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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-11-22 · Heft 47 (22.11.1907) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 47 (22.11.1907)
Date
1907-11-22
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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allen, die ihn kennen zu lernen Gelegenheit hatten, der größten Hochachtung und Wertschätzung. Am 1. d. M. ist er in den Ruhestand getreten, dessen er sich nur wenige Tage freuen sollte. Das Leichenbegängnis fand am 12. d. M. unter allgemeiner Teilnahme statt. Ehre seinen: Andenken! Vnn MH und jfern. Stadtrat Kalisch und der Bankier (5. L oeser haben den Noten Adlerorden IV. Klasse erhalten. — Von der Jury der Internationalen Ausstellung jür Unfallverhütung, Gewerbehygiene und Arbeiterwohlfahrt ist dem Prof. Dr. Th. Somrnerfeld für seine hervorragenden Leistungen auf dem Gebiete der Cewerbehygiene, die neben der Verhütung gewerblicher Vergiftungen vornehmlich die Bekämpfung der Lungentuberkulose ins Auge faßt, die Goldene Staatsmedaille verliehen worden. — Der Stadtverordnete Georg Haberland, Direktor der Berlinischen Boden-Gesellschaft, ist zum Kommerzienrat ernannt worden. —- Der in jüdischen Blättern genannte Privatdozent Tr. Kall mann ist nicht Jude. Wenn dies Treiben so fortgeht, wird man eine eigene Liste für derartige Jrrti'nner anlegen müssen. — Prof. Tr. F. Karewski feierte am 16. d. M. das 25jährige Jubiläum seiner Tätigkeit im jüdischen Krankenhause, wo er die Poliklinik leitet. Aus diesem Anlasse fand ein Empfang im Krankenhause selbst und ein Kommers im Brüderverein statt. — Am 11. d. M. ist hier Herr Alexander Jtzig gestorben, der seit 1899 im Ehrendienst der Gemeinde und im Vorstand des Borschußvereins für hilfsbedürftige Mitglieder der jüdischen Gemeinde treu und hingebend gewirkt hat. Ehre seinem Andenken! — Dem Synagogendiener H. Kozminski in Posen ist das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen worden. — Kommerzienrat Fränkel in Neustadt O. Schl. hat den Noten Adlerorden IV. Klasse erhalten. -- Die jüdische Kultusgemeinde in Cronberg hat bei der Regierung ihre Auflösung beantragt, weil sie nur noch aus drei Personen bestehe und nicht kräftig genug sei, ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. — Die beiden jüdischen Oberärzte der Reserve Dr. Max Dreyfuß in Aschaffenburg und Dr. Samuel Swarsensky in Hof wurden zu Kgl. Bayer. Stabsärzten der Reserve befördert. — In Altkunstadt ist am 2. d. M. der Hauptlehrer Jonas Nord Häuser im 58. Lebensjahre gestorben. — Im bayerischen Landtag sitzt nur ein Jude, der Rechtsanwalt Tr. Süßheim aus Nürnberg. - Die Münchener Polizei hat kürzlich, wie schon öfters, sich vorteilhaft von ihren Kolleginnen unterschieden, indem sie einen größeren Trupp jüdischrussische Auswanderer in Ermanglung einer Unterkunftsstätte in ihrem eigenen Polizeidirektionsgebäude unterbrachte und verpflegte. — Der langjährige Zwist zwischen dem Rabbiner Dr. Meyer und der israelitischen Kultusgemeinde Zw ei brücken ist nunmehr erledigt. Dr. Meyer wurde von der Regierung seines Amtes als Rabbiner der Gemeinde Zlveibrücken enthoben. — Der Kommerzialrat Albert Herzfeld zu Wien und der Hofweinhändler, Kaiserliche Rat Wilhelm Polka k daselbst haben die Rote Kreuzmedaille III. Klasse vom deutschen Kaiser erhalten. — Im Laufe der letzten zwölf Monate sind allein von dem Hafen von Libau aus im ganzen 216 000 Personen aus Rußland ausgewandert, darunter 125 000 Juden. — Aus Verordnung des Warschauer Generalgouverneurs wurde der professionelle jüdische Schuhmacherverband in Lodz auf die Dauer des Kriegszustandes geschlossen. — „Zycie Zydowskie", das in polnischer Sprache in Warschau erscheinende Zionistenorgan, ist eingestellt worden. — Für das durch Brand sehr schwer heimgesuchte Nowodlvor bei Warschau hat der Hilfsverein der deutschen Juden ein Darlehen von 10 000 Mark bewilligt, damit die Betroffenen möglichst rasch über die erste Zeit hinwegkornmen und den Gewerbetreibenden und Handwerkern ausgeholfen werden kann. — Der Hilssverein der deutschen Juden hat gemeinsam mit dem Hilfskomitee für die notleidenden osteuropäischen Juden in Frankfurt a. AI. weitere .Die nächsten Abfahrten von Post- und Passagier-Dampfern der Hamburg-Amerika Linie finden statt: Nach New Bork: 23/11 Postdampser „Graf Waldersee", 28/11 „Amerika", 30/11 „Pennsylvania", 7/12 „President Grant". 11/12 „Kaiserin Auguste Victoria", 14/12 „Pretoria". Nach Boston: 30/11 Postdampser „Rapallo". Nach 22 500 Franks an die Zentrale sür die rumänische Hilfsaktion, die Israelitische Alliance in Wien überwiesen. Eine Fortführung des Hilfswerks erweist sich leider noch als notwendig, da die wirtschasti lichen Folgeerscheinungen der Frühjahrsexzesse noch fortdauern. — i König Earol von Rumänien hat erst jetzt durch einen Zufall von! den (seinerzeit mitgeteilten) Folterungen der jüdischen Soldaten im! Regiment VIII Dragos (Dorohoiu) Kenntnis erlangt. Der König hat! sofort den Kriegsminister, General Averescu, beauftragt, ungesäumt eine gründliche Untersuchung gegen den Kolonel Marasescu neuerl dings einzuleiten, und ihm — dem Könige — von deren Ergebnis : Bericht zu erstatten. — Auch die Universität Dorpat hat dem Unter- : richtsminister ein Verzeichnis von jungen Leuten jüdischer Koni session vorgestellt und deren Aufnahme über die gesetzlich vorgesehene! Norm hinaus befürwortet. — Prof. Dr. A. Vüchler ist nunmehr! zum Direktor des Jews College in London gewählt worden. — Im Eastend Londons ist die Polizei zu einer bemerkenswerten Neuerung geschritten. Sie hat in den jüdischen Vierteln die Feuermelder mit Aufschriften in jüdischer Sprache versehen lassen. — Im Januar 1908 wird in Kopenhagen unter Leitung der Herren Prof. Dr. Simonsen und Museumsdirektor Emil Hannover eine jüdische Kunstausstellung, die auch alle Arten von Gebrauchsgegen- , ständen des synagogalen und sonstigen kulturellen Lebens umfassen soll, stattfinden. — Zu weiterem Studium der Wedda hat die Regierung von Ceylon dem Direktor des Colombo-Museums A. Willey 4000 Mark zur Verfügung gestellt. Nach dem „Globus" hat Willey den durch seine Forschungen in British-Neuguinea bej kannten Anthropologen Dr. C. G. Seligmann gewonnen, der sich i Ende November nach Ceylon begeben will. — Die Angehörigen des am 12. Dezember 1904 in Heidelberg verstorbenen Privatgelehrten Dr. F. Kahn, insbesondere dessen Bruder O. Kahn in New Jork, haben einem Kieler Universitätslehrer, dem der Verstorbene letztwillig seine Bibliothek hinterlassen hatte, dazu ein Stiftungskapital von 50 000 Mark zur Verfügung gestellt zur Begründung einer Spezialbibliothek für internationales Privatrecht. Der preußische Kultusminister hat Bibliothek und Stiftung der Kieler Universitätsbibliothek überwiesen. - Die Verwaltung der Carnegie-Stiftung, zur Belohnung freiwilliger Heldentaten hat dem jüdischen Schüler Charles Weiß aus dem Eastend New Porks einen Preis von 2000 Dollars und die Ehrenmedaille zugesprochen, weil Weiß am 28. September d. I. unter Gefährdung seines eigenen Lebens eine ihm unbekannte Frau von dem Ertrinkungstode rettete. — Am 30. v. M. ist in New Jork Frau Esther I. Ruskay im 50. Lebensjahre nach langer Krankheit gestorben. Sie war im Oonneil ok Jewish Women und in vielen Vereinen mit Eifer tätig. Vor einigen Jahren hat sie einen Kursus für das Studium der Bibel organisiert. Von ihr sind ein „Buch der Gedichte sür Kinder" und „Hearth and Home Essays“, die die Jewish Publication As.sociation herausgab. — Die Juden von Marrakesch, die ungefähr 12 000 Seelen stark sind, stehen unter dem Einfluß einer gefährlichen mystischen Agitation. Inmitten der Lebensgefahr, in der sie sich jetzt befinden, versammeln sie sich in ihren Synagogen, um den Messias zu erwarten, der nach ihren Ueberlieferungen erscheinen wird, wenn sich alle Völker Marokkos einander bekriegen. — Das Zentral-Komitee der Alliance Isra&ite Universelle hat beschlossen. eine Studienkommission nach Abessinien zu entsenden zur Erforschung der wirtschaftlichen, sittlichen und gesellschaftlichen Lage der Falaschas in den verschiedenen Provinzen, wo das Vorkommen von solchen durch frühere Forschung festgestellt worden ist. Mit der Leitung der Expedition ist Herr Na hum beauftragt, Professor am Rabbinerseminar in Konstantinopel, der in der Schule für lebende orientalische Sprachen und in dem Rabbinerseminar von Paris seine Ausbildung erhalten hat. Unter den Begleitern des Herrn Nahum wird sich auch ein israelitischer Arzt befinden. Baltimorer 30/11 Postdampfer „Rapallo". Nach Philadelphia: 27/11 Postdampfer „Andalufia". Nach New Orleans: 28/11 Postdampser „Tronto". Nach Ostasten; 30/11 Postdampser „Sambia". Arabisch-Persischer Dienst: 7/12 Postdampfer „Galicia". *

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