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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-05-05 · Heft 54 (5.5.1838) · p. Seite 218

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 54 (5.5.1838)
Date
1838-05-05
Page
Seite 218 (sequence 2)
Language
German
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218 Zustandes der Israeliten? Wir glauben, daß das wirksamste Mittel, den Zustand der Juden zu verbessern, darin besteht, wenn man - zur Ehre des menschlichen Geistes und Herzens im wahren Sinne des Ehristenthums endlich einmal aller Intoleranz entsagt, den Juden als Bruder und Mitbürger ohne Scheelsucht anerkennt, an seiner bürgerlichen Entwickelung sich freut, ihm die gesellschaftlichen und Familim- Kreise öffnet, wo er sich freuen kann mit den Fröhlichen. Dahin rechnen wir auch vorzüglich Gleichheit vor dem Gesetze mit seinen christlichen Mitbürgern. Denn so lange diese nicht stattsindet, so lange die Schmach des Gesetzes auf dem Juden lastet, ist an keine gründliche Verbesserung seines Zustandes zu denken. Wir sind daher ganz anderer Meinung, als jener Correspondent, welcher die diesseitigen Ausnahmsgesetze auf die hessische Rheinprovinz angewendet wissen will, weil — nun weil einige Juden sich dem Einzelhandel mit Grundstücken hingeben sollen, den dort manche Christen gern allein betreiben' möchten. — Ein solches Verlangen^zeigt übrigens nur 'von zeitwidrigen Ansichten über die Beschränkung des freien Verkehrs und der freien Dispositionsbefugnisse der Grundeigenthümer, und selbst von einer Unkunde der diesseits des Rheins wirklich bestehenden Verhältnisse, indem nicht allein längst die besondere Taxe der Juden für die Erlaubniß zum Erwerb von Immobilien gesetzlich aufgehoben, sondern auch die frühem gesetzlichen Erwerbs-Beschränkungen, welche ohnedies nicht in den neuen Landen Gesetzes-Kraft harten, nach und nach durch Praxis und mildernde Bestimmungen fast ganz obsolet geworden sind. 'Schließlich möge hier nur noch die Bemerkung stehen, daß es . nicht die Freunde der Juden sind, welche die Verbesserung ihres Zustandes als von ihnen allein abhängig darstellen, und welche, die schweren gesetzlichen Fesseln ignorirend, die sie hemmen, dennoch verlangen, daß die Juden schnelleren Schrittes voranschreiten sollen. St. Petersburg, 31. Marz (Privatmitth.). Sie wissen, daß die russische Regierung seit einigen Jahren das Schicksal der Hebräer, die in so bedeutender Anzahl unter ihrem Zepter leben, zu erleichtern suchte. Durch einen jener Sprünge, welche die Geschichte der Juden öfter aufweist, und deren Quelle oft in den geringfügigsten Ursachen verborgen liegt, ist fetzt eine Maßregel ergangen, welche viele Tausende hart betrifft. Ein Ukas vom 5. Januar bestimmt, daß Kaufleute erster Gilde jährlich nur auf 6, zweiter Gilde nur' auf 3 Monate, und zwar immer nur hintereinander, Kaufleute dritter Gilde aber gar keine Pässe in fremde Gouvernements erhalten sollen; daß ferner nicht wie bisher allen Mitgliedern des Hauses, sondern nur den Chefs der Aufenthalt am fremden Orte gestattet sei. Welcher Nachtheil dadurch den Geschäften, welcher Zwang den Individuen dadurch auferlegt ist, ist unberechenbar. — Bei einer solchen Maßregel ist man berechtigt, nach der Ursache zu fragen, und das erste wird die Vermuthung sein, daß die russischen Hebräer allesammt einen Geist der Unruhe, oder sonstiger nachtheiliger Bewegung gezeigt haben, welcher sie einer solchen Beschränkung unterwerfen mußte. Aber nichts weniger. Es fällt hier die Schuld einer Zahl von drei oder vier Verbrechern auf anderthalb Millionen Menschen zurück. Bei dem Brande des Winterpalastes haben sich unter notorisch vielen christlichen Individuen auch einige jüdische Fremdlinge des Ankaufs entwendeter Sachen verdächtig gemacht. Daß diese nun nach völliger Ermittelung des Thatbestandes auf's härteste, eben so wie die christlichen Schuldigen, bestraft wurden — war natürlich zu erwarten und zu wünschen. Aber nach der alten Gewohnheit hat man die Strafe auf alle Juden ausgedehnt, und sie mehr als je zu glebae adscriptos gemacht, und dadurch abermals einen Stillstand in der Entwickelung ihres Zustandes hervorgebracht, der von langer Dauer und tiefer Wirkung für das allgemeine; wie für das Glück unzähliger Einzelnen sein wird. — G. - Man ist gewohnt, und zwar in der ganzen civilistrten Welt, die Großthaten eines Juden immer nur als die eines Einzelnen - hervorzuheben, hingegen die Schuld Einzelner auf die ganze Masse zu walzen. Ehe diese Sitte in Europa nicht getilgt ist, kann an keine wahrhafte Emancipation, selbst bei völliger Gleichstellung, gedacht und geglaubt werden — so lange ist auch an die Sicherheit der Verhaltm'sse, selbst bei völliger Gleichstellung, nicht zu glauben; denn die Ausnahmegesetze können immer wieder zum Vorschein kommen, wie man weiß. Daß von jeher die Juden unter sich das moralische Princip zu erhalten und zu verstärken gesucht, bezeugt schon der alte Gebrauch, in die „Todtenbrüderschaft" oder „BeerdlgungsgeseUschaft," Niemanden aufzunehmen, der -in gerichtlicher Untersuchung gestanden und nicht frei gesprochen worden. Wir ersuchen die israelitischen Gemeinden aller Lander, mit Strenge hierüber zu wachen, und dahin auszudehnen, daß ein Solcher z. B. keine Mizwa in derSynagoge erhalten kann, er müßte denn durch spätem fünf- oder zehnjährigen unsträfllichen Wandet seine Besserung kund gethan haben. Auf diese Weise läßt sich am besten erweisen, daß die Gesammtheit der Verbrechen Einzelner theilhaftig zu machen, die höchste Ungerechtigkeit sei. Die Redaction. Pesth, 4. April (Pcivatmitth.). Wenn ein jedes unglückliche Ereigniß manches Gute in seinem Gefolge mit sich führt, so auch die beklagenswerthe Ueberschwemmnng, die uns betroffen. Nach den verhangnißvollen Tagen des Marz hat der Bürgerausfchuß und Magistrat der königl. Freistadt Ofen die Emancipation. der Juden für diese Stadt zur Rede gebracht, und sofort einstimmig angenommen, daß den Juden ertaubt werde, sich in Ofen ansässig zu' machen, Grundbesitz zu erwerben, und alle Gewerbe zu betreiben. Das desfalstge Dekret liegt jetzt vor der königlichen Tafel. — Da das patriotische Benehmen der pesther Israeliten dies größtentheils zur Folge hatte, so können wir diese Begebenheit als einen zwiefachen Triumph unserer heiligen Angelegenheit arischen.

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