegermutter, der Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin, auf Besuch kommen. Das deutsche Element, das Cannes besucht, ist so zahlreich, daß sich die Gemeindeverwaltung veranlaßt gesehen hat, im Stadthaus ein Gratisauskunftsbureau einzurichten, in dem ein Deutscher zur Verfügung seiner Landsleute steht.

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