Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1907)
- Date
- 1907-08-30
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3228744-3228780--63789-3297713- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
MMSWWWWMWW^^WMMWWMMWMWWWM spräche der leitenden Stellen der Kongresse und Konferenzen anzuerkennen und einzuführen. (!) Hierbei wird es der Organisation an* heimgestellt, sich neben der hebräischen Sprache auch anderer Sprachen mit Rücksicht auf die Notwendigkeit der Popularisierung zu bedienen. — Die Königin der Niederlande hat dem Kongresse für die ihr dargebrachte Huldigung telegraphisch ihren herzlichen Dank aussprechen lassen. — In der Montagssitzung kam es, nachdem die zionistische Arbeiterpartei wegen der Streiks in Palästina die Parteileitung schon in der letzten Sitzung angegriffen hatte, zu stürmischen Debatten. Es sollte über die Resolution betreffs Gründung praktischer UnteK nehmungen in Palästina abgestimmt werden. Die unter Führung des Ingenieurs Ussichkin stehende Gruppe fordert die momentan zu betreibende Besiedlung Palästinas, während die Wortführer der anderen Richtung, namentlich Max Nord au und Alexander Marmorek, an dem von Theodor Herzl festgelegten Prinzip der Erreichung eines Charters für Palästina sesthalten und gegen die verlangte Heranziehung der zionistischen Fonds Verwahrung einlegten. Nach erregter Debatte wurden die „politischen Zionisten" niedergestimmt und die fortzusetzende Kleinkolonisation in Palästina von der Majorität genehmigt. — Am Dienstag Vormittag wurde die Spezialdebatte über die Palästinasrage fortgesetzt. Nach eingehender Diskussion wurde beschlossen, daß innerhalb des engeren Aktionskomitees ein besonderes Palästinaressort gebildet werde, dem 25 Prozent aller Einnahmen der Organisation von vornherein zufließen sollen. Die Nachmittagssitznng war mit der Verhandlung über die etwas trockene Materie der Neufassung des Organisationsstatuts ausgefüllt. Großen Beifall erweckte die Mitteilung des Präsidenten, das; von dem Mitglied des A. C. Herrn Jakob Moser aus Bradford die Snnime von 80 000 Franken für das hebräische Gymnasium in Jaffa und 10000 Franken für die KunstgewerbeschuleBezalel in Jerusalem gespendet worden sind. Damit ist die Zukunft des hebräischen Gymnasiums in Jaffa, das seit zirka einem Jahre besteht, und wenn auch vorläufig in bescheidenen Verhältnissen, schon sehr Ersprießliches geleistet hat, gesichert. Am Mittwoch Vormittag fand die Generalversammlung der jüdischen Kolonialbank statt, in der beschlossen wurde, eine Dividende von 3V3 Prozent zu erklären. Nachmittags wurde auf den Vorschlag des Präsidenten der Beschluß gefaßt, einen Parteifonds zu schaffen, zu dem jeder Zionist verpflichtet ist, im laufenden Jahre mindestens fünf Franken beizusteuern. Hierauf ging man"zu den Wahlen über. In das engere A. C. wurden Herr David Wolffsohn, Köln als Präsident, Herr Professor Otto Marburg, Berlin und Herr Jacobus H. Kann, Haag gewählt. Sodann erfolgte die Wahl des großen A. C., das aus 65 Mitgliedern, Vertretern der verschiedenen Landsmannschaften und der Kommission, besteht. Gegen 'Iß Uhr abends schloß der Präsident den Kongreß. * Vllll Muh und Fern. In den Strafanstalten des Ministeriums des Innern wurden nach der preußischen Statistik vom Jahre 1905 rückfällige Strafgefangene eingeliefert: im Jahre 1905 im ganzen 2957, hiervon 17 Juden. Die Prozentzahl bei den Juden ist also wesentlich geringer, als ihrer Prozentzahl in der Bevölkerung entspricht, und würde, wenn man das Verhältnis zur Zahl der Strafmündigen berechnete, noch günstiger sein. — Den Charakter als Geheimen Sanitätsrat erhielt Sanitätsrat Dr. Louis Maretzki, den Charakter als Sanitätsrat die Herren Dr. Karl Hollstein, Charlottenburg, Dr. Paul Mannheim, Dr. Jaques Obstreicher, Dr. Maximilian Nadt, Dr. Philipp Sternberg und Dr. Abraham Weyl. — Der Königliche Regierungsbaumeister und Polizeibauinspektor a. D. Egon Rosenbaum, bisher in Halle a. S., jetzt in Berlin, hat den Roten Adlerorden 4. Klasse erhalten. — In Charlottenburg ist am 23. d. M. der Stadtrat a. D. Ad ol f Eloe ss er im 83. Lebensjahre an Herzschwäche gestorben. — Im Lübeckischen Staat gab es nach den vom Statistischen Amt in Lübeck veröffentlichten Ergebnissen der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 631 Israeliten (312 männlich, 319 weiblich) unter einer Gesamtbevölkerung von 105 857 Personen (5t 922 männlich, 53 935 weiblich). — Dem Rentner Leonhard Emanuel in Köln, der zu Beginn dieses Jahres seinen Wohnsitz einstweilen nach Solln bei München verlegt hat, ist der Rote Adlerorden 4. Klasse verliehen worden. Emanuel ist lange Jahre in seiner Vaterstadt Köln auj mancherlei Gebieten segensreich tätig gewesen. — Sanitätsrat Dr. Levison in Siegburg, der dieser Tage sein vOjähriges Doktorjubilänm feierte, ist aus diesem Anlaß zum Geheimen Sanitätsrat ernannt worden. — Bei dem Festessen, das sich der dieser Tage stattgehabten Einweihung der Bernhardus-Kirche in Fra nkf urt a. M. anschloß, wies Bischof Dr. Willi von Limburg darauf hin, daß vielleicht auch jüdische Einwohner zur Ausschmückung der Kirche ihr Scherflein beitragen würden, wenn man sie daran erinnere, daß der heilige Bernhard von Clervaux einst in Worms einer Judenverfolgung Einhalt getan habe. — In Frankfurt a. M. fand am Donnerstag, 15. August, eine Versammlung orthodoxer Rabbiner statt, in welcher ein deutscher orthodoxer Rabbinerverbant konstituiert und gegen die Beschlüsse der französischen Rabbiner- Versammlung in bezug auf die jüdische Ehe und Scheidung vom 12. Juni 1907 Stellung genommen wurde. — Am 26. d. M. feierte der rühmlichst bekannte Lehrer Marx in Alsheim das Fest seiner goldenen Hochzeit. Weite Kreise beteiligten sich an diesem Jubelfeste des allgemein geachteten Pädagogen. — Der 15. Orientalistenkongreß findet im August 1908 zu Kopenhagen statt. Es sollen sieben Abteilungen gebildet werden; eine indo-germanische, eine ostasiatische, semitische, ägyptisch-afrikanische, griechisch-orientalische und ethnographisch-folkoristische. Vorsitzender ist V. Thomson, Schatzmeister I. Glückstadt. — In Tomaschpol (Gouvernement Podolien wurde eine Juden Hetze veranstaltet. Am Sonntag brach zwischen Ladenbesitzer und Bauern, welche ihm ein Stück Zeug gestohlen hatten ein Streit aus. Darauf erfolgte eine vollständige Verwüstung der jüdischen Läden. Sehr verspätet traf ein Landpolizist mit mehrerer Reitern ein, die von der plündernden Menge mit einem Steinhage! empfangen wurden, worauf sie Feuer gaben. Zwei der Plünderei und ein jüdischer Knabe wurden getötet. Nach der Salve flohen di! plündernden Bauern, wobei sie einen großen Teil des Eigentums bei von ihnen ausgeraubten Juden auf Wagen mit sich führten. Jetzi wird Tomaschpol von 18 Polizisten und mehreren Reiterpatrouillei bewacht. — Oberst Schröder, der am Sonnabend in Bialysto erschossen wurde, war der Militärchef der dortigen Eisenbahnstation Als Haupturheber der Judenhetze war er es, der auf dem Bahnho die Schwarzen Banden versammelte und sie mit dem Ruse: „Schlag! die Juden tot!" zu ihrem blutigen Werke anfeuerte. In der gericht lichen Verhandlung wegen dieser Hetze hatte Schröder als Zeuge vernommen werden sollen. Die Verteidigung hatte zudem den Antrag gestellt, daß Schröder selbst in den Anklagezustand versetzt werde. Die Militärbehörde legte jedoch Verwahrung dagegen ein. Schröder ging somit straflos aus. Nicht genug damit, wurde er, der bis dahir Major gewesen war, zum Obersten besördert. Daraufhin fällten dü revolutionären Parteien das Todesurteil gegen ihn, das nunmeln vollstreckt worden ist. — Während des vorjährigen großen Pogrome in Bialystok wurde ein junger Mann militärpflichtigen Alters, eil. gewisser Samuel S., Sohn eines jüdischen Volksschullehrers, erschlagen Die Beerdigung erfolgte wenige Tage darauf. Jetzt hat ihn abe: die Rekrutenaushebungskommijsion in aller Form aufgefordert, sicl zu stellen. Da er dieser Aufforderung aus begreiflichen Gründen nicht Folge leisten konnte, wurde sein Vater von Rechts wegen zi einer Geldstrafe von 300 Rubeln verurteilt. Vergeblich wandte e: ein, daß er nichts dafür könne, daß sein Sohn tot ist. Die Kommissior war unerbittlich und ließ ihm seine Habseligkeiten pfänden. Er sah siü nun genötigt, eine Bittschrift an den Kaiser zu richten, damit ihm bh Strafe für die Fahnenflucht seines toten Sohnes im Gnadenweg, erlassen werde. — Der Gouverneur von I e katerinoslaw hat de: jüdischen Handwerkern erlaubt, ihre jüdischen Angestellten Sonntag zu beschäftigen. Die Annahme von Bestellungen und der Verkau ihrer Erzeugnisse ist jedoch den jüdischen Handwerkern an Sonntage! untersagt. — Der russische Senat hat dahin erkannt, daß all zionistischen Vereine und Gesellschaften verboten und deshalb g( schlossen werden müssen.