Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-10-18 · Heft 42 (18.10.1907) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 42 (18.10.1907)
Date
1907-10-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3228744-3228787--63893-3297830
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

71. Jahrgang. Nr, 42. Allgemeine Berlin, 18. Oktober 1907. eilung desAudentums Ein unparteiisches Grgan für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: durch Buchhandel oder Post (in Berlin u. Vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen Vierteljahr!. 3 M. NeLakteur: Gustav Aarpeles. Begründet von Rabbiner D*. Ludwig Philippfon. Vsilags-LpöMoo; Berlin, Jernsalemerstr. 46/49. Alle Zusendungen fftr Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem ZeitungÄ des Judentums", Berlin 6^., Jerusalemer Straße zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. Ser Verband der deutschen Juden. Berlin, 14. Oktober, ie zweite Tagung des Verbandes der deutschen Juden war eine imposante Heerschau über das deutsche Judentum, die jedem, der sie miterlebt, in dankbarer Erinnerung fortleben wird. Wenn es noch eines Beweises dafür bedurft hätte, daß der Verband eine geschichtliche, religiöse und politische Notwendigkeit, ein dringendes Zeitbedürfnis gewesen ist, so hätte ihn die gestrige Tagung durchaus erbracht. Der Verlauf derselben gereicht der Kraft und Intelligenz des Judentums in Deutschland zu hoher Ehre. Man kann über einzelne Anschauungen und Ideen anderer Ansicht sein — und wir werden noch wiederholt Gelegenheit haben, auf einzelnes zurückzukommen — das Ganze war ein Kidusch Haschern in des Wortes idealstem Sinne. Zunächst geben wir hier eine übersichtliche und objektive Darstellung des Verlaufs der Verhandlungen: Frankfurt a. M., 13. Oktober. Der zweite Verbandstag des „Verbandes der deutschen Juden" wurde gestern abend durch einen von dem Ortsausschuß dargebotenen Begrüßungsabend eröffnet. Etwa 400 Personen füllten den herrlichen großen Saal der Frankfurt-Loge, in dem sich recht bald ein äußerst lebhaftes Treiben entwickelte. Namens des Ausschusses begrüßt Justizrat Dr. Bert hold Geiger die Delegierten — fast 400 an der Zahl — und gibt dem Wunsch Ausdruck, der Vertretertag möge in seinem Verlauf durch Taten und durch die Einheit, mit der er seine Beschlüsse faßt, wirken. Er möge sür die Gleichstellung der Juden arbeiten. Namens des Vorstandes des Verbandes dankte Rabbiner Dr. Vogelstein-Stettin für den herzlichen Empfang der Frankfurter, worauf Rechtsanwalt Dr. Merzbach-Frankfurt namens der Frankfurt-Loge die Delegierten bewillkommte. Hierauf richtete Dr. med. Lichtenstein - Neuwied an die Versammlung einen Gruß in gebundener Rede, der in den Worten gipfelt: „Und unser Tun, es dringe bis zu des Herrschers Thron, Es müsse uns bekennen: Der rechte, echte Jude ist Deutschlands bester Sohn," Lebhafter Beifall wurde dem Dichter und dem eindrucksvollen Rezitator gezollt. Diesem Begrüßungsabend ging eine Besprechung der Delegierten voraus, die den Zweck hatte, die Richtlinien sür die heutigen Verhandlungen sestzulegen. Heute vormittag um 11 Uhr begann die Hauptversammlung im großen Saal des Saalbaues, in Anwesenheit von etwa 2500 Personen, die die Logen und die Galerien bis auf den letzten Platz füllten. Unter den anwesenden Mitgliedern bemerkte man von bekannteren jüdischen Persönlichkeiten, die in der Oeffentlichkeit stehen: Landtagsabgeordneter Dr. Cassel-Berlin; Geheimer Regierungsrat Dr. Aron-Berlin, Landtagsabgeordneter Aronsohn-Bromberg, Landtagsabgevrdneter Dr. Cohn-Dessau, LandtagsabgeordneterWolf- Lissa, Professor Dr. Ludwig Geiger -Berlin, Landtagsabgeordneter Landgerichtsrat P e l t a s o h n - Berlin, R u d o l s M o s s e - Berlin, Geheimer Regierungsrat Dr. Pinn er-Berlin, Charles Hall garten-Frankfurt, Geheimer Hofrat Gundelfinger-Darmstadt u. a. Den Vorsitz führte Justizrat Dr. Lach mann - Berlin; stellvertretende Vorsitzende sind: Professor Dr. Martin Philippson-Berlin und Justizrat Dr. Horwitz - Berlin. Vor Eintritt in die Tagesordnung schlägt dev Vorsitzende vor, an den Deutschen Kaiser folgendes Huldigungsielegramm abzusenden : „Ew. Majestät bringen 400 Abgesandte deutscher jüdischer Gemeinden aus allen Teilen des Reiches, geeint im Verbände der deutschen Juden von Frankfurt a. M., dem Sitze einer uralten jüdischen Gemeinde, alleruntertänigste Huldigung und das Gelöbnis unwandelbarer Treue dar." Der Vorschlag findet begeisterte Aufnahme, worauf Regierungsrat Walther-Wiesbaden den Vertretertag im Namen des Regierungspräsidenten von Meister-Wiesbaden herzlich begrüßte und versicherte, daß berechtigte Wünsche der Juden bei der Regierung stets freundliche Aufnahme finden werden. Stadtrat Sch au mann bietet der Versammlung hierauf namens des Magistrats der Stadt Frankfurt einen herzlichen Gruß dar. Er erinnert an die Bedeutung, die die Juden Frankfurts schon vor Jahrhunderten in unserer Stadt hatten: die Stadt Frankfurt sei sozusagen verknüpft mit der Geschichte der Juden, denen die Vaterstadt verdanke eine werktätige Förderung von Volkswohlsahrt, Kunst und Wissenschaft. Die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung der Juden Frankfurts könne der Stadt nur förderlich und nützlich sein. Deshalb wünsche der Magistrat, daß die Bestrebungen des Vorstandes deutscher Juden sich erfüllen mögen. Rechtsanwalt Dr. Bla u begrüßt hierauf namens der israelitischen Gemeinde den Kongreß, die sich als die Zentrale der süddeutschen Judenheit fühle und die hoffe, daß die Kämpfe des Verbandes für Gott, Ehre, Freiheit und Recht zur staatsrechtlichen Gleichberechtigung der Juden führen mögen. Wahres Judentum und echtes Deutschtum möchten einander durchdringen und befruchten; das könne dem Staate nur zum Vorteil werden! Der Vorsitzende des Verbandes erstattete hierauf den Geschäftsbericht und erinnerte daran, daß die erste Hauptversammlung, die am 30. Oktober 1905 in Berlin stattgefunden hat, in erster Linie die Aufgabe gehabt hatte, den Gedanken der Einigkeit unserer Glaubensgenossen im deutschen Reiche zu dienen. Dieses Mal handle es sich darum, Rechenschaft über die geleistete Arbeit zu geben. Matt habe unter Vermeidung aller Angelegenheiten, welche Fragen der Religion, des Kultus und der inneren Gemeindeverwaltung betreffen, danach gestrebt, sür alle auf unseren Glauben und unserer staatsrechtlichen Stellung begründeten Ansprüche an Staat und Gesellschaft öffentlich namens der Gesamtheit einzutreten. Man habe bei der Beratung des preußischen Schulgesetzes den jüdischen Interessen Geltung zu verschaffen gesucht, und wenn in Zukunft von einer jüdischen Volksschule und von einer Berücksichtigung des jüdischen Religionsunterrichts bei Schulkindern der preußischen Volksschule die Rede sein werde, so sei dies den Bemühungen des Vorstandes zuzuschreiben. Man

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.